Film-Tipp

Back to Maracanã: Schicksal, Fußball und Magie

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„Du hast deine ganzen Ersparnisse für diese Tickets ausgegeben“, staunt Roberto, ein gescheiteter Geschäftsmann, als er mit seinem Vater Samuel im Flieger nach Brasilien zur WM sitzt.

„Keine Sorge, dein Erbe ist gut angelegt“, beruhigt ihn der 76-jährige (Antônio Petrin) fanatische Fußballfan schmunzelnd. Sein Ziel: Zurück in seiner alten Heimat noch einmal dabei sein beim alles entscheidenden Endspiel im legendären Maracanã-Stadion. Enkel Itay freilich kann dem ganzen Trip gleich gar nichts abgewinnen. 

Wenn es etwas gibt, das ihn noch mehr nervt als sein geschiedener Vater Roberto (Asaf Goldstein), dann ist es Fußball. „Mit Mama fliege ich immer Businessclass“, beschwert sich der Zwölfjährige. Seine Sommerferien wollte der verwöhnte Jungspund lieber mit ihr verbringen. Sie musste jedoch angeblich mit ihrem neuen deutschen Chef auf Dienstreise. Dem illustren Trio aus Israel steht nun einiges bevor. Denn Hotelzimmer sind während der WM natürlich ausgebucht. Und bei Samuels Schwester können sie auch nicht unterkommen. Die beiden Geschwister sind nämlich heillos zerstritten. Also mietet der findige Großvater ein abgewracktes Wohnmobil. Und auf geht’s quer durch Brasilien. Keiner ahnt, dass ihm eigentlich die Zeit davonläuft, weil Samuel den Termin für eine dringend notwendige Herzoperation schlicht ignoriert.

Eine turbulente und emotional anrührende Reise zwischen Campingplätzen, ausgelassenen Grillfesten, belagerten Ticketbüros und überfüllten Stadien beginnt. Und während die drei Helden ein WM-Spiel nach dem anderen verpassen, tun sich, trotz aller Hindernisse zwischen ihnen, neue Horizonte auf. Verdrängte Familiengeheimnisse kommen ans Licht. Und am Ende schließt sich der Kreis um Samuels Lebensgeschichte.

Das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro steht für die Magie des Fußballs schlechthin. Allerdings haben die Brasilianer hier auch das Endspiel der Weltmeisterschaft von 1950 gegen den Erzrivalen Uruguay verloren. Und so ist dieser Tempel für fußballverrückte Brasilianer gleichzeitig zum Symbol einer unvergessenen Niederlage geworden. Zwischen diesen beiden Polen, der Euphorie des Triumphs und dem quälendem Gefühl der Vergeblichkeit, bewegt sich die berührende Geschichte des jüdischen ExilBrasilianers Samuel, der seit den 50er Jahren in Tel Aviv lebt.

Fußball avanciert bei diesem wunderbar sensiblen und tiefgründigen Sommerfilm zum Schicksalsspiel. Das mit lebendigem Lokalkolorit inszenierte Roadmovie erfreut so auch das Herz von ausgemachten Fußballmuffeln, die der Ballzauber vom Zuckerhut nicht automatisch begeistert. Schon allein durch die Figur des pfiffigen Großvaters, die der versierte Schauspieler Antônio Petrin verkörpert, ist für unterhaltsame Momente gesorgt. Dass, für hiesige Zuschauer, die Shoah mitschwingt, wenn grölende deutsche Fans auftauchen, ist nicht dem israelisch-argentinischen Regisseur Jorge Gurvich anzulasten. Äußerst dezent bleibt dieses Kapitel deutscher Schuld im Hintergrund. Darüber nachzudenken lohnt sich freilich immer.

Autor: Luitgard Koch

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