Gastro-Kritik

Sallis Kitchen: Böfflamott und Orient Express

Urbaner Look und internationale Küche
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Urbaner Look und internationale Küche

Das Sallis Kitchen im Bürgerhaus Unterföhring ist Restaurant, Café und Bar zugleich

Unterföhring ist eine wohlhabende Gemeinde und hat diesen Status im Münchner Speckgürtel vor einigen Jahren mit einem modernen Bürgerhaus-Neubau am Ortseingang dementsprechend in Beton gegossen. Hier gibt es mehrere Tagungsräumlichkeiten und einen großen Saal für rund 700 Personen, der auch in Corona-Zeiten in abgespeckter Form genutzt wurde.

Vom eigenen Volkstheater bis Jazz- und Kabarettgrößen reicht das Kulturangebot, der Autor dieser Zeilen, selbst in der damals noch recht dörflichen Gemeinde aufgewachsen, durfte dort schon Aufführungen von Dianne Reeves oder Gerhard Polt genießen. Apropos genießen: natürlich gibt es auch eine Gastronomie im Bürgerhaus, früher war hier ein griechisches Lokal angesiedelt, seit letztem Jahr wird sie unter dem Namen Sallis Kitchen betrieben.

Dahinter steckt Inhaber Engin Sali, der es „vom Tellerwäscher zum Chocolatier aus Leidenschaft und nun seit November 2021 zum Restaurantbesitzer“ gebracht hat, wie auf der Website der Lokalität zu lesen ist. Bevor er sich in Unterföhring niederließ, betrieb er einen kleinen Pralinen-Shop am Viktualienmarkt, wo er seiner süßen Leidenschaft, die in einer Manufaktur in der Nähe des Flughafens hergestellt wird, freien Lauf lassen konnte.

Das Projekt in Unterföhring hatte er schon länger im Visier, nach einem aufwendigen Umbau wurde letztes Jahr eröffnet. Betritt man das Restaurant, glaubt man sich nicht im Münchner Umland zu befinden: Ein moderner, urbaner Look bestimmt das Ambiente, das sich mit seinen moosbepflanzten Betonwänden, den Lounge-Möbeln und einer gut sortierten, stylischen Bar auch in einem coolen Großstadthotel befinden könnte. Die großen Tische sind an einem Sonntagmittag schön eingedeckt, eine sympathische junge Frau im Service bringt die Karte.

Unter der Woche gibt es einen Mittagstisch mit täglich wechselnden, auch vegetarischen Gerichten (Vorspeise, Hauptspeise und kleines Getränk für um die 10 Euro), am Wochenende kann man neben Frühstück/Brunch auch tagsüber aus der Abendkarte wählen. Auf dieser befinden sich diverse Vorspeisen und Salate, das Angebot reicht vom Avocado Carpaccio mit Mango, Basilikum und  karamellisierten Nüssen (15) über norwegischen Wildwasserlachs bis Beef Tatar vom Chiemgauer Weiderind  - „asia style“ mit Wachtelei, Thaispargel, Trüffelschmand, Avocado-Wasabi Dip, Sesam und Teriyaki (je 17,50). Dazu gesellen sich sechs Hauptspeisen und sechs verschiedene Steakcuts samt Beilagen.

Wir wählten zum Start den „Orient Express“ mit Hummus, Mango, Rote Bete, arabischem Couscous, Auberginen-Safta, Pitabrot und Falafel (14.50) – eine große Portion, die man locker teilen kann. Es schmeckte wie in einem guten orientalischen Lokal, der Hummus schön cremig, Mango und Rote Bete zu köstlichen Pasten verarbeitet, der Couscous bestens abgeschmeckt, das Auberginen-Ragout ebenfalls, war aber leider kalt, kann sein, dass das so gehört, zumindest lauwarm wäre trotzdem besser gewesen. Ansonsten: gelungener Einstieg. Zu trinken gab es einen sehr ordentlichen Grauburgunder vom Weingut Margarethenhof (0,2 zu fairen 6) und einen ebenfalls gut trinkbaren „Rot Wein Gut“-Spätburgunder-Zweigelt- Cuvée von Weingut Freiherr von und zu Franckenstein (7).

Das Böfflamott vom bayerischen Rind mit glasiertem Wurzelgemüse und Scheiben vom Serviettenknödel kam in Form von drei großzügigen Scheiben mit einer schön sämigen Rotweinsoße an den Tisch, schmeckte richtig gut, war aber eher warm als heiß, etwas schade für dieses tolle Gericht. Alles gestimmt hatte beim argentinischen Black Angus Filetsteak (ca 200 g/26 oder ca. 500 g/54) – wunderbar medium gebraten mit Rotweinzwiebeln, dazu eine passende Pfefferrahmsoße (3) und ein Kartoffelgratin (4). Das Gratin war mit würzigem Käse überbacken und schmeckt auch gut dazu – dumm wäre es allerdings gewesen, wenn man keinen Käse mag, denn auf der Karte steht davon nichts.

Bis auf dass die abgegessenen Teller noch etwas lange vor dem Gast stehen blieben, war der Service bemüht und nett. Als süßen Abschluss gab es Affogato (Espresso mit Vanilleeis, 4) und ein Espresso mit zwei Pralinen nach Wahl (5), einmal „saurer“ Pfirsich und Lavendel. Beide haben raffiniert und gut geschmeckt, was man aber aufgrund der Profession des Inhabers und bei einem stolzen Preis von (1,50 Euro das Stück) auch erwarten kann.

Fazit: Das modern gestaltete Sallis Kitchen kann mit einer gelungenen internationalen Küche aufwarten, insgesamt ist vielleicht noch etwas Feintuning nötigt, das Preis-Leistungsverhältnis ist angemessen. Gerne wieder, vielleicht auch mit Kultur, denn auch dieses Programm (www.buergerhaus-unterfoehring.de) ist einen Besuch im Vorort wert.

Autor: Rainer Germann

Sallis Kitchen, Münchner Str. 65, 85774 Unterföhring b. München
Mo-Fr: 11:30 bis 22 Uhr, Sa, So: 9 Uhr bis 22/Frühstück bis 13 Uhr, Tel.: 089 20 20 10 14, www.sallis-kitchen.de

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