DOK.Fest München@home 2020

Dem Kino ein Fest

Wie immer, im Mai, gibt’s den traditionellen Münchner DOK.Fest-Rausch. Ganze 18 Tage lang. Diesmal zu Hause.

DOK.Fest München @home. 4,50 Euro kostet das Ticket, dann hat man 24 Stunden Zeit zum Schauen. Wer mag, legt einen Euro drauf und unterstützt damit die Partnerkinos Neues Maxim, Rio-Filmpalast und die City-Kinos. DOK.Fans besorgen sich am Besten den Festival-Pass, für 50 Euro, mit dann (fast) unbegrenztem Zugang zum ganzen Programm.

121 Filme aus 42 Ländern. Viele davon Premieren. Das Filmprogramm 2020 ist nach Reihen, Ländern und Themen sortiert, die # Hashtags helfen bei der Qual der Wahl. Ganz wichtig: # Limited Edition. Das sind Filme, die nur begrenzt zur Verfügung stehen. Richtiges Festivalfeeling gibt’s bei den Live Q&As, moderierten Gesprächen mit den Regisseur*innen, immer abends, „gleich nach dem Film“.

Ein paar Empfehlungen:

The Euphoria of Being

Lebenskunst. Ein bewegender Lebensfreude-Tanz-Film ist der Opener The Euphoria of Being mit der 90 Jahre jungen Éva Fahidi, die zusammen mit Regisseurin Réka Szabó und einer jungen Tänzerin eine hinreißende Tanzperformance entwickelt, in der es um Körper, Erinnerung, Selbstausdruck – und Évas Traumata als Auschwitz-Überlebende geht. Klingt, rund um den 8. Mai, nach „Film zum Thema“ – ist aber zuallererst ein kraftvoller Film über drei Frauen aus drei Generationen, die, durch das gemeinsame Projekt, große Nähe zueinander entwickeln. Ganz nebenbei geht’s auch noch um Ungarn, die Geschichte, die Gegenwart, die Hoffnungen, die Verluste … 1945, 1956, 1989 … (Achtung! Limitiert bis 17. Mai).

Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klingt

Selbstentfaltung. 1906 malte sie ihre ersten abstrakten Bilder, und wurde so, lange vor Kandinsky, Malewitsch, Mondrian, Klee, Warhol eine Pionierin der abstrakten Kunst. Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint ist ein hinreißend gelungener Film von Halina Dyrschka und Eva Ilmer über diese schwedische Malerin (1862 bis 1944), die erst vor wenigen Jahren dank einer großen Ausstellung späte Berühmtheit erlangte. Gewinner beim VFF-Dokumentarfilm-Produktionspreis 2020! (Achtung! Tickets limitiert)

Dreiviertelblut – Rundumadum

Heimatsound. Könner. Man muss nur ein paar Namen fallen lassen: Marcus H. Rosenmüller, Gerd Baumann, Bananafishbones-Frontmann Sebastian Horn. Da werden Oma und Opa, die oiden Nockherberg-Singspiel-TV-Kucker hellwach, es klingelt bei den Königsplatz-Freiluft-Musi-Gehern und den Circus-Krone-Ticket-Dealern. Dreiviertelblut – Rundumadum heißt der Konzertfilm in der DOK.music 2020 Reihe. Dem Rosi zur Seite standen Johannes Kaltenhauser und Patrick Lange, die zwei gstandenen Münchner „Südkino“-Doku-Filmer. Senza Corona: Großes Kino – zum Säle füllen. Kein Lied ohne Hinterhalt: „I bleib in mein Zimmer und i geh nimma raus“. Passt.

Die Winterreise

Deutschland, 1930er Jahre. Der US-Amerikaner Martin Goldsmith versucht, die Geschichte seiner jüdischen Eltern, die 1941 nach Amerika flohen, zu rekonstruieren. Beide waren als junge Musiker Teil des von Goebbels ins Leben gerufenen jüdischen Kulturbundes. Mit Hilfe von außergewöhnlichem Archivmaterial und inszenierten Interviews, die auf Gesprächen Martins mit seinem Vater (gespielt von Bruno Ganz !) beruhen, wird Anders Østergaards Die Winterreise zu einer berührenden Filmerzählung über Identität, Musik und die Liebe. Übrigens: Østergaard wurde 2008 berühmt mit „Burma VJ – Berichte aus einem verschlossenen Land“, einem Samisdat-Film über die damals junge Demokratiebewegung in Myanmar. (Achtung! Limitiert vom 15. bis 17. Mai)

Copper Notes

News from Syria. Jarmuk, ein Vorort von Damaskus, war jahrzehntelang ein Flüchtlingscamp für Palästinenser. Nach Zerstörung, Invasion des IS und einer Hungersnot, leben hier noch 200 Menschen. Der zehnjährige Malook und seine Schwester wollen ein Konzert geben, zusammen mit professionellen Musikern. Wie finanziert man das? Mit Kupferkabeln aus den Ruinen. Copper Notes of a Dream des iranischen Regisseurs Reza Farahmand begleitet die Hoffnungen, Träume und den chaotischen Alltag der Kids. (Ausgezeichnet mit dem Dokumentarfilmpreis der SOS-Kinderdörfer weltweit).

Sunless Shadows

Frauen im Iran. Mehrdad Oskouei ist ein berühmter iranischer Regisseur, der sich in all seinen Filmen an die schwierigsten Themen wagt. In seinem bewegenden Film Sunless Shadows geht es um junge Frauen, die ihre gewalttätigen Väter oder Ehemänner ermordet haben, in Haft sind, mit ihren Müttern Videobotschaften tauschen dürfen, im Gefängnis eine solidarische Gemeinschaft leben und sich im Gespräch, ein wenig, von ihren Traumata befreien. Großes empathisches Kino. Preise auf über 40 Festivals!

Nachspiel

Borussia Dortmund. Drei junge Talente. Ihr Traum: Fußballprofi. 20 Jahre später. Was war? Was bleibt? Was kommt? Was ist Erfolg? Was ist Scheitern? Was zählt? Heiko Hesse arbeitet heute bei der EU in Brüssel, Florian Kringe, jetzt Mitte 30, braucht eine neue Hüfte, Mohammed Abdulai ist jetzt Busfahrer. Nachspiel heißt die Langzeitbeobachtung der beiden Ruhrgebiet-Doku-Pioniere Christoph Hübner und Gabriele Voss. Nach „Die Champions“ und „Halbzeit“ folgt hier der Abschluss ihrer Fußball-Trilogie. Lebensläufe mit der Kamera begleiten – über 20 Jahre. Klassischer Dokumentarfilm. (Achtung! Begrenzt auf 1000 Karten!)

143 Rue du désert

Paris – Dhakar. Jeder auf dem Trans-Sahara-Highway in Algerien fährt an Malikas Kiosk mitten in der Wüste vorbei. Selten kehrt jemand ein. Für einen Tee. Ein Omelett. Eine Zigarette. Trucker, alte Männer aus der Gegend, eine Bikerin aus Berlin … Malikas Reich. Ein ganzes Leben. Ein großes Herz. Viele Geschichten. Absurde Szenen. Sandstürme. 143 Rue du désert von Hassen Ferhani ist Beobachtung, Inszenierung, ernst, heiter. Eine Liebeserklärung: An Malika, und ans Kino sowieso.

Autor: Hermann Barth

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