DOK.fest München@home 2020

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MAIDEN

Das 35. DOK.fest muss man dieses Jahr online genießen, dafür stressfrei und kostengünstig. Gestreamt werden 121 Filme aus 42 Ländern, darunter 21 Weltpremieren

Die Kinos sind zu. Aber das Münchner DOK.fest findet statt! @home, also online, ab 6. Mai – und bis zum 24. Für 4,50 Euro pro Film. Oder für 5,50 Euro – dann geht ein Euro an die Partnerkinos, die alle ums Überleben kämpfen. Für Cineasten empfiehlt sich der Festivalpass für 50 Euro, mit ihm sind alle Filme abrufbar. Alle Infos gebündelt unter: www.dokfest-muenchen.de.

Same same, but different. 121 Filme aus 42 Ländern, darunter 21 Weltpremieren und 69 Deutschlandpremieren. Wie immer gibt es Wettbewerbe, Jurys und Preise für die Filmemacher*innen. Also hinein ins digitale Vergnügen, und sich ein individuelles Line-up zusammenstellen. Nach Reihen, Ländern, Themen, Künstlerpersönlichkeiten...

Zum Beispiel:

Die renommierte Cutterin Bettina Böhler („Transit“) erinnert in ihrem Regiedebüt (Christoph) Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien an den genialen Allroundkünstler und Bürgerschreck, der sich und sein Werk – in Interviews und Live-Mitschnitten – selbst kommentiert. 2010, zum Tod des Regie-Enfant-Terribles, der mit Arbeiten wie „Das deutsche Kettensägen Massaker“ verstörte und provozierte, schrieb Elfriede Jelinek: „Ich dachte immer, so jemand kann nicht sterben. Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre“.

Ein Nachruf anderer Art ist Babenco: Tell Me When I Die. Ein intimer Essayfilm, in dem die Schauspielerin Bárbara Paz die tödlich verlaufende Krebserkrankung ihres Mannes, des brasilianischen Regisseurs Hector Babenco („Kuß der Spinnenfrau“), auf dessen Wunsch hin minutiös dokumentierte – mit dem Venezia Classici Award 2019 als Lohn.

Vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Pulitzer- und dem Nobelpreis, wurde die 2019 verstorbene afroamerikanische Schriftstellerin, Lektorin und Bürgerrechtsaktivistin Toni Morrison. Ihr Werden und Wirken zeichnet Timothy Greenfield-Sanders in Toni Morrison: The Pieces I Am nach. Zu Wort kommen prominente Freundinnen und Leserinnen, etwa Oprah Winfrey, Frances Ann Lebowitz oder Angela Davis.

Mit China, seiner rigiden (Expansions-)Politik und dem Streben nach weltweiter wirtschaftlicher Vorherrschaft, setzen sich zahlreiche Beiträge auseinander. Etwa Teboho Edkins’ Kapitalismusstudie Days of Cannibalism, wo chinesische Migranten das traditionelle Wertesystem im Königreich Lesotho, Enklave in der Republik Südafrika, zerstören.

Culture Clash zudem im Kaukasus. Muss das eigene Haus der neuen chinesischen Seidenstraße weichen? Angst und Verunsicherung machen sich in Nino Orjonikidze und Vano Arsenishvilis A Tunnel in einem georgischen Dorf breit. Besonders wegen der Sprengungen, die das projektierte, Titel gebende Megaprojekt bedingt.

Auf die Suche nach ihrem wahren Ich begibt sich Weina. So hat der Vater die Tochter benannt, nach Wien, der Stadt, in der sie aufwachsen sollte. Er ist nach Peking zurückgekehrt, sie ist geblieben. Das Ergebnis: Weiyena – Ein Heimatfilm. Eine bewegte, bewegende Biographie, Kulturrevolution, Kommunismus und Mao inklusive, festgehalten von Weina Zhao und Judith Benedikt.

Stets Thema auf dem DOK.fest: Starke Frauen, darunter einige, die sich in der Sportwelt bewegen. Beispielsweise Visiline Jepkesho, Marathonläuferin aus Katrine W. Kjærs Run Like a Girl. Aus einfachsten kenianischen Verhältnissen stammt sie, mit ihren nicht unbedingt üppigen Preisgeldern ernährt sie die Großfamilie, bei der sie wenig Unterstützung findet. Ein True-Life-Drama, angesiedelt zwischen Alltag und Olympia.

An Belastungsgrenzen geht es auch bei Maiden von Alex Holmes. Tracy Edwards und ihre Mitseglerinnen haben 1989 als erstes Frauenteam den Whitbread Round the World Race, die gefährlichste aller Segelregatten, in Angriff genommen. „Ihr seid nicht stark genug, ihr seid nicht erfahren genug … ihr werdet sterben!“, hat man ihnen prophezeit. Sie haben alle chauvinistischen Vorurteile widerlegt, ihr „absurdes“ Vorhaben durchgezogen – echte Heldinnen.

In der neuen Reihe DOK.music sind unter anderem zu sehen und zu hören: Daniel Hohes‘ Once Were Brothers: Robbie Robertson and the Band, Marcus H. Rosenmüllers Dreiviertelblut live im Circus Krone oder Iva Švarcovás und Malte Ludins Tonsüchtig – Das Innenleben der Wiener Symphoniker.

Alles Infos und Tickets finden Sie hier: www.dokfest-muenchen.de

Autor: Gebhard Hölzl

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