Gastro-Kritik

Melina Merkouri: Geliebte Griechin

Das Melina Merkouri in der Maistraße

Unter dem neuen Namen Melina Merkouri verwandelte sich das Molos in der Maistraße in einen modernen Stadtteil-Griechen mit tadelloser Küche.

Eins vorweg: in Griechisch schreibt man Melina Mercouri mit k. Nur falls jetzt schon der erste Filmexperte aufheult. Dass die große, nicht nur von den Griechen geliebte Schauspielerin, Sängerin und Politikerin mit 11 ihre erste Zigarette in Athen geraucht hat und wohl daran auch 63 Jahre später in New York starb, soll uns hier nur am Rande interessieren – wer ihre Stimme einmal im Original oder mit ihrem wunderbaren englisch/amerikanischen Akzent gehört hat, ist den Glimmstängeln trotz tödlicher Nebenwirkungen dankbar.

Genau so wichtig wie Mercouris Kunst war ihr politisches Engagement gegen Faschismus im französischen Exil während der siebenjährigen Militärdiktatur in ihrer Heimat (1967-74), später war sie Kultusministerin im griechischen Parlament. Was das alles mit einer griechischen Taverne zu tun hat?

Im Grunde wohl nichts und trotzdem haben sich die Betreiber (immer noch die Falterbacher-Bros.) und griechischen Wirtsleute wohl was gedacht dabei. Menschen mögen Geschichten und „Bei Stavros“ und „Taverna Naxos“ hatten wir ja schon in den Achtzigern.

Womit wir endlich beim Thema sind: im Melina Merkouri wird in erster Linie, im Gegensatz zu dem Vorgänger, wieder auf die Küche Wert gelegt und zwar auf eine etwas modernere Interpretation der griechischen Küche, wie sie auch im Land selbst bei vielen Besuchen in den letzten Jahren zu genießen war. Und auf einen netten, professionellen Service. So begann es auch im Molos, irgendwann stand aber der nie abreißende Strom an Ouzo (wohl auch beim Personal) und die viel zu laute Musik im Vordergrund, ein guter Grund die Lokalität eher zu meiden. Jetzt sind wir wieder da und es war gleich mal ein sehr gelungener Abend, der wenige Wünsche übrig ließ.

Sardinen mit Löwenzahn

Begonnen hat er mit einem Schluck Weißwein von der Tageskarte: ein frischer Savatiano 2016 vom Weingut Papagiannakos aus Attika (0,5 zu 19,50) – die Traube geht fruchtig in Richtung Weißburgunder, einfacher Genuss, der Spaß macht.

Dazu gesellte sich ein selbst zusammengestelltes Vorspeisen-Arrangement von der Tages- und Standardkarte: schmackhafte gebacke Sardinen mit Löwenzahnsalat, besonders gute Calamari, gefüllt mit Feta und Kräutern sowie eine warme Vorspeisenplatte mit Mastelo (Käse) aus Chios vom Grill mit Feigenmarmelade, Oktopus vom Grill, Zucchini-Puffer mit Joghurt-Kümmel-Dip, Auberginen-Chips mit Tzatziki und Kichererbsen-Kroketten.

Alles gut, aber die gefüllten Calamari waren das Highlight. Ein Rose wurde bestellt, Akaies 2016 vom Weingut Kir Yianni aus Amyndeon (0,5 zu 18,50) und ein roter Nemea von Panos Lantides aus Nemea (0,5 zu 19,50) – und wieder wurden wir positiv überrascht.

Joghurt statt Ouzo

Gerade die rote autochthone Traube Agiorgitiko (älteste Rebsorte Griechenlands) konnte zu den Fleischgerichten tadellos überzeugen. Das Lamm aus dem Ofen (17,80) mit Thymiansoße, Bratkartoffeln statt Püree (umbestellt, kein Problem) und Gemüse (Broccoli, Karotten) war beste griechische Hausmannskost auf gehobenem Niveau. Dies galt auch für die Kaninchenkeule mit Schalotten in Rotwein-Zimtsoße mit gutem Kartoffelpüree und Salat (16,90) – raffiniert abgeschmeckt die Soße, vielleicht ein bisschen viel Schalotten, sonst wunderbar.

Das vegetarische Gericht Spanakorizo entpuppte sich als Reis mit Spinat nach griechischer Art mit Feta und Salat (11,80). Von der Konsistenz her geht das Gericht ein bisschen in Richtung Risotto, war nicht schlecht, aber hier fehlte gewürztechnisch etwas Pfiff. Natürlich wurde auch der Klassiker Souvlaki mit Tzatziki, Tomaten und Zwiebel (9,80) probiert, saftig und nicht zu Tode grillt, konnten die drei Fleisch-Spieße mit einer würzigen Marinade punkten. Die Portionen sind für gute Esser gemacht, andere nehmen halt was mit nach Hause, auch kein Problem.

Der Nachtisch, griechischer Joghurt mit Honig und Nüssen, ging aufs Haus und war uns auch lieber als ein Ouzo, der hier, zumindest uns nicht angeboten wurde. Aus gutem Grund – denn Party war früher und ein Lokal, das nach der großen Melina Mercouri benannt ist, hat mit den gängigen Münchner Griechen-Klischees wohl nichts am Hut.

Taverna Melina Merkouri, Maistr. 26
Tel.: 089 599 185 80, Geöffnet tägl. von 17 bis 1 Uhr, www.melina-merkouri.de

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