Gastro-Kritik

Saint Laurent: Der Heilige im Viertel

Das Restaurant Saint Laurent in der Ickstattstraße

Mit dem Saint-Laurent bereichert ein französisch-österreichisches Restaurant das Glockenbachviertel.

Neulich bei der Gemüsefrau in der Thalkirchner Straße hat eine junge Dame aufgeregt erzählt, es gäbe jetzt einen neuen tollen Franzosen im Viertel, der würde auch österreichisch kochen. Aha, man hört viel bei unserer Gemüsefrau, sehr viel und nicht alles ist immer aufregend oder toll. Aber mal nachschauen kann ja nicht schaden – und in diesem Fall hat sich’s gelohnt.

Topfenpalatschinken oder Gâteau au Chocolat, Backhendl oder Bœuf Bourguignon, Tafelspitzsülze mit steirischem Kernöl oder doch Entenleberpastete mit Zwiebelkonfitüre? Wer die Wahl hat, hat die Qual, eine schöne Qual eigentlich.

Sie stellt sich bei der Lektüre der Speisekarte im neu eröffneten Restaurant Saint Laurent, das von Haidhausen ins Glockenbachviertel „umgezogen“ ist. Ungenügenden Bierumsatz hat die Ayinger Brauerei bemängelt und den Pachtvertrag nicht mehr verlängert, erzählt Patronin Claudia Pezeron. Jetzt sind sie sehr froh, in der ruhigen Ickstattstraße eine neue Heimat gefunden zu haben.

Seit mehr als zwanzig Jahren betreiben die gebürtige Österreicherin und ihr französischer Ehemann und Koch Laurent nun schon ihr Lokal mit klassischer französischer und österreichischer Küche und einer illustren Weinauswahl. Klassisch weiß eingedeckt sind die Tische hier, ein großes Sonnenblumen-Bouquet in der Mitte umlegt mit den altmodisch-schön bedruckten Getränke- und Speisenkarten und die holzgerahmten Zeichnungen und Karikaturen von Paul Flora an den Wänden sorgen schnell für eine höchst angenehme unaufgeregte Atmosphäre – ebenso wie der souveräne Service von der Chefin und ihrer freundlichen Assistentin. Dann allerdings muss man sich entscheiden, wie gesagt: Wer die Wahl hat… französisch oder österreichisch?

Wir entscheiden uns diesmal für die mediterrane Richtung, also die Crevettes (16,50) und die Entenleberpastete (11,50), dann zweimal Fisch, einmal den St. Pierre (19,50), einmal Rochen (21,50). Ein kleines Spaten-Bier (2,80) wird aufopferungsvoll geordert (schon um etwaige zukünftige bierpolitische Kündigungen für die Zukunft auszuschließen) und eine Liter-Flasche Surgiva Wasser (6,60) gegen den sommerlichen Durst. Am großen Nebentisch trudelt nach und nach die Belegschaft einer kleinen Firma ein, Stammgäste von früher offensichtlich, man kennt sich: „Ja, Gott sei Dank gibt es Sie wieder, wir waren schon ganz unglücklich!“

Bei uns wird die geschmackvolle, hausgemachte Leberpastete serviert, zwei nicht allzu große Stücke im festen Geleemantel mit einer deftigen Zwiebelkonfitüre – schon mal sehr gut. Die Crevettes (leider nicht ganz perfekt geputzt) waren knackig und wohlschmeckend, ebenso wie der dazu gereichte aioliartige Dip. Bei einem offenen, guten Sauvignon Blanc (6.-; 0,2l) und einem ordentlichen Chianti (6,50; 0,2l) warten wir auf das Hauptgericht. Großes Lob da für den Rochen, der so perfekt gegart und angerichtet ist, dass sich das feine Fischfleisch leicht mit der Gabel vom Rückgrat lösen lässt. Dazu erweist er sich in Begleitung einer gehaltvollen Sahnesauce mit kleinen Kapern und würzigem Blattspinat als höchst genießenswert. Auch das delikate St. Petersfisch-Filet mit fein abgeschmeckter Sauerampfersauce und aromatischem Basmati-Gemüsereis zeugt von grundsolidem mediterranem Küchenhandwerk.

Auf ein Dessert haben wir dann schweren Herzens verzichtet. Zum einen war unsere Spesenkasse definitiv sicher nicht so gut gefüllt wie die vom Nebentisch und zum anderen hätte außerdem allein schon die Dauer der Diskussion“ Topfen-Palatschinken oder Gâteau au Chocolat“ höchstwahrscheinlich weitere Nachbestellungen geistiger Getränke bedingt (und die sollen normalen Werktätigen unter der Arbeitswoche ja nicht unbedingt zuträglich sein …).

Autor: Peter Trischberger

Restaurant Saint Laurent, Ickstattstraße 13
Di.-Do. 11.30-14.30 Uhr, Di.-So.: 18.00-01.00 Uhr, Montag Ruhetag

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