Weinprobe

Heldenwein im Kaufmannsladen

Das Vinaiolo in Haidhausen

Großer Genuss bei einer Verkostung der Vini da Terre Estreme im Vinaiolo in Haidhausen

Eigentlich sollte die Veranstaltung im neu eröffneten, von Inhaber Andreas Schlapa höchstpersönlich gestalteten „Schanigarten“ des italienischen Restaurants stattfinden. Aber wettertechnisch wurde das Ganze in die wunderbaren Innenräume des Vinaiolo verlegt. Eingerichtet mit dem Interieur eines Triestiner Kaufmannsladens aus dem Jahr 1904, gehört es wohl zu den schönsten und originellsten Lokalen Münchens.

Eingeladen haben die italienischen „Winzerhelden“ von „Vini da Terre Estreme“, vertreten durch Alvaro De Anna, dem Initiator des Projekts und Inhaber der Agentur Pilot Green. Das Portfolio von Terre Estreme reicht von Ligurien bis Pantelleria und umfasst Steillagen ebenso wie Inselweine oder Weine aus besonders kargen Anbaugebieten, deren Weinberge die Winzer mit viel Herzblut und Passion bewirtschaften. Winzerhelden und ihre Heldenweine („Vini eroici“) eben. Mehrere Münchner Weinhandlungen wie u.a. Pure Wine & Food wären bereits interessiert, meinen Susanne Wess und Marco De Vitiis von den Mitveranstaltern RealStories.

Dazu wurde von Restaurant ein mal mehr, mal weniger passendes Menü gereicht, und das war auch schon der einzige Schatten auf einem wunderbaren Abend mit tollem Essen und spannenden Weinen – manchmal hätte der eine Wein zum anderen Gang mehr gepasst, mal umgekehrt. Dafür kann aber das Restaurant nichts: das Wein-Food-Pairing haben die Herren von Terre Estreme übernommen.

Doch der Reihe nach: Mit der Jantelagen IGT Veneto Bianchetto vom Weingut Terre dei Gaia eröffnete ein unfiltrierter und naturbelassener Schaumwein den Reigen, der knochentrocken mit einer angenehmen Frucht sofort für Überraschung bei den anwesenden Pressevertretern sorgte. Sein filtriertes Pendant Ert Spumante Brut di Bianchetto konnte ebenfalls überzeugen, ein guter Start, zudem die Schaumweine auch recht preisgünstig wären, wie uns versichert wurde (wohl so um die 10 bis 15 Euro im Handel).

Weiter ging es mit zwei Weißweinen aus dem Friaul vom Weingut Emiro Bortolusso, das an der Lagune von Marano liegt. Die Reben verlaufen direkt entlang der Fischereikanäle, unter anderem wird hier „Branzino“ gezüchtet, der beliebte europäische Wolfsbarsch. Sowohl der Friulano wie auch der Malvasia Bianco bestechen mit für die Trauben eher untypischen und dem Terroir geschuldeten Salznoten, und setzen sich auch durch eine eher verhaltene, aber feine Frucht von ihren üppigen Verwandten aus den friaulisch-slowenischen Bergregionen deutlich ab. Auch hier große Begeisterung am Tisch für diese einfachen, preisgünstigen und doch ziemlich besonderen Weine.

Als erster Gang kam Suprême von der Wachtel mit einem intensiven Rote-Beete-Mus an den Tisch, perfekt gegart, der Jus ein Traum. Nicht umsonst gehört das Vinaiolo mit seinem Küchenchef Gianni Ianniccari zu den besten italienischen Adressen in der Stadt. Als Weinbegleitung hätte aber der später verkostete, ganz wunderbare Russu die Carpene Etna Rosso 2016 von der Tanuta Monte Gorna wohl besser gepasst.

Die Weine...

Nun führte die Weinreise mit Jancu di Carpene Etna Bianco von Monte Gorna weiter nach Sizilien, das Cuvée aus den Trauben Carricante und Cataratto hat eine intensive Nase mit blumigen Noten und ergänzte charmant die Jakobsmuscheln auf und mit zweierlei Paprika-Mus und -Chips.

