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Münchner Gastronomie - „Nicht zum Mitnehmen“

Geschlossenes Retaurant währen des Corona-Lockdowns
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Geschlossenes Retaurant währen des Corona-Lockdowns

Auch wenn der Take Away-Verdienst nicht mit der für November gewährten Corona-Hilfe für die Gastronomie verrechnet wird, verzichten manche Restaurants auf den Außerhausverkauf

Das klingt schon mal gut: Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier haben den Soforthilfe-Plan für November nochmal überarbeitet. Nun soll für die Gastronomie das Take Away-Geschäft nicht auf die gewährten 75 Prozent des Vorjahreszeitraums angerechnet werden. Das gilt auch, um eine Ausweitung des Take Away-Geschäfts zu ermöglichen.

Fest steht, wie bereits der Spiegel berichtete, die Gastronomie gehört damit zu den Branchen, die wohl am meisten von der Soforthilfe profitieren. Dass damit auf drohende Pleiten und vielfache Proteste von Gastronomieverbänden und Wirten eingegangen wurde, war auch notwendig. In einer aktuellen Mail an seine Mitglieder spricht der dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) von „unendlicher Verzweiflung“ und sieht seit dem Frühjahr 70 000 Hotels und Gaststätten vor dem Aus, so zitiert das Nachrichten-Magazin den Verband.

Wie kommen die neuen Maßnahmen an?

Jürgen Lochbihler vom Pschorr am Viktualienmarkt ist äußerst zufrieden: Die „Entschädigung“, das würde es eher treffen wie „Soforthilfe“, meint er, wäre absolut gerechtfertigt und hätten auch nichts mit Almosen zu tun, wie manche Kollegen zitiert werden. Wer ehrlich seine Steuern bezahlt hätte, würde vollumfassend davon profitieren, so Lochbihler, der dankbar ist, „in einem Land zu leben, wo solche Entschädigungen gewährt werden können“. Ein Take Away-Geschäft wäre allerdings für ein Wirtshaus seiner Größenordnung allein vom Personalaufwand und Wareneinsatz nicht rentabel, das war es auch nicht beim ersten Lockdown, bei dem er noch einen kleinen Außerhausverkauf betrieb. Jetzt die Füße still halten und Kontakte vermeiden, so seine Hoffnung, damit das Geschäft spätestens im neuen Jahr wieder Fahrt aufnehmen kann.

Stefan Grosse vom Hotel und Restaurant Blauer Bock fände die neu beschlossenen Maßnahmen auch gut, wenn sie denn auch wirklich zügig umgesetzt werden und das Geld auch ankommt. Take Away wäre für ihn nun keine Option mehr, im letzten Lockdown hätte man damit bereits draufbezahlt. Neben den wirtschaftlichen Faktoren käme außerdem dazu, dass weder Kundschaft noch Küche des Restaurants Take Away-affin oder -geeignet wären. Für Lokalitäten, die bereits erfolgreich mit Außerhausverkauf arbeiten, wäre die neue Regelung aber eine gute Sache, meint er. Er könnte sich vorstellen, dass zwei Wochen vor Weihnachten und Silvester Restaurants wieder öffnen dürfen, befürchtet aber danach einen erneuten Lockdown.

Tom Hilner vom Restaurant The Grill im Künstlerhaus ist optimistisch und freut sich über die Entscheidung der Politik für die November-Entschädigung, daher kann er auch die negativen Aussagen vieler Gastro-Kollegen dazu im Netz nur schwer nachvollziehen. Er glaubt, vorbehaltlich einer positiven Entwicklung beim Infektionsgeschehen, an eine Wiedereröffnung im Dezember. Sinnvoll wäre diese aber nur zu anderen Sperrzeit-Regelungen wie zuletzt, als man bereits um 21 Uhr schließen musste. Für eine gehobene Abendgastronomie, wie sie im The Grill angeboten wird, ist das nur schlecht durchführbar. Das Take Away-Geschäft kommt für sein Restaurant nicht in Frage, denn ein hochwertiges Steak, medium gebraten, würde wohl durchgegart beim Kunden ankommen. Der hohe Qualitätsanspruch an seine Küche lasse sich so nicht gewährleisten und sei daher keine Option.

Alle drei Gastronomen sind sich einig: Für kleine Betriebe, Familienbetriebe und eine Gastronomie, die traditionell im Außerhausgeschäft gut aufgestellt ist wie die asiatische oder italienische, ist die neue Take Away-Regelung wirklich eine gute Sache, zumal ja nicht klar ist, wie lange dieser Lockdown noch dauern wird.

Wichtig ist aber zunächst, dass die November-Hilfen oder -Entschädigungen, wie man es auch immer nennen möchte, schnell umgesetzt werden, zum Beispiel mit den von Peter Altmaier angekündigten Abschlagszahlungen, die bereits schon in diesem Monat fließen sollen. Damit würde man dann auch unbezahlbares Vertrauen wiedergewinnen – von der Gastronomie in die Politik.

Autor: Rainer Germann

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