Gastro-Kritik

Das Zunfthaus: Bürgerversammlung mit Wiener Schnitzel

Das Zunfthaus in der Thalkirchner Str. 76

Das Zunfthaus in der Thalkirchner Straße bietet österreichische Küche und bodenständige Gastlichkeit

Es war wunderbar im August: Gefühlt war nämlich mindestens die Hälfte der Münchner Menschheit samt Autos irgendwo anders unterwegs –auf teuren Autostradas; an einsamen Gestaden oder wo auch immer. Die Straßen waren also wundersam frei und tatsächlich befahrbar. Zwar gab es Baustellen an allen Ecken und Enden, aber trotzdem wenig Verkehrschaos. Und vor allem kein nerviges Rumgegurke bei der ewigen Feierabend-Parkplatzsuche, oh du alljährliche Sommerverkehr- und Parkplatzwunderzeit, wie bist du schön. Allerdings nicht überall… Denn in der Fraunhoferstraße ist es mit den Parkplätzen komplett vorbei: Die hat der Stadtrat nämlich ersatzlos zu Gunsten von roten und sehr breiten Radlspuren gestrichen– ein wunderbarer Radlertraum sozusagen.

Nicht ganz soo wunderbar, mal sehr vorsichtig ausgedrückt, sehen das hier viele Anwohner und Gewerbetreibende. Denn der Verkehr ist durch die Maßnahme schneller geworden, lauter auch und wüster die Beschimpfungen, wenn sich jetzt (natürlich unerlaubterweise) bei absolutem Halteverbot doch tatsächlich Lieferanten trauen abzuladen und logischerweise irgendwo dafür ja stehen bleiben müssen. Halb auf dem Radlweg, halb auf dem Gehsteig oder gar auf den Tramschienen: Wurscht, jeder pocht auf irgendein „Recht“, aber Platz hat keiner. So wird das ganze sicher nix – weder mit der Radlersicherheit noch mit der Verkehrsberuhigung. Da ist Nachbesserung angesagt und eine Bürgerversammlung mit vernünftigen, praxisnahen Ideen scheint dringend notwendig zu sein. Die Bürgerversammlungen vom zuständigen Bezirksausschuss 2 finden in der Regel im großen Saal des Gasthauses „Zunfthaus“ in der Thalkirchner Straße statt. Hier wurden die „Faunhofersraße-Radlwege“ auch vor gut zwei Jahren beschlossen. Damals haben sich eher wenige Menschen dafür interessiert – jetzt dürfte der Saal mit etwa 170 Plätzen vermutlich zu klein werden...

Bodenständige Gastlichkeit mit Hüttenflair

Noch in aller Ruhe sozusagen haben wir dem Zunfthaus schon mal einen Besuch abgestattet. In dem sehr kleinen Wirtsgarten (mehr eine Laube) sitzen wir bei gut trinkbarem Zweigelt und Veltliner (4,80) und freuen uns auf Wiener Schnitzel vom Kalb (16,90) und Zunfthaus-Schnitzel vom Schwein (13,20) mit Kräutern, Tomaten und Käse gefüllt. Die Schnitzel waren zart und gut paniert, die Bratkartoffeln mehr als gut und das Salatbukett frisch und fein angemacht. Die Räumlichkeiten innen sind hell und freundlich, mit rustikalen Holzbalken und einem schönen Grundofen, der Hüttenflair verbreitet. Im Keller gibt es außerdem zwei Kegelbahnen, die sich offenbar großer Beliebtheit erfreuen.

Ein frischer, leicht prickelnder Pinot Grigio (4,20) und ein leichtes Weißbier (3,90) von Hacker-Pschorr passten beim nächsten Besuch perfekt zur Tafelspitz-Sülze (11,20) mit steirischem Kernöl und den Tagliatelle mit Rahm-Reherln (13,20) - alles sehr köstlich. Einzig beim Zwiebelrostbraten (18,20), der zwar auf den Punkt gebraten und mit schöner Sauce serviert wurde, enttäuschten die etwas lätscherten Zwiebelringe. Die zwei geschmacksintensiven Marillen-Palatschinken (4,80) versöhnten dann doch wieder.

Unser Fazit: Für das leibliches Wohl wird in diesem Gasthaus ordentlich gesorgt mit bodenständiger, österreichischer Küche – wir waren sehr zufrieden. Um das Stadtviertelwohl und die Aussöhnung in puncto Fraunhoferstraße müssen sich die Radler, Fußgänger, Autofahrer, Anwohner, Geschäftsleute und Politiker hinten im Saal allerdings noch kümmern…

Autor: Peter Trischberger

Gaststätte Zunfthaus, Thalkirchner Str. 76, 80337 München
Montag bis Samstag ab 16 bis 23 Uhr, Sonntag ab 16 bis 21 Uhr
Tel.: 089 538 865 30, www.zunfthaus-muenchen.de

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