Gastro-Kritik

Restaurant Soy: Buddha wäre Veganer

Drinks und vegane Snacks an der Bar: Restaurant Soy
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Drinks und vegane Snacks an der Bar: Restaurant Soy

Das Soy in der Theresienstraße bietet vietnamesische Küche ohne Fleisch, Fisch – und Fischsoße!

Obwohl Buddha sagte: „Ich übe mich darin, keine fühlenden Wesen zu schädigen oder zu töten“, schreibt der Buddhismus dennoch keinen Vegetarismus vor. Das ist kein Geheimnis und so steht es auch auf der Website des vietnamesischen Restaurants Soy in der Maxvorstadt. Und weiter: Da Buddhismus keine Glaubensreligion ist, sondern lediglich eine Erkenntnisreligion, sollte die Umstellung der Ernährung durch Einsicht erfolgen und nicht durch Verbote oder Vorschriften. Eine Erkenntnis, die viele Menschen auch in unseren Breiten teilen und noch einen Schritt weiter gleich ganz zur veganen, sprich auf alle Tierprodukte verzichtenden Nahrungsaufnahme gehen.

Das vegan in ist, beweist ein Besuch im Soy an einem frühen Dienstagabend. Ok, es ist „Veganuary“ - diesen haben clevere Marketingexperten im Detox-Monat zusätzlich ausgerufen. Aber auch auf Nachfrage ist das hier kein ungewohntes Bild: Das ziemlich große Lokal im ehemaligen Martini Club ist proppenvoll (unbedingt reservieren!), an der Tür staut es sich aufgrund der sorgfältig durchgeführten Impfpass-Personalausweis-Kontrolle. Das ist gut so, denn man sitzt schon bald umgeben von einer jungen, größtenteils weiblichen Gästeschar unter einem großen Wandgemälde einer buddhistischen Gottheit im Lotusblütenfeld und lauscht dem Stimmengewirr, einem Bienenschwarm nicht unähnlich, nur lauter. Damit hat es sich mit tierischen Assoziationen, der sympathische junge Kellner bringt die Speisekarte, zum Studium werden asiatische Bierchen geordert, einmal Tiger aus Singapur und Saigon aus ebenda (0,33 je 4 Euro). Zu Essen gibt es allerlei vietnamesische Spezialitäten von Suppen über vietnamesische Tapas, also Vorspeisen, diverse Salate und Nudelgerichte, darunter die berühmte Pho, natürlich diese, wie auch alle anderen Gerichte, auf rein pflanzlicher Basis mit der Zugabe des namensgebenden Soja, überwiegend in Tofu- oder mal Seitan-Form. Ein Mittags-Reis-Gemüse-Gericht (8,90 mit Suppe oder Glücksrolle) konnte schon mal überzeugen, nun sind wir gespannt, was der Abend bringt.

Praktischerweise bietet das Soy drei Variationen von „Reistafeln“ (44,90 Euro für zwei Personen). Wir entschieden uns für die zweite Version: Los ging es mit Canh Dua, einer Kokosmilchsuppe mit Tomaten, Pilzen und Tofu, gewürzt mit Limettenblättern, Zitronengras und Kräutern. Die kleine Schale wärmte den Magen, war gut abgeschmeckt, die Pilze wären etwas kleiner geschnitten besser zu essen gewesen. Von den Kräutern war eher wenig zu sehen, leider galt dies für unser ganzes Menü. Das ist sehr schade, denn die vietnamesische Küche lebt eigentlich ganz besonders von frischen Kräutern wie Koriander (Rau Răm), Minze, Schwarznessel (Tía tô), Thai-Basilikum etc.

Der mit der Suppe gleichzeitig servierte Goi Du Du, ein Papayasalat mit Karotten, Orangenscheiben, Salat und Erdnüssen war schön angerichtet und mit einem leichten Sojadressing mild mariniert, nur fehlte dieser europäischen Version die pikante Note, die man aus Südostasien kennt. Die ebenfalls mit dem Salat gleichzeitig im Bambuskörbchen dazugestellten Ha Cao, mit Gemüse gefüllten Teigtaschen, stellten den Gast vor eine Entscheidung: Suppe oder Teigtaschen zuerst essen? Dann kamen die Hauptgerichte: Tofu Chua Cay war ein pikantes Gericht mit Tofu, Pilzen, roten Paprikaschoten, Zucchini, Frühlingszwiebeln und Erdnüssen und eine süß-sauren, fast glasierten Sojasoße, die für die vietnamesische Küche von der Konsistenz her eher ungewöhnlich war. Die Überraschung war der zweite Topf: Kho To entpuppte sich als ein wunderbares Schmorgericht mit Pilz-Tofu, Pilzen, Zwiebeln und einer Soße, die mit kräftigem Umami-Geschmack einen ganzen Wald an den Gaumen zauberte. Ungewöhnlich, bitte mehr davon!

Fazit: Das Soy präsentiert solide vietnamesische Küche, die durch den großzügigen Einsatz von frischen Kräutern und einer etwas mutigeren Art zu würzen noch deutlich an Finesse gewinnen würde. Fleisch und Fisch vermisst man dagegen praktisch nicht; der Service ist auch bei vollem Haus professionell, die Preisgestaltung absolut in Ordnung. Das gute Gewissen gibt’s umsonst dazu.

Autor: Rainer Germann

Soy, Theresienstraße 93
Mo-Fr: 11.30-14.30/17-22/Sa: 17-22/So: 14-22 Uhr
Tel.: 089/54540886, www.soy-muenchen.com

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