Filmfestival

DOK.fest - Die Welt im (Klima-)Wandel

Das DOK.Fest 2019 in München

DOK.fest zum 34. – mit „Bruce Lee“, Wladimir Putin, Papst Benedikt XVI., Anastasia und einem „Woodstock“-Besuch

„Die Welt durchläuft gerade einen Stresstest.“ DOK.fest-Chef Daniel Sponsel zitiert im Vorwort des Programmhefts UN-Generalsekretär António Guterres, der in seiner Neujahrsbotschaft die Erderwärmung als größte weltweite Herausforderung sieht, aber auch auf andere Problemfelder verwies: militärische Konflikte, Flüchtlingsströme, Verteilungsungerechtigkeit, Intoleranz... 

Brennende Themen, die es rasch zu lösen gilt und die allesamt auf die eine oder andere Art in den über 160 Dokumentationen des diesjährigen Filmmarathons aufgegriffen werden. Kinohopping steht den Fans vom 8. bis zum 19. Mai beim 34. Internationalen Dokumentarfilmfestival bevor, körperliche Fitness ist gefragt, die Zahl der Spielorte hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur um zwei auf 20 verringert.

Alle Termine zum DOK.fest Dokumentarfilmfestival in unserem Veranstaltungskalender

Auch 2019 geht’s in den verschiedenen Reihen wieder um diverse Preise. In den drei Hauptwettbewerben wird der VIKTOR ermittelt, vier weitere Auszeichnungen sind in den Programmsektionen ausgelobt und ein Gewinner steht schon fest: Joost Vandebrug erhält für Bruce Lee & the Outlaw den mit 3.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis der SOS-Kinderdörfer. Der Niederländer erzählt von einem elfjährigen Bukarester Straßenjungen, der auf der Suche nach familiärer Geborgenheit bei einem Kriminellen in unterirdischen Tunneln Unterschlupf und so etwas wie ein Zuhause findet. 

Anders aufbereitet wird das Thema Bleibe in Push – Für das Grundrecht auf wohnen. Fredrik Gertten begleitet die UN Sonderberichterstatterin Leilani Farha bei ihrem Kampf gegen Gentrifizierung. Sie prangert die Methoden der Immobilienbranche an und erläutert, warum die Mietpreise in Ballungsräumen selbst für die Mittelschicht unerschwinglich werden.

Die Arbeiten der achtteiligen Reihe DOK.focus humaNature haben weitere, viel diskutierte Missstände zum Thema. Im Eröffnungsfilm The Whale and the Raven versuchen Walforscher an Kanadas Westküste die angekündigte Supertanker-Invasion und die damit einhergehende Umweltverschmutzung zu verhindern. Die Gegenseite verspricht jedoch, mit dem Industrieprojekt die vor Ort benötigten Arbeitsplätze zu schaffen... Ein komplizierter Fall. 

Monrovia, Indiana

Eindeutiger liegen die Dinge bei Sea of Shadows. Vor Kalifornien jagen Fischer illegal Totoabas, um deren Schwimmblasen an die chinesische Mafia zu verkaufen, Behörden und Aktivisten versuchen das zu verhindern. Aber man muss gar nicht so weit schauen, um auf (drohende) ökologische Katastrophen zu stoßen. „Heimatfresser“ – so ein Familienvater, dessen Dorf „dem größten Loch Europas“ weichen soll – sind auch hierzulande zu Gange. Siehe Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst, wo Bürger gegen den Energiekonzern RWE mobil machen, der in der Region weiterhin Braunkohle abbauen will – trotz der von Deutschland avisierten Klimaziele.

Und was brennt noch unter den Nägeln? Jeder Cineast hat Angst, bei einer Filmschau den (vermeintlichen) Renner zu verpassen. Wer dieses Risiko beschränken will, ist gut beraten, sich die 21 Produktionen von „Best of Fests“ anzusehen. Hier sind Titel versammelt, die bereits auf anderen Festivals liefen, dort gefeiert und/oder prämiert wurden. Etwa Friedkin Uncut von Francesco Zippel, ein Porträt des „New-Hollywood“-Vordenkers, der in den 1970er Jahren mit „French Connection“ und „Der Exorzist“ für Furore sorgte. Zu Wort kommen Kollegen wie Quentin Tarantino, Francis Ford Coppola und Wes Anderson. 

Bestes „Direct Cinema“ bekommt man bei Frederick Wiseman, dem Meister der unkommentierten Langzeitbeobachtung, zu sehen. Diesmal hat’s den Veteranen nach Monrovia, Indiana, verschlagen, eine Kleinstadt im Herzen von „Trump-Country“, wo sich im Mikrokosmos der 1400-Seelen-Gemeinde die USA und ihre Gesellschaft spiegelt. Mit Putin’s Witnesses porträtiert Vitaly Mansky, der einst für den ersten Mann im Kreml tätig war und dessen Werbekampagne verantwortete, den russischen Präsidenten. Heute steht er seinem Ex- (KGB)-Chef kritisch gegenüber und zeigt ihn mit seinem Archivmaterial aus nächster Nähe.

Für einen „Heilsbringer“ anderer Art interessiert sich Christoph Röhl in Verteidiger des Glaubens. Sein „Held“, Kardinal Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI., wollte sein Leben dem Erhalt der Kirche widmen und hat sie in eine ihrer größten Krise geführt. Religions- und Glaubensgeschichte, festgemacht am umstrittenen Pontifex Maximus. 

I Am Anastasia

Was dieser wohl zu I Am Anastasia sagen würde, der Geschichte eines Bundeswehr-Oberstleutnants, der sich eines Tages als Transgender outete. Wie reagierte das Militär mit seinen strengen Regeln und Ritualen darauf? Spannend und überraschend. Wie Reconstructing Utøya, nach den Spielfilmen von Paul Greengrass bzw. Erik Poppe, der erste dokumentarische Versuch, den Amoklauf von Anders Breivik aufzuarbeiten. Am 22. Juli 2011 tötete er auf der im Titel genannten Insel und in Oslo 77 Menschen, vier Überlebende rekonstruieren in einem leeren Filmstudio, wie sie dem Massaker entkommen konnten. Schwer verdaulich. So auch Another Reality, in dem sich Noël Dernesch und Olli Waldhauer den Machenschaften krimineller Familienclans in Berlin widmen.

Dem schnellen Wandel der Zeit setzt Heddy Honigmann, ihr ist die Retrospektive gewidmet, die Magie des Augenblicks gegenüber. Einen ganz persönlichen Blick wirft die in Lima geborene Filmemacherin auf ihre ungewöhnlichen und doch ganz normalen Protagonisten – beispielsweise auf sechs Helferhunde und ihre Besitzer in Buddy, die Besucher und Angestellten des Pariser Friedhofs Père-Lachaise in Forever oder die Multi-Kulti-Musiker von Das Undergrundorchester, die in Paris versuchen, ihr Glück zu machen. 

Apropos Musik: Im Zentrum von Rockabul steht „District Unknown“, die erste und einzige, mit US-Geldern gesponsorte Heavy-Metal-Band Afghanistans, die unter Lebensgefahr auftritt. Beim „Love & Peace“-Festival Woodstock, das sich zum 50. Mal jährt, war das noch anders. Wie anders, davon berichtet – aus der Perspektive einiger Teilnehmer- und Mitarbeiter*Innen – Barak Goodman.

Autor: Gebhard Hölzl

DOK.Fest Dokumentarfilmfestival, verschiedene Spielorte
8. bis 19. Mai, www.dokfest-muenchen.de

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