Zurück ging’s ins Friaul mit einem spontanvergorenen Alture Bianco (Weißburgunder und Ribolla Gialla) vom Weingut Gaspare Buscemi. Der aromatische, fast schon überreife Wein gestaltete sich anfangs nicht ganz einfach und regte zu Diskussionen an, was die Essensbegleitung betraf. Eine Kollegin dachte an Pilze und hatte recht: zu den Tagliatelle mit Steinpilzen und einer ungewöhnlichen Senfcreme, entwickelte sich dieser Wein zu einem charaktervollen Partner, der den schwierigen Solotänzer schnell vergessen ließ.

Dann senkte sich der Anfangs erwähnte Schatten auf unsere illustre Runde: zu einem auf der Haut und auf den Punkt gebratenen, wirklich ganz wunderbaren Branzino auf wildem Brokoli-Gemüse und pikanten Peperoni-Stückchen wurde ein Code Rosse Veneto Pavana von der Terre de Gaia gereicht, der beim besten Willen gar nicht passte. Auch dem Autor dieser Zeilen ist nicht nur bekannt, dass man durchaus Rotwein zum Fisch trinken kann, sondern er ist auch ein Freund dieser Kombination – wenn sie denn passt. Ein leicht gekühlter Pinot Noir, ein gechillter Nerello Mascalese, Lambrusco oder Cesanese – der Pavana war weder kühl genug, noch passend, obwohl in einer anderen Kombination durchaus ein interessanter Wein mit seinen dunklen, pfeffrigen Beerennoten. Hier der Friulano oder der Malvasia Bianco von Bortolusso – wo er doch eh schon in der Nähe der Fische wächst!

Irgendwie haben sich noch ein Etna Rosato und ein Riterza Etna Bianco dazwischen geschmuggelt, die hier keinen zwingenden Eindruck hinterlassen haben, bevor es mit einem Dreierflight aus Sizilien in Richtung Schlussgerade ging. Zum zur Wachtel erwähnte, aber jetzt zum Käse verkostete Russu die Carpena Etna Rosso, gesellte sich ein Etna Rosso von Feudo di Mezzo, der mit Gewürz- bis Ledernoten punkten konnte, sobald seine satten Stalltöne etwas verflogen waren. Beide muss man sich merken, auf alle Fälle für die Post-Pinot-Noir-Zeiten, wenn es mit dem Klimawandel so weitergeht. Denn spätestens dann wird die Nerello Mascalese-Traube, vorausgesetzt richtig vinifiziert, wohl eine noch bedeutendere Rolle in der Weinwelt spielen.

Mit einem Apum Etna Spumante Brut Metodo Classico (100 % Nerello Mascalese) von der Cantina di Nessuno wurde nach dem Dessert - Kaffeesorbet mit Macarons an Himbeersoße, zum dem der schön trockene Süßwein 2012 Ramandolo vom Weingut Il Roncat aus dem Friaul gereicht wurde – noch einmal der Gaumen auf wunderbare Weise erfrischt, bevor uns Winzerhelden und Kaufmannsladen nach einem wirklich schönen Abend in die Nacht entließen.

Fazit: Sehr interessante und individuelle Weine in kleinen Auflagen von nur jeweils ein paar Tausend Flaschen jährlich. Eine Entdeckung, das gilt auch für einen baldigen Abend auf der neuen Terrasse des Vinaiolo mit seiner wirklich seit Jahren gleichbleibend guten Küche – drinnen, im Kaufmannsladen, kann man dann im Herbst wieder sitzen.

Autor: Rainer Germann

Vinaiolo - Osteria con cucina, Steinstraße 42, 81667 München
Mo-Fr und So: 12 bis14 Uhr, Mo-So: 18.30 bis 22.30 Uhr, Tel.: 089/489 50 356

www.vinaiolo.de, www.vinidaterrestreme.com

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