Gastro-Kritik

Schoberwirt: Stifterl und Buchteln

Der Schoberwirt in der Au ist ein gemütliches Wirtshaus mit österreichisch-bayerischer Küche.

Wie im Flug ist das Jahr vergangen: ein bisschen Sonne, kaum Urlaub, reichlich Stress – und schon sind wir wieder drin in der allerschönsten, so sehnsüchtig herbeigesehnten „staaden“ Zeit. Ein bisschen Schnee ist ja schon gerieselt (und auch schon wieder weg) – aber oh holde heilige Hoffnung – alle angefragten seriösen Wettervorhersage-Institute schließen eine weiße Weihnachtsnacht nicht völlig aus.

Am Stachus kratzen jetzt schon Schlittschuh-Pärchen zärtlich händchenhaltend zu berührendem Discosound anmutig ihre Eiszauber-Kreise. Von hier aus kann man beschaulich zu Fuß durch die ebenso benannte Zone den Viktualienmarkt erreichen, ohne auch nur einen einzigen Meter auf weihnachtlich relevante Einkaufs- oder Verzehrmöglichkeiten zu verzichten.

Gekonnt erhitzter (stundenlang nachglühender) Wein, exzellent fettige Bratwürscht, perfekt geformte Gummi-Reiberdatschi oder diätetisch pur gebratene Maronen zu Trüffelpreisen zaubern hier dieses glückliche Lächeln in die Gesichter von Einheimischen und Touristen.

Schafft man es dann am Rathaus vorbei noch durch den echten und wahren Christkindlmarkt, mit den echten und wahren handgeschnitzten und plastikgeblasenen Kripperlfiguren, den schockfarbenen Voll-Metallic-Kugeln und den selbstsingenden Engerln, dann kommt erst der diesjährige, der wahre Höhepunkt. Der Fine Art Christmas, kurz „WINTERZAUBER“ leuchtet hier weihnachtlich phantastisch illuminiert in gelb-güldenen, handgemachten Buchstaben (so die offizielle Ansage) über den Zugangstoren. Alle Buden, alle Bäume samt Maibaum und die Stände erstrahlen weithin für alle sichtbar und signalisieren auf den ersten Blick: Hier ist der Markt, nein nicht etwa Las Vegas, hier ist der Viktualienmarkt.

Obwohl spielen, besser gesagt schießen kann man hier seit neuestem auch. Also nicht auf die trumpen Amis zurückschießen, sondern Eisstockschießen. Ja wirklich, zwei Eisstockbahnen im Biergarten vor der „Nordsee“ sind eröffnet, traditioneller Winterzauber halt. Das ist sicher für die, die sowas mögen das Allerhöchste – Eisstockschießen auf dem Viktualienmarkt. Da wünschen wir doch allen aus vollem Herzen: An guadn Stock und a Mass Glühwein auf‘d Daubn (oder so…).

A bisserl „Wiener Art“ in der Au

Wir fliehen vor so viel traditioneller Weihnachtsmarkt-Energetik in die (noch) ruhige Au, zum Schoberwirt in der Ohlmüllerstraße. Ein gemütliches Wirtshaus mit Holzvertäfelung, altem Bretterboden, langer Tradition und wechselvoller Geschichte. Seit ein paar Jahren ist hier Alexander Forst der Wirt, seines Zeichens gebürtiger Wiener und gelernter Gastronom. Wenn man ihn beim Bedienen erlebt, fühlt man sich sofort wie in einem Wiener Kaffeehaus: ruhig, mit höflicher Distanz, freundlich, geschmeidig, nicht gleich leutselig, aber doch gesprächig, leicht dominant, halt so wie ein echter Wiener Oberkellner.

Es gibt erfreulicherweise „nur“ eine überschaubare Tageskarte mit Suppen, Hauptgerichten und Nachspeisen aus der bayrischen und österreichischen Küche – da steigt doch gleich die Glaubwürdigkeit in puncto Qualität und Frische. Beim Wein gibt es unter anderem eine schöne Auswahl von Weinen aus dem Stift Klosterneuburg.

Wir erfreuten uns da an einem Stifterl (so nennt man die kleinen, dort kreierten Flugbegleitungs-Flascherlweine) nicht ganz günstigen Roten (0,25/8,50) und einem doch sehr feinen Roten Veltliner (6,20). Dazu gab es ein gut gebratenes Kalbskotelett mit lobenswerten Bratkartoffeln und einem sehr annehmbaren Bohnen-Steinpilz-Gemüse und ein Schnitzel „Wiener Art“ (12,90), das bei der ausgewiesenen Schnitzelkennerin in Bezug auf Fleischqualität und luftiger Panade sehr gelobt wurde (das ist selten), ebenso der dazu servierte Kartoffelsalat.

Positiven Anklang fand auch das mit einer nicht ganz üblichen Birnen-Schinken-Käse-Füllung servierte Cordon Bleu (14,60) und der Schweinebraten (11,80) mit zweierlei Knödeln und einem leicht süßlichen, wohlschmeckenden Krautsalat – eine gute, saubere Wirthausküche.

Den klassischen Zierfandler (6,90) und den Weißburgunder (6,70) können wir auch nur empfehlen. Für die Biertrinker kommt hier Löwenbräu Helles (3,90) und andere internationale spannende Köstlichkeiten wie Leffe Blond zum Ausschank, und auch hier, wie schon gesagt: Für den, der’s mag, wahrscheinlich das Höchste.

Und zu guter Letzt noch die Nachspeisen: einmal ein sehr feiner Apfelstrudel (4,80), der vielleicht eine kleine Extra-Weihnachts-Prise Zimt zu viel hatte, eine sehr spaßmachende Malakofftorte (4,50) und selbstverständlich noch die Buchteln (4,60) von einem österreichischen Zulieferer, der sein Handwerk zu verstehen scheint.

Alles in allem kann man nur sagen: Ein angenehmes Gasthaus mit ehrlichem, gutem Essen – wer unaufgeregte Gastlichkeit schätzt ist hier nicht nur in der „stillen“ Zeit ganz gut aufgehoben.

Autor: Peter Trischberger 

Schoberwirt, Ohlmüllerstraße 20
Täglich von 11:30–00:00 Uhr,Tel: 089 462 223 45, www.schoberwirt.de

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