Gastro-Kritik

Waldwirtschaft Bienenheim: Im Westen viel Gutes

Der Imkerbraten in der Waldwirtschaft Bienenheim

In der Waldwirtschaft Bienenheim in München-Aubing wird beste Slow Food-Küche serviert

München ist mit immerhin acht Lokalen im neuen Slow Food-Genussführer vertreten: „Der Pschorr“ und die „Herrmannsdorfer Landwerkstätten“ am Viktualienmarkt, der „Klinglwirt“ in Haidhausen, die „Goldmarie“ im Schlachthofviertel und das „Sir Tobi“ im Lehel sind „alte“ Bekannte.

Neu aufgenommen wurden das „resihuber“ in Untersendling, das „Süßmund“ im Glockenbach-Viertel und die „Waldwirtschaft Bienenheim“ im nicht ganz so zentralen Stadtteil Aubing-Lochhausen-Langwied. Die Entscheidung „Wohin zuerst?“ war etwas schwierig. Den Ausschlag gab dann das traumhafte Oktober-Biergarten-Wetter und – zugegeben – die verlockende Aussicht auf einen guten Schweinebraten am Samstagmittag im Freien.

Die „Waldwirtschaft Bienenheim“ ist eigentlich das Vereinsheim des 125 Jahre alten Bienenzucht- und Obstbauvereins München-Lochhausen und im Münchner Westen offenbar als Ausflugsziel für Wanderer und Radler wohlbekannt.

Das kleine Wirtshaus-Schmuckstück, umgeben von besagten kleinen Obstgärten und Imkerhütten, wird seit gut acht Jahren von Wolfgang Niederdorfer und Daniela Michaylow betrieben – junge bayrische Landhausküche mit mediterranem und österreichischem Einschlag nennen sie ihren Küchenstil.

Bei einem frischen Sedlmayr-Weizen (3,60) von der Maisacher Brauerei und einem guten Veltliner (0,25l; 5,60) genießen wir Sonne und Ruhe gemeinsam mit ein paar sportiven RadlfahrerInnen, einigen Familien mit Kinderwagen und Kleinkindern, ein paar älteren Wander-Herrschaften und einem Herrn mit reichlich gefülltem Schwammerlkorb. Das Böfflamott ist leider aus, aber den Imkerbraten (12.-) und den Hendlsalat (14,50) gibt es noch. Dauert halt ein bisschen, erklärt der freundliche junge Kellner– „echtes“ Kochen braucht eben seine Zeit …

Das steht hier so auch auf der Karte, in der außerdem aufgelistet wird, wo Fleisch und Geflügel herkommen und in der die Wirtsleute versprechen, dass bis auf die Kartoffelknödel grundsätzlich keine „Tütenprodukte“ verwendet werden – also „grundsätzliche“ Slow Food Prinzipien halt.

Tatsächlich hat es dann nicht allzu lange gedauert und es hat sich wirklich gelohnt: der Imkerbraten, ein traditionell im Rohr gebratener Schweinsbraten mit festem, magerem Fleisch aus der Schulter, einem kleine Stück rescher Kruste, reichlich ungebundener, dunkler, „anständiger“ Sauce, die ein wenig nach Honig schmeckt und dazu zwei kleine ordentliche Fertigknödel und ein knackiger Krautsalat mit Speck – da hat sich das Warten definitiv gelohnt.

Der bunte Wildkräutersalat mit feinem Honig-Senf-Dressing und die Hähnchenbrust auf Curry-Mayonnaise waren optisch und geschmacklich ein Genuss – sozusagen schlicht, aber ergreifend. Beim zweiten Besuch an einem Abend unter der Woche waren wir wieder sehr angetan: von einem sehr guten Tellerfleisch (14,50) bestehend aus zwei mageren Scheiben Rindfleisch, schön weich gekocht, ohne zu zerfallen, dazu großen Sellerie- und Karottenstücke, geschmackvolle Kartoffeln und frisch geriebener Kren in reichlich intensiver Brühe – sehr fein! Und von einem „echten“ Wiener Schnitzel (19,50) in bester Qualität und Quantität, mit richtig guten Bratkartoffeln und feinen Wild-Preiselbeeren.

Man kann nur sagen: Im Westen viel Gutes – auf alle Fälle im „Bienenheim“!

Autor: Peter Trischberger

Waldwirtschaft Bienenheim, Bienenheimstr.11 81249 München
Öffnungszeiten Oktober bis November: Di – Fr 12 - 22 Uhr nach Bedarf länger, Sa – So 12 –22 Uhr nach Bedarf länger. Tel: 089 895 559 27, www.waldwirtschaft-bienenheim.de

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