Gastro-Kritik

Schneider Bräuhaus: Bayerisch Essen und Trinken im Tal

Das Schneider Bräuhaus im Tal

Das Schneider Bräuhaus im Tal strebt mit Nelson Sauvin und BayernOX in die Moderne.

Die einen scheuen sie wie der Teufel angeblich das Weihwasser und keine zehn Pferde würden sie dahinein bringen. Andere sitzen freiwillig in unerschütterlicher Regelmäßigkeit drin, maulen und granteln vielleicht rum, aber sie sitzen drin, immer.

Die Rede ist nicht von den profanen Wirtshäusern und Kneipen in den Wohnvierteln, sondern von diesen speziellen, diesen teils ruhmreichen, teils berühmten, oft altehrwürdigen und manchmal fast heiligen Stätten gastronomischer Hochkultur, den Münchner Innenstadt-Gastronomie“burgen“.

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Hier wird Tradition hochgehalten, werden urtypische Gebräuche mit Leidenschaft gepflegt, uralte Überlieferungen in die Moderne überführt und dann hinausgetragen in die große, weite Welt von der Abermillionen von Touristen. Die wissen dann, dass der gemeine Münchner gerne frische Auszogne zu seinem Kaffee nimmt, oder „dass der Start mit Weißwurst und Weißbier in den Tag für eine entspannte Schwere sorgt“ kurz bevor er dann mittags „Schweinsbraten, Fleischpflanzerl, Bachsaibling, Rostbratwürstl oder knackfrische Marktsalate“ schlemmt.

So steht es auf der Internetseite der Innenstadt-Wirte , einem „kleinen“ Interessenverband der für die kulinarische Grund-Versorgung im Zentrum unserer heißgeliebten Metropole zuständigen Gastronomie – vom Café Rischart bis zum Hofbräuhaus, von Schuhbecks Orlando über etliche klassische Augustinergaststätten bis zu Kilians Irish Pub.

Auch das „Schneider Bräuhaus“, besser bekannt als „Schneider Weiße“, gehört dazu – und hier gab es aktuell aus dem wie immer unendlich gutinformierten Bekanntenkreis gleich zwei Geschmackspegel-Meldungen: Von den einen hörte man, hier könne man wieder richtig gut essen – die anderen berichteten von einem grauenhaften Event mit Geschäftsfreunden. Naja, man kennt seine Freunde, eine gewisse Neigung zur leichten Übertreibung ist da durchaus zu berücksichtigen.

Aber an einem schönen Sonnentag vor dem „Weißen Bräuhaus“ zu sitzen und ein frisches Hefe-Weißbier (am liebsten das Original; 4,18) zu trinken ist auf alle Fälle nie verkehrt. Gesagt, getan – wir sitzen nach langer Zeit wieder mal da und es ist so wie früher: Menschenströme ohne Ende ziehen an uns vorbei, die Bedienungen schleppen dazwischen auf Kopfhöhe ihre „Schlitten“ artistisch balancierend voll mit Bier und Essen zu den Gästen – ein von uns schon immer bewunderter Knochenjob.

Wo früher die Entscheidung schnell zwischen hell oder dunkel und höchstens vielleicht noch einem Aventinus-Weißbierbock zu fällen war, kann man mittlerweile zwischen neun verschiedenen Weißbierspezialitäten wählen. Wir entscheiden uns für ein sogenanntes TAP X (0,375; 6,50) ein Weißbier aus Nelson Sauvin Hopfen (Neuseeland), serviert in einer Burgunder-Flasche mit tiefem Boden im Weinkühler, der Spezial-Kronkorken-Verschluss kunstvoll von der Bedienung am Tisch entfernt und schaumig in ein Bier-Degustier-Glas gefüllt: Voilà, die neuen Zeiten sind da. Das ist zwar ein bisschen viel Zinnober und nicht gerade billig, aber es schmeckt hervorragend. Das Radler (4,18) auch.

Leider ist das gebackene Schweinszüngerl aus, aber die Schweinenieren in Senfsauce (9,90) gibt es. Und einen Sauerbraten vom BayernOX (17,90) auch. Beide Portionen waren reichlich aufgehäuft, die großen Gemüsewürfel fad und lieblos zerkocht über den sehr, sehr weichen Sauerbraten gekippt – das erinnerte samt Salat ganz schwer an eher schreckliche Kantinenzeiten.

Die Schweinenieren kamen mit schönem Biss, trotzdem noch weich genug, sehr perfekt, die frittierten Zwiebel gab’s auch in großer Menge, aber leider in geschrumpfter, gummimäßiger Konsistenz. Da bleibt man lieber nur beim Bier oder den Weißwürsten. Schade …

Autor: Peter Trischberger

Schneider Bräuhaus, Tal 7
Geöffnet täglich von 08:00 bis 00:30 Uhr, Tel. 089 290 138 0

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