Gastro-Kritik

Vu Tang Kitchen: Picknick mit Elefanten

Das Vu Tang Kitchen in der Augustenstraße in Schwabing

In München hat mit dem Vu Tang Kitchen ein erstes laotisches Lokal im ehemaligen Schmock in der Augustenstraße in Schwabing eröffnet.

Die Jungs sind freundlich und strahlen die gleiche Lässigkeit aus, wie ihre Klamotten: Nachdem die beiden Zwillinge Dung und Huy Vu mit ihrem Modelabel „Distorted People“ nicht nur in München für Furore gesorgt haben, eröffneten sie vor ein paar Monaten das erste laotische Restaurant in der Stadt.

Geboren wurden sie in der Tempelstadt Luang Prabang im Norden von Laos, dem Land der Elefanten, als Söhne vietnamesischer Einwanderer. Die gegen das kommunistische Regime protestierende Familie trat bereits gegen Ende der Siebziger Jahre die Flucht aus der Volksrepublik an und landete mittels einer Hilfsorganisation in Deutschland. Der Vater betrieb hier selbst zwei Restaurants, nun haben sich die Zwillinge ihren Traum von einer eigenen Küchen-Bar erfüllt.

Und wenn man das Glück hat, endlich einen Tisch im ehemaligen Schmock zu ergattern, fühlt man sich bereits beim Betreten der zumindest im hinteren Teil schummrigen und wirklich ansprechenden modern-asiatisch gestalteten Räumlichkeiten wie in einer lässigen Bar mit Speisekarte auch bestens aufgehoben.

Zugegeben, dem Laos kundigen Gast wird die ein oder andere Spezialität, wie zum Beispiel die berühmten Flussgras-Chips Khai Paen, das Luang Pranbang Beef Stew „A Lam“ oder ein „Fermented Fish Stew“, (noch) abgehen auf der Karte, aber spätestens beim Ordern von Beer Lao (4,50 Euro), dem wohl besten asiatischen Bier, werden schönste Erinnerungen wach. Auch der Vu Tang Spritz mit Vermouth, Kaffir-Infusion-Gin, Raspberry und Minze (€ 7) verströmt kolonial-asiatischen Charme und bewirkt ein kurzes Abschweifen auf eine Bambus-Terrasse zu Fuße des Tempelbergs Mont Phousi.

Zurück in das von eher jungen bis mittelalten Gästen in mehreren Abendschichten extrem gut besuchte Restaurant, in dem sich der Service, trotz aller Hände voll zu tun, ausgesprochen freundlich und von den Betreibern nach allen Kräften unterstützt, freundlich um das Wohl der Gäste kümmert.

Die übersichtliche Karte bietet diverse kleine Gerichte zum Teilen und Zusammenstellen unter Lao Picnic Plates (es werden 3 bis 4 Teller pro Person als Hauptgericht empfohlen): hinter Laab (€ 7) verbirgt sich eine Art Salat aus gehacktem Fleisch, Schalotten, asiatischen Kräutern und Chili – ein wunderbares Straßenküchen-Gericht, von dessen Verzehr im Ursprungsland eher abzuraten ist, weil es nicht gekocht wird, hier kann man die Spezialität endlich genießen und sie schmeckt vorzüglich.

Kleine Kokosnuss-Kräuter-Bällchen (€ 6) machen Appetit auf das Tartar de Vu (€ 9), eine asiatisch interpretierte Variante des Steakhouse-Klassikers, ist in und schmeckt delikat. Das Ganze wird noch getoppt von dem auch gerade ebenfalls schwer angesagten Pork Belly, hier wurde der Schweinbauch karamellisiert und wahrscheinlich bei kleiner Temperatur zu Tode gegart – eine Schweinerei, die süchtig macht.

Auch der ebenfalls süß marinierte Kabeljau war von bester Qualität und Konsistenz, am Mekong wird wohl eher Zwergwels dafür verwendet, den gibt es hier aber nur gefroren. Mr. Dungs Eggplant (€ 10) ist ein Lieblingsgericht von Dung Vu und die Auberginen-Rindfleischpaste, die man zusammen mit dünnen Reisnudeln, Kräutern in ein Salatblatt wickelt, ist ebenfalls sehr empfehlenswert.

Zu allem gibt es den berühmten Sticky Rice, den man hierzulande eher selten bekommt. Mit den Finger formt man kleine Bällchen, taucht sie in einen Lemongras-, Chili- oder Lao Salsa-Dip und tunkt die Soßen damit auf. Spätestens jetzt sitzt man in Gedanken am Mekong, und blinzelt in die Abendsonne.

Autor: Rainer Germann

Vu Tang Kitchen, Augustenstr. 52, 80333 München
Tel.: 089/52 35 05 35 Mo bis Sa 18 bis 1 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr)
www.vutangkitchen.com

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