Gastro-Kritik

Restaurante Bruno: Wieder da

Nach 25 Jahren im Glockenbachviertel eröffnete das Restaurante Bruno nun neu im Dreimühlenviertel.

Eines der schöneren Dinge am Glockenbachviertel ist, dass das Dreimühlenviertel nicht weit ist. Und wem das international verseuchte Pseudokackgetüttel des aufgeblasenen Ausgeh-Schickeria-Gesocks, das hier mittlerweile schon tagtäglich und nächtens sowieso herumhockt, mal wieder, wie uns, zu unerträglich auf die werktätig strapazierten Nerven geht, dem hilft ein kleiner Spaziergang den Westermühlbach entlang ins Neben-Grätzel wo Gentrifizierung und Gastronomisierung noch nicht gar so brachial stattgefunden hat.

Und man findet auch alte Bekannte wieder, so wie das Bruno, 25 Jahre lang eine kleine, ruhige allseits im Viertel bekannte und beliebte Pizzeria am Fuße des Stephansbergerl bei der Pestalozzistraße, die vor einem Jahr plötzlich verschwunden war. Die Pacht wurde zu hoch, die wenigen Außentische nicht mehr, aber die nachbarliche Kneipendichte zu ungemütlich, so erzählt Leonard Bruno, Junior-Koch, der hier zusammen mit dem Seniorchef Antonio die Küche schmeißt.

Die Familie hat sich umgesehen und an dem schönen Platz Ecke Ehrengut- und Dreimühlenstraße wurde man fündig. Gut hier gibt es zwar auch zwei Cafes und gegenüber das beliebte Bavarese, aber hier ist es doch deutlich ruhiger, angenehm beschaulicher und trotzdem lebhaft, halt ohne der aufgepuschten feierbananenwütigen Pestalozzi-Hektik.

So sitzen wir also zusammen mit gut befreundeten, alten Bruno- Stammgästen bei einem beschaulichen feuerroten Feierabend-Aperol- Sprizz (6,50) und einer feinen Flasche Salice Salentino Riserva (28.-) nebst stillem Acqua Panna (0,75 zu 5,20) freundlichst und aufmerksam bedient von Roberto Bruno, dem zweiten Sohn, der für den Service zuständig ist. Er hat gut zu tun, es hat sich anscheinend schnell herumgesprochen, dass die Pizzen groß und gut sind. Und nicht nur die Pizzen.

Bei einer sehr guten einfachen Pizza Pane (5.-) und drei kleinen Bruschetta (3,50) mit reifen Tomaten und Basilikum wird dann die Speise- und Tageskarte studiert. Einen Insalata della Casa (11,50), „wie immer“ als Vorspeise für zwei, bestellen die Freunde. Dann die Linguine Vongole (16,90), Scaloppina al Limone (14,90) und Scaloppina alla Romana (16.90), eine Pizza „Diavola“ (10.-), einmal die Tagliatelle mit Steinpilzen und einmal die mit Pfifferlingen (je 15,50) und zur allgemeinen Begleitung noch eine Flasche respektablen Luganer (26.-).

Der Sohnemann erfreut sich derweil an einer Johannisbeer-Saftschorle (3,90) und mit der „Diavola“ is(s)t er sozusagen groß geworden, die ist auch ziemlich groß, für uns ein wenig zu „Höllisch“, aber gut. Zum großen Insalata „Casa“ wird noch ein extra Brotkorb bestellt, das Brot ist frisch hausgebacken und schmeckt hervorragend.

Die Liguine mit den Schwammerl werden hier gebraten und kommen dann vermischt mit einer Tomatenrahmsoße an den Tisch, das hätten wir uns puristischer vorgestellt, aber da die Tomatensoße wirklich gut ist, geht das schon in Ordnung.

Sehr puristisch fallen die Beilagen zu den Scaloppini aus, Karotten, Broccoli und Bohnen, nicht gerade sehr kreativ, aber hier doch sehr sorgfältig gekocht. Die Schnitzel mit Schinken und Salbei sind ebenfalls tadellos, bei dem Zitronenschnitzel hätten wir uns mehr Zitronen-Soße gewünscht. Bei den Linguine Vongole sind auch sogenannte Meermandeln mit dabei, eine spezielle Muschelart, die leicht zäh werden kann beim Kochen, hier passte alles wunderbar.

Bei unserem zweiten Besuch waren wir etwas früher dran, der Service in gleicher flinker Freundlichkeit, diesmal etliche Familien mit Kindern, die Pizza halt. Wir waren sehr zufrieden mit einem Carpaccio di Manzo (11,50) mit fein-bitterem Olivenöl, schön mit frischem Rucola, kleinen intensiven Tomaten und Frühlingszwiebeln garniert, und dazu wieder das hervorragende Hausbrot. Die Spaghetti Aglio, Oglio, Peperocini (7,90, als kleine Vorspeisenportion werden erfreulicherweise 2.- weniger berechnet) hatten den „richtigen Wumms“ sprich: Schärfe, wieder mit dem guten Olivenöl, die Pasta streng „al dente“ gekocht, besser geht’s kaum. Und bei den Spaghetti al Pomodoro (7,90) erfreute man sich nochmal an der sehr guten hausgemachten Tomatensoße.

Ein Tiramisu (6,50) durfte es dann noch sein, ganz klassisch ohne Schnörkel, gut saftig durchgezogen, schön mit ein bisschen Erdbeersaft und frischen Erdbeeren serviert, das kann man nur empfehlen. Alles in allem: Wir freuen uns, dass es das Bruno wieder gibt – und auf den kleinen Spaziergang ins Nachbarkrätzel am Bach entlang, weg von allen feiernden Bananen.

Autor: Peter Trischberger

Restaurante Bruno, Dreimühlenstr. 3,0 80469 München
Mo Ruhetag, Di bis Fr von11.30-14.30 Uhr und 18.00 – 22.30 Uhr, Sa ab 18.00 – 22.30 Uhr, So von 11.30 – 14.30 Uhr und 18.00 – 22.30 Uhr, Tel. 089 744 093 65

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