Gastro-Kritik

Swagat: Indisch-bayerische Lebensweisheit

Das Swagat bietet seit Jahren gelungene indische Küche am Prinzregentenplatz

Wir werden uns dieses Jahr hier nicht wie sonst aufregen über das gar so heilige Weihnachtsfest und seine unumgänglich damit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Christkindlmarkt-Orgien oder Kaufräuschen. Wir werden alles einfach ignorieren und auch nicht kurz vorbeischauen: auf keinem Christkindlmarkt, bei keiner Glühweinbude, auf keiner Weihnachtsfeier, nirgends.

Auch kulinarisch möchten wir es uns in diesem Jahr nicht so schwer machen – dennoch gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Lokal für kochfrei geplante Feiertage nicht ganz so leicht. Auf indische Küche konnte man sich innerfamiliär schon mal einigen – zum einen wegen der in der Regel großen vegetarischen Auswahl und zum anderen wegen der von christlichen Events unberührten Öffnungszeiten. Soweit so gut, wo gehen wir also hin? Indische Lokale gibt es ja nicht wenige, Meinungen darüber auch.

Gefühlte hundert Mails später reicht es dann mit der „demokratischen“ Lokal-Findung. Ein langjähriger Freund (in den 1980er-Jahren noch pflanzenrauchender und karmasuchender Indien-Reisender, mittlerweile profunder Liebhaber besserer Getränke und Speisen) wird als allgemein anerkannte Autorität befragt und der sagt, er gehe immer wieder sehr gerne ins SWAGAT

Ein nobles Kellergewölbe mit Geschichte

Zwei Tage später sitzen wir beide dann früh am Abend sozusagen als Vorkoster im Souterrain beim Inder. Das SWAGAT residiert in mehreren „schön“-alten, aneinandergereihten Kellergewölben am noblen Prinzregentenplatz. Die Tische sind weiß und gediegen mit Kerzen, Blumen und Stoff-Servietten eingedeckt – wir sitzen vor einem gepflegten Aquarium, die Wände geschmackvoll mit großen Bildern bestückt.

Von einem Wandteppich leuchtet in Gold und Blau gestickt das Taj Mahal, in den kleinen Wandnischen glänzen Göttinnen und Götter, über all dem das rustikal-mächtige Holzgebälk und die durch den Raum schwebende indische Musik: Alles elegant, beindruckend und ganz und gar nicht bedrückend – dafür sorgt auch der ruhige und schnelle Service.

Die Küche bietet Kulinarisches aus allen Regionen Indiens und die Karte ist dementsprechend leider etwas unübersichtlich. Warme und kalte Vorspeisen, Gerichte aus dem traditionellem Tandoori-Lehmofen, Fleisch, Geflügel und Fisch-Spezialitäten und tatsächlich auch eine schöne Auswahl an verschiedenen vegetarischen Essen. Wir bekommen drei kleine Schalen mit süßlichem Mango-Dip, würzigem Minz-Koriander-Dip und einem sehr scharfen Chili-Dip mit dünnen knusprigen Pappadams (Kichererbsen-Fladen) als Begrüßung auf den Tisch gestellt.

Ich überlasse das Bestellen meinem Indien-Guide. Erste Regel: Was hier als scharf aufgeführt wird, ist auch wirklich scharf! Wir einigen uns auf eine vegetarische und eine fleischige Vorspeise, auf ein „Achari Ghosht“ (16,50 – ein Lammgericht) und den „Seeteufel Goa“ (21,80 – das Lieblingsgericht unseres kundigen Begleiters) und bestellen auf alle Fälle schon mal eine Flasche Wasser (6,50). Bei einem gut trinkbaren Lugana (7,50) und einem etwas schlichten Cabernet Sauvignon (6,80) sowie einem fluffigem Naan (3,00 - Fladen-Brot) ist man schnell bei alten Indien-Anekdoten und bei „Lang, lang ist’s her“-Geschichten über dieses altehrwürdige Kellergewölbe. So gab es vor dem SWAGAT hier eine Lokalität namens „Georgskeller“ – ein Weinlokal mit damals ungewöhnlich großzügigen Öffnungszeiten, in dem sich nicht nur die Gäste und Künstler vom Prinzregententheater bis in die Morgenstunden vergnügten, sondern auch die Fußballkünstler des damals glorreichen TSV 1860. Schade, da wären wir gerne dabei gewesen – aber wir hatten auch jetzt viel Spaß mit unserem sehr guten Essen.

Die Tandoori-Vorspeisen mit jeweils drei verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten waren fein paniert und frittiert und wirklich wohlschmeckend – genauso wie das zarte Lamm in einer pikant-fruchtigen Sauce und der mit scharfer Kokossauce servierte Goa-Seeteufel. Bei Mango-Creme mit Vanilleeis (5,50) und Gulab Jamun (5,50 – Milch-Quark-Bällchen in Honig gebacken) zum Dessert wurde es dann noch geradezu philosophisch. Wohlig gesättigt und rundherum zufrieden sind wir nämlich übereinstimmend zu der indisch-bayerischen Lebensweisheit gelangt, dass alles was wirklich zählt, wohl eher nicht unterm Christbaum liegt… Deshalb wünschen wir jetzt ganz entspannt auf Hindi Krisamas kee badhaaii!

Autor: Peter Trischberger

SWAGAT, Prinzregentenplatz 13
Öffnungszeiten: 11.30 - 14.30 Uhr und 17.30 - 1.00 Uhr, Kein Ruhetag, Tel. 089 470 84 844

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