Gastro-Kritik

Süßmund: Heimat auf die Löffel

Das Süßmund im Glockenbachviertel

Das Süßmund im Glockenbachviertel ist Cafe, Beisl, Restaurant und im neuen Slow Food-Führer gelistet.

Schnöde voreingenommen sind wir fast fünf Jahre dran vorbei gedackelt, an diesem ehemaligen Wildbräu-Bierstüberl am Fußgängerübergang in der Westermühlstraße. Jaja, einfach ignoriert nach dem Motto: Ist halt mal wieder so ein schnell zusammengenageltes kleines Gastro-Projekt, das auf der großen Glockenbach-Hype-Suppe mitschwimmen möchte und wieder so schnell weg ist wie etwa die mühselig erarbeitete Kohle im Weihnachtskaufrausch.

Da haben wir uns gründlich getäuscht. „Die stehen jetzt sogar in einem echten Restaurantführer, so einem wie dem Michelin oder so“ hört man von der Nachbartisch-Gesellschaft rüber – und man hört viel im kleinen „Süßmund“ von den Nebentischen (einfach weil es nur 27 Sitzplätze gibt).

Und so klein es auch ist, ist es irgendwie doch alles: Cafe, Beisl, Restaurant und manchmal auch noch Kunstbühne. Die zwei Brüder Andi (Hotelfachmann) und Martin Süß (Regisseur) und Martins Frau Veronika (geborene Mund, daher auch der Name) teilen sich Küche und Service. Ein kleiner Familienbetrieb sozusagen, der mittlerweile unterstützt wird von einer ausgewählten Helferschar von Küchensupport, Mittagskoch und Servicekräften. Großer Aufwand für so einen kleinen Laden möchte man meinen – aber Kuchen und Brot backen, Marmelade und Chutneys einkochen, hausgemachte Suppen und Saucen herstellen, keine Convenience-Produkte, sondern regionale und saisonale Lebensmittel benutzen macht dann doch etwas mehr Arbeit – mal vorsichtig ausgedrückt.

Das merkt man dann allerdings auch äußerst positiv auf dem Teller. Tatsächlich schmeckt es so wie „Heimat auf dem Löffel“ – so lautet nämlich das Süßmund-Motto. Ansonsten hätte es das Süßmund wohl auch nicht in den vom Nebentisch erwähnten Restaurantführer geschafft, also nicht in den „Reifenführer“ sondern in den neuen Genussführer 2019/20 von SlowFood.

Im Angebot: eine kleine Mittagskarte. Abendessen mit einer etwas größeren Auswahl, alles zu sehr fairen Preisen, nachmittags noch frisch gebackene Kuchen und ein sorgfältig ausgewähltes Weinsortiment vor allem aus Österreich und Deutschland. Der eiserne Weinflaschenkäfig steht mitten im Lokal, das eine liebevoll gelungene Melange aus Restbeständen von Uromas Mobiliar, einer gut gefüllten Arbeitstheke, einer großen Spiegelwand und einer gemalten Kunstwand von Peter Lang ist und insgesamt eine freundliche und offene Atmosphäre ausstrahlt. Kurz gesagt: Man fühlt sich ziemlich schnell ziemlich wohl.

Das Rotwein- Cuveé „Junge Löwen“ vom Neusiedler See (24) erfreut (nicht nur wegen dem Namen) und das Wohlbefinden steigert sich noch mehr beim Anblick des Wiener Schnitzels (19,50; vom Kalb). Die „ansa Panier“ begeistert schon auf den ersten Blick: bauschig, luftig und üppig gewellt, herrlich aufgeplustert, das muss man erst mal hinkriegen. Sprüche und Schnitzel klopfen können bekanntlich ja viele, aber so eine paradiesische Panade bekommen eher wenige hin. Der dazu servierte Kartoffelsalat ist allerfeinste Hausmannsfrau-Qualität: Fazit: Das ganze schmeckt wunderbar, stilecht serviert mit fein säuerlichen Preiselbeeren, Kapernapfel und Anchovis. Die Leber „Berliner Art“(18,50) ist ebenfalls sehr gelungen – mit zwei kleinen Scheiben bester Kalbsleber, sorgfältig angebraten, innen noch mit feinem Schmelz, darauf eine ganze, leicht karamellisierte Apfelscheibe, gutes Bratenjus und ein buttrig glänzend-samtiges Kartoffelpüree, alles wunderbar. Die Kürbissuppe mit gerösteten Kernen und Kernöl (5,50) war keine so große Überraschung, aber trotzdem sehr gutschmeckend – der deftige Wildschweinspeck (10,50) dagegen mit dem hausgemachtem pfiffigen Quitten-Senf-Chutney auf knackigem Blaukrautsalat und hausgebackenem Bauernbrot schon mehr. Das luftig-lockere Schokomousse (5,90) mit Birnenstückchen und reschen Crumbles beendete unseren ersten Abend sehr vergnüglich.

Beim zweiten Besuch erfreuten wir uns an einer kleinen Portion herzhaft marinierter Spare-Ripperl (7,50), deren Fleisch sich butterweich vom Knochen löste, mit Honigsauce und dazu wieder das gute Hausbrot als „kleines“ Gericht und einem sehr sättigenden, sogenannten „Grenadiermarsch“ (einem aus dem ungarisch-österreichischen Kaffeehaus-Repertoire stammenden Klassiker sparsamer Küchenchefs) mit Würstln, Zwiebeln, Speck, Kartoffeln und Nudeln (10,50). Als „Mittagssupersonderangebot“ dann noch ein kleiner Ausflug ins Südtirolerische: deftige Spinatknödel mit brauner Butter und gehobeltem Parmesan und dazu einen mit Honig-Senf-Dressing angemachten kleinen Salatteller, alles für unter acht Euro – was will man mehr?

Öfter kommen und auf alle Fälle den Cisterzienser Glühwein probieren oder doch a Glaserl von dem neuen Blaufränkischen aus der „Zwara Vasn“? Voodoo Jürgens lässt grüßen – und wir auch!

Autor: Peter Trischberger

Süßmund, Westermühlstraße 13
Di. – Sa., von 12.00 – 24.00 Uhr, Tel: 089 237 024 26, www.suessmund.de

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