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Gastro-Trend: Sehen und gesehen werden

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Von: Andreas Platz

Die Giorgia Trattoria am Rosenheimer Platz München
Die Giorgia Trattoria am Rosenheimer Platz © Janina Amendt / jaegerundsammlerblog.de

Immer mehr Neueröffnungen in München sind bewusst „instagramable“.

„The most luxurious piss of my life“ – So untertitelte Influencer Marlon Noah kürzlich seine Instagram-Story vom Lokus-Gang aus dem edel verchromten Herrenklo des neu eröffneten italienischen Restaurants Giorgia Trattoria. Was seltsam klingt, deutet auf einen größeren Zusammenhang, der in München immer offensichtlicher wird: Die Restaurants, Bars, Läden etc. unserer Stadt werden „instagramabler“.

Erklärt für die, denen die sozialen Medien recht wurscht sind: Das Interieur neu eröffneter Läden wird oft extravaganter, greller, ja, es schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Und das greift eben bis in die Toiletten um sich. Warum der Wandel? Damit junge Influencer kommen, sich in den entsprechenden Örtlichkeiten ablichten, das entstandene Bild/Video dann auf Insta der Weltöffentlichkeit präsentieren und so ihre Follower in eben jene Örtlichkeit locken.

Dabei fallen drei Dinge auf.

1. In den Fotos ist nicht, wie im Journalismus, das Restaurant das Hauptaugenmerk, nein, es geht um den Influencer-Körper, der in die Umgebung hineininszeniert wird.

2. Um Drinks und Essen, den eigentlichen Kern vieler Etablissements, dreht es sich interessanterweise eher selten.

3. Die Halbwertzeit der Restaurants wird kürzer.

Mit Blick auf andere Metropolen der Welt sieht man: Örtlichkeiten sind so bunt und flippig gestaltet, dass ein Besuch dort ein einmaliges Erlebnis ist. Man lichtet sich ab, isst, hat in den sozialen Medien sein Revier markiert und… geht dann nicht mehr hin. Bei „normalen“ Gästen ist es ähnlich. Ein einmaliger Besuch belustigt, kann kulinarisch durchaus begeistern, aber ein Stammlokal zu dem man öfter gehen will, wird es nicht. Das muss dann doch etwas weniger Plüsch/Neon/O.Ä. aufweisen.

Blamabel Instagramabel?

So kommt es dann dazu, dass nach wenigen Monaten der Hype ums neue Lokal abebbt, ein Relaunch geschieht oder neue Betreiber gefunden werden. Und der Kreis beginnt von vorne. Und wenn wir ehrlich sind, machen wir fröhlich mit: Wenn nicht auf Instagram oder TikTok, sollen doch zumindest die Facebook-Freunde sehen, dass wir auch was erlebt haben und am neuen coolen Ort waren. Was das auf lange Sicht mit der Gastroszene unserer Stadt macht, ist nicht abzusehen. Hier muss man einwerfen, dass das Phänomen sich in München noch auf eine Handvoll Lokale und Läden beschränkt, die in ihrer Sphäre ihre eigene Klientel bedienen.

Einen Grund für voreilige Nostalgie an verlorene Griabigkeit gibt es wohl nicht. Blickt man aber aufs Münchner Umland und in die Natur verhält sich die Sache anders: Viele Orte werden überrannt, man macht diverse Erinnerungsfotos, -reels und -stories und hat es wieder geschafft: Man steht im Mittelpunkt seiner selbst kreierten Welt und die eigentlichen Gründe, warum man an die hier nicht genannten Orte fährt – Ruhe, Erhabenheit der Natur u.v.m. – sind vollkommen außer Acht gelassen.

Nur dass die Natur so langsam zerstört wird. Aber enden wir positiv und wieder in der Gastronomie: In den meisten neuen „Instagram“- Lokalen, sei es die Giorgia Trattoria oder das Happy Munich schmeckt es zum Look auch. Gehen Sie hin, machen Sie ein Foto und kommen sie im besten Falle wieder!

Autor: Franz Furtner

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