Gastro-Kritik

Zum Schönfärber: Der Weinheilige

Thomas „der Weinheilige“ Hertlein

Ein Wallfahrtsort für Genussmenschen ist das neue Weinwirtshaus Zum Schönfärber im Westend.

„Oiso, bei uns gibt’s Alkohol und Fett, des ko ma so sogn. Mir macha a Wirtshaus ohne Bier halt, ein Weinwirtshaus – vegane und solche Läden gibt’s ja scho gnua im Westend“ meint Thomas Hertlein und man sieht in den dunklen, gelassenen Augen des bärtigen Propheten von der Schwanthaler Höh‘ schon ein kleines Grinsen. Man hat ihn schon vor langer Zeit heiliggesprochen, als „Weinheiligen“. Wer das war, wann und wie, weiß er nicht mehr so genau. Zuerst war er darüber nicht sehr begeistert – aber mittlerweile ist es für ihn in Ordnung.

Passt ja irgendwie, denn schließlich hat für den gelernten Koch und Niederbayern alles beim Abendmahl, sprich „Last Supper“ angefangen – hier war er der „belesene, alles aufsaugende“ Weinfreak. Dann eröffnete er „Die Blaue Donau“, sein eigenes (herrliches) Weinlokal in einem tiefen Schwabinger Keller, das von der altehrwürdigen Wein-Bibel Falstaff mit allerhöchstmöglicher Punktzahl fürs Weinangebot gekürt wurde – trotz lautem Punkrock, lässigen Kellner-Koch-Rocker-Attitüden und höchst eigenwilligem Innendekor.

Nach ein paar sehr erfolgreichen Jahren dann die Krise: Die ewige Jagd nach 100-Parker-Punkt-Weinen und sonstigen feinst möglichen Toptropfen zu erschwinglichen Preisen reichte ihm. Die schöne „Blaue Donau“ wurde verkauft, Besinnung und Weltreise waren angesagt. Jetzt ist er (laut Eigenaussage) gelassener, ruhiger und älter geworden und außerdem auch noch Papa. Er hat ein Buch über diese Zeit geschrieben: „Reiner Wein“ – eine philosophische Weinabhandlung, sehr vergnüglich zu lesen. Noch vergnüglicher ist es, ihm als „Filmstar“ (Eigenbezeichnung) in seinen Youtube-Filmchen zuzusehen: kleine herrliche Sternstündchen über Wein und alle mehr oder weniger dazu gehörenden Themen – von Helene Fischer bis zum Münchner Lugana-Syndrom.

Gozilla, Vinyl und Dorsheimer Pittermännchen

Aber zurück auf den wahrhaftigen Boden der Tatsachen, respektive hinauf auf die Schwanthaler Höh‘ und zwar in die Kazmairstraße – denn hier hat kann man den „weinheiligen“ Thomas jetzt wieder leibhaftig antreffen. Sein neues Weinwirtshaus in den Räumlichkeiten der ehemaligen „Sarfati“ heißt „Zum Schönfärber“, bezugnehmend auf die Serie „Monaco Franze“ und den hier agierenden, blasierten, ewig labernden Besserwisser-Schnösel Dr. Schönfärber (siehe Folge „Die Opernkritik“).

Der Wirtshausname hat seinen guten Grund: Denn so gern Thomas Hertlein auch über Wein spricht – das immer mehr um sich greifende Weingelaber bestimmter Pseudo-Weinfachmänner und -damen geht ihm doch ziemlich auf den Geist. In seinem neuen „Weinreich“ herrscht ein freundlicher Umgangston, man wird schnell geduzt, die Tischdecken sind rotkariert und Nachschenken soll man durchaus selbst: „Wir sind ja schließlich kein Animationsbetrieb!“ Hinter dem Tresen laufen lautlos durchgehend sehr alte Gozilla-Filme auf einem Riesen-Bildschirm, darunter stehen die Platten und der Plattenspieler – es wird ausschließlich Vinyl abgespielt. Lieblingsplatten von Punkrock bis Schlager, von Tim Barkley bis zu den Beatles, älteste Stones oder heißgeliebte Ween: keine Grenzen, aber alles, was wirklich heiligen Spaß macht und gut ist. Wobei wir beim Wein und beim Essen wären.

Es gibt zwar eine Weinkarte, die erübrigt sich aber sozusagen mit der Anwesenheit des Gastgebers. Was wollt ihr trinken? Was Kräftiges, was Leichtes, darf‘s was Fettes sein, was mit Holz oder ohne, mehr fruchtig, was Elegantes, was Frisches oder was Uraltes? Was wollt ihr überhaupt ausgeben? Wir möchten zum Entscheiden erst einmal ein Aperitif-Bier. Haben sie auch – Augustiner (3) oder Pilsner Urquell (3) und einen Pastis vielleicht? „Da musst du leider den einfachen Pastis (6) nehmen – den guten haben die Köche wieder mal für die Fleisch-Marinade verbraucht!“ (Der einfache war aber auch gut…).

Zwei Gänge (Vorspeise und Hauptgang) kosten 35 Euro, nur Hauptgang und Dessert 32 und drei Gänge gibt es für 45 Euro. Aussuchen kann man aus etwa fünf Vorspeisen, drei Hauptgerichten, zwei Desserts und Käse vom Brett. Wir hatten Rindstartar mit Gurken-Relish, gegrillte Avocado auf orientalischem Karotten-Couscous-Salat und knusprigen Schweinebauch mit Senf-Jus als Vorspeisen und Beete-Ravioli mit Käse-Espuma, Entenkeule mit Shitake-Knödel, Pulpo auf Tomaten-Risotto und Boeuf Bourguignon als Hauptgänge.

Die Weine dazu hat unser mitessender Weinexperte gemeinsam mit Wirt Thomas „erwählt“: einen Cabernet Sauvignon (2000, von J. Hofstätter aus Südtirol, 38 Euro), einen klassischen Sangiovese, (Pian del Ciampolo, 2013, aus der Toskana, 35 Euro) und einen Riesling Kabinett, Dorsheimer Pittermännchen (1997, Schlossgut Diel, 35 Euro).

Fazit: Wir waren vier Personen und wir hatten sehr viel Spaß! Das Essen war hervorragend, nicht im Sinne einer Sterneküche, aber im Sinne einer gehobenen, sehr guten und im besten Sinnen „modernen“ Wirtshausküche – ebenso die doch so verschiedenen Weine, alle wunderbar bis herrlich. Einzig beim Käse wurde ein wenig rumgemosert: „Zu kalt“ monierte die Fachfrau. Dann wären da noch ein paar Flaschen Wasser dazwischen gewesen für erfreuliche fünf Euro das Stück und ein sehr guter Espresso der Marke „Gorilla“ (1,80). „So ein Massel“ sagen wir frei nach dem legendären Monaco-Franze, dass es jetzt das „Schönfärber“ auf der Schwanthaler Höh‘ gibt – mit all‘ seinen Heiligen…

Autor: Peter Trischberger

Weinwirtshaus „Zum Schönfärber“, Kazmairstraße 28
Montag bis Freitag 18 bis 1 Uhr, Tel: 089 20 93 05 69, www.zum-schoenfaerber.de

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