Gastro-Kritik

Soul Kitchen: Pizza statt Parkplatz

Das Restaurant Soul Kitchen in der Fraunhoferstraße

Die Fraunhoferstraße soll parkplatzfrei werden, von der Pizzeria Soul Kitchen aus hat man dann freien Blick auf den Radl-Highway.

Wie das Ganze mal aussehen soll, konnte man bereits in bearbeiteten Fotos in diversen Tageszeitungen sehen, wie es im Detail funktionieren soll, ist eher unklar und wird im Juli im Stadtrat diskutiert. Lieferzonen sollen eingerichtet werden, zum Beispiel in der Klenzestraße (die eh schon wegen Lieferverkehrs tagtäglich zur Staustraße wird) und Müllerstraße, von dort sind die Waren dann, wie auch immer, bis zu den Einzelhändlern und Gastronomiebetrieben zu transportieren.

Laut einem neuen Gesetzentwurf soll man auf den Radwegen nicht mal mehr kurz halten dürfen, was natürlich auch für die Anwohner schwierig werden könnte. Von der Parkplatz-Situation in den Nebenstraßen (120 Parkplätze fallen ja weg) einmal ganz abgesehen, spannend dürfte auch die Belieferung von Drogeriemarkt (jetzt Mo-Fr Parkverbot vor dem Laden von 6-9 Uhr) oder dem Wirtshaus Fraunhofer werden, hier kommt zweimal pro Woche ein Bierlaster, auch mit Schlauch, um die großen Biertanks im Keller zu füllen (dauert 20 Minuten).

Fragen über Fragen, auf die Antworten darf man gespannt sein. Einzelhändler, Gastronomie, Anwohner und MVG (auf der Straße kurz zum Entladen haltende Fahrzeuge könnten/werden die Trambahn behindern) sind jedenfalls gespaltener Meinung über die „wichtigste Radwegverbindung zur Isar“, da es ja mit Cornelius-, Westermühl- und Ickstattstraße bereits Alternativen gibt. Allen ist klar, dass etwas passieren muss mit dem Autoverkehr in der Stadt. Vielleicht Citymaut? 30km-Zone? Nur Anwohnerparken? Zeit, mal was zu essen im Soul Kitchen, wir sind zu Fuß da.

Nicer Laden, netter Service

Aus den Boxen tönt HipHop gemischt mit Italopop und Beachbar-Chillout-Sound, das Publikum ist (überwiegend) jung und international – das Soul Kitchen könnte so auch in Berlin Mitte oder in Hamburg Schanze sein, für München ist der Standort perfekt gewählt. Obwohl wir den Altersdurchschnitt etwas nach oben schrauben, kann man über den Service nicht meckern, im Gegenteil. Der Laden brummt, aber wir werden bestens behandelt, bekommen (ohne Reservierung!) einen schönen Tisch und die einseitige Speisekarte präsentiert.

Als Vorspeise bestellen wir sehr gelungene Arancini (3 Stk. 7 Euro), gefüllt mit Fiore de Latte Mozzarella, pikanter Salami (aus Kampanien), mit Parmesan und Safran gewürzt. Dazu gesellt sich ein Avocado-Tatar (8), schön angemacht mit Tomaten, Zitrone, Paprika und Olivenöl, ebenfalls eine gute Portion und wieder gelungen. Des Weiteren gäbe es noch zwei, drei Starter und diverse Salate wie Panzanella (9,5) und Rucola-Salat mit Ziegenkäse und Cashew-Kernen (7,5), danach gehen die Gäste meist zu den Pizzen über.

Tradition mit Twist

Das Soul Kitchen versteht sich als Hommage an die traditionelle neapolitanische Pizza. 2017 ist die „Kunst des neapolitanischen Pizzabackens“ zu einem Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. Hier steht die Qualität der Zutaten, wie San Marzano-Tomaten, die auf dem Vesuv wachsen (die Tomatensoße ist süß und schmeckt wirklich sehr gut) im Mittelpunkt. Durch die kurze Backzeit von 90 Sekunden bei über 400 Grad behält die Pizza ihre Nährwerte und einen unverfälschten Geschmack, der Teig ist sehr dünn, der Rand luftig.

Die „Soulmates“, wie sich die Betreiber nennen, kombinieren klassische mediterrane Zutaten mit Aromen aus aller Welt. Pizza Napolitana mit modernem Twist, natürlich haben die Pizzen auch funky Namen wie „Lucky Luciano“ mit Creme fraiche, Rucola, Bresaola, Zucchini-Chutney (13) und „Burning Man“ mit pikanter, kalabrischer Nduja-Wurst, Taggiasca-Oliven, gebratener Paprika (11,90) oder „Eat The Greek“ mit Rote Beete, Feta, Minze und Chili-Honig-Soße (9). Wir entscheiden uns für „Hells Kitchen“ mit Caciocavallo-Käse, Fiore de Latte Mozzarella, karamellisierter Salami und Basilikum (14,80) und sind begeistert: die süße Tomatensoße, die pikante Wurst, der wirklich besonders gute Mozzarella – klar, ein stolzer Preis für eine Pizza, aber auch großer Genuss.

Zu trinken gibt es natürlich Zeitgeist-Getränke wie Elephant Bay-Eistee (3,5), Cola, Spezi und Schorlen von Proviant (3,5), fair kalkulierte offene Weine, wie Rosé von Planeta oder einen Roten von Heinrich (0,2 zu 5,90) oder Giesinger Erhellung (0,33 zu 3,60). Es liegt auch eine gut sortierte Weinkarte aus, unter anderem mit „Europa ohne Grenzen“ Selection Garibaldi (23), Grüner Veltliner Fass 4 vom Weingut Ott (36) oder den von uns probierten Verdicchio die Castelli di Jesi von der Cantina Santa Barbera aus den Marken (26).

Wie auch dieses Lokal beliefert wird, wird sich noch heraus stellen. Mit dem Lastenfahrrad vom Spina im Euroindustriepark? Ist aber erst mal nur ein „Verkehrsversuch“ - heißt es.

Autor: Rainer Germann

Soul Kitchen, Fraunhoferstr. 27 a
Öffnungszeiten: Mo. - Do.: 11:30 - 23.30 Uhr, Fr. - Sa.: 11:30 - 00:30 Uhr, So.: 11:30 - 23:30 Uhr
Tel.: 089/23 04 15 44, www.soulkitchen-munich.de

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