Gastro-Kritik

Savoy: Alpin-Küche mit Stil

Das Restaurant Savoy in Schwabing

Das Restaurant Savoy ist eine gastliche, alpin-kulinarische Oase im altehrwürdigen Schwabing

Es ist einer der immer noch ruhigen, schönen Plätze im ansonsten so wurligen Schwabing, gleich hinter dem Oskar-von-Miller-Gymnasium, keine fünf Minuten zu Fuß von der Münchner Freiheit entfernt. Der Eingang zum Restaurant „Savoy“ mit dem freigelegten roten Ziegelsteinen erinnert den einen oder die andere noch an selige Schwabinger-1970iger Jahre, als hier die „Alte Burg“, ein sehr angesagter Musikclub, residierte. Damals war als Lärmschutz – „letzte Maßnahme“ – über der Bühne tatsächlich eine Ampel installiert, die bei Überschreitung der „erlaubten Lautstärke“ zuerst mal auf Gelb, dann bei Nicht-Lärm-Reduzierung auf Rot schaltete und den Bühnenstrom rigoros abdrehte – das pure Live-Musiker-Grauen schlechthin.

Später konnte man hier längere Zeit im „Le Sud“ der französischen Gastlichkeit frönen. Letztes Jahr wurde das Lokal dann vom neuen Wirt Stefan Schmalschläger und Partnern grundlegend umgebaut: sehr ansprechend mit einer Mischung aus unverputztem Mauerziegelwerk, viel dunklem Holz und Ledergestühl, einer klassisch schönen Bar, gemütlichen Bücherregalen und einer mit Glaswänden abgetrennten, türkis leuchtenden Küche. Und nicht zu vergessen natürlich der wunderbare Wirtsgarten, rundum schön begrünt und schattig eingewachsen.

Der alpenländischen Küche „in ihrer ganzen Bandbreite von Frankreich, Monaco, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Slowenien und Deutschland“ hat man sich verschrieben: Gekocht wird „mit besten Produkten von kleinen Erzeugern, Jägern und Fischern“ heißt es auf der Savoy-Internetseite. Und das Ganze auf gehobenem Niveau – nicht abgehoben wohlgemerkt, aber doch schon dem hier wohnenden, gutsituierten Klientel angepasst. Also kein einsam aufgebrühtes Erbswurst-Süppchen oder ähnlicher Almrausch-Jodelhütten-Zauber findet hier statt, sondern anspruchsvolle „Alpin-Küche“. Also dann, nix wie auf ins „Savoy“…

Kaiserschmarrn – mal knusprig und gewürfelt

Bei unserem verregneten Erstbesuch werden wir überschwänglich von einem sehr sonnig gelaunten Herrn mit professioneller Oberkellner-Grandezza und geschmeidigem österreich-schwabingerischem Schmäh wie altbekannte Stammgäste begrüßt. Wir bekommen einen schönen Platz, mokieren uns einvernehmlich über das nicht akzeptable Wetter, kriegen Speise- und Weinkarte gereicht und darüber hinaus eine nicht undetaillierte Einführung in den Gebrauch einer kleinen Salzpresse für den anschließend servierten „Gruß aus der Küche“.

Eine kleine Flasche fein-pfeffriges ligurisches Olivenöl und gutes, frisch gebackenes Hausbrot werden gebracht. Dann also bitte beträufeln und etwas Salz…, ja, schmeckt wunderbar, wir haben verstanden. Aus der umfangreichen Weinkarte, zusammengestellt aus den verschiedenen Alpenregionen, begnügen wir uns mit einer schlichten, guten Weinschorle (0,2; € 3,90), einem sauberen „Von der Mark“-Grauburgunder (0,1; € 4.-), einer Flasche Wasser (5,80) und später noch einem Glas vom gut kräftigen, französischen „La Dame AC“ (0,1; € 4,50). Eine hervorragende, wunderbar cremige Spargelsuppe (€ 9,50) und ein knackiger Salat „Savoy“ (€ 10,50) mit Rucola, Kräutern, marinierten Artischocken, Sardinenstückchen, Wachtel-Ei und allerfeinsten Oliven kamen schon mal sehr gut an.

Die Maibock-Keule (€ 27,50) die durch eine Küchenbon-Verwechslung zu drei schönen Maibock-Filet-Stücken wurde, ist perfekt rosa gebraten – ein selten köstliches Stück Wildbret mit tollem Bratenjus und knackigen Gemüsestreifen – nur das Selleriepüree war leider rein mengenmäßig praktisch nicht vorhanden. Das gebratene Zanderfilet (€ 24,50) auf Blumenkohlcreme, mit gerösteten Blumenkohlröschen und Fenchelsalat war üppig und tadellos. Zum krönenden Abschluss dann die karamellisierten „Kaiserwürfel“ mit feinem, lauwarmem Apfelkompott (€ 13,50), eine durchaus erfreuliche Eigenkreation der Küche: „Ähnlich, bitte ja, aber auf gar keinen Fall mit echtem Kaiserschmarrn zu verwechseln“, wie uns hingebungsvoll der allgegenwärtige Maître erklärt.

Mit einem kräftigen Negroni (€ 8,50) und einer Münchner Roulade (€ 19,50) aus der Abteilung „Lieblingsgerichte der Stammkunden“ genossen wir dann den nächsten verregneten Abendbesuch. Die Roulade war zwar nicht ganz so ideal mürbe geschmort, wie wir sie uns vorgestellt hatten – aber die sehr gute Sauce und der herzhafte Kartoffelstampf mit Speck machten das leicht wett. Die elegante Crème brûlée (€ 8,50) mit knuspriger Karamellkruste war einwandfrei, das darauf platzierte Erdbeereis irgendwie ein wenig ungewöhnlich, aber mit tollem Geschmack.

In diesem Sinne wünschen wir dieser so gastlichen, alpin-kulinarischen Oase im altehrwürdigen Schwabing einen höchst erfolgreichen Sommer!

Autor: Peter Trischberger

Savoy, Bismarckstr.21
Dienstag – Sonntag von 18.00 – 1.00 Uhr, Tel.: 089 330 565 56, www.savoy-schwabing.de

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