Gastro-Kritik

Restaurant Museum: Krippen-Yoga und feine Speisen

Restaurant Museum

Das Nationalmuseum beherbergt nicht nur kulturelle Schätze, sondern auch das hauseigene Restaurant Museum

Es herrscht eine beeindruckende Stille und besinnliche Ruhe hier in diesen verwinkelten, unterirdischen Kellergewölben im Bayerischen Nationalmuseum inmitten der Krippen-Ausstellung – auf der alljährlichen Flucht vor der unumgänglich-überirdisch-fröhlichen Weihnachtszeit. Einen Euro haben wir sonntäglich bezahlt für den Einlass in dieses höchstinteressante Museum, dessen Entstehungsgeschichte von Planungs- und Bauquerelen begleitet wurden. Von König Maximilian II. anno 1855 gewünscht und geplant, wurde das erste Nationalmuseum in der Maximilianstraße gebaut und eigentlich gleich wieder abgerissen. Die Münchner Künstler- und Architektenschaft forderte einen Wettbewerb – den gewann dann Gabriel Seidl, dem auch die Bauausführung übertragen wurde. Im September 1900 konnte dann der gute, alte Prinzregent Luitpold das wegen des „malerischen“ Zusammenwirkens verschiedenster architektonischen Baustile von vielen höchst bewunderte „neue“ Nationalmuseum eröffnen – eines der „bedeutendsten und originellsten Museumsbauten seiner Zeit“. Man sieht also: Auch damals war das mit dem Bauen und Planen in München wohl schon nicht ganz so einfach!

Im Keller des Museums findet man eine der größten und berühmtesten Krippen-Sammlungen mit über sechzig großen und kleinen Szenen aus dem Weihnachtsfestkreis – alle hinter Schaufenstern mit herrlichen, zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert handgefertigten Figuren. Vor allem aus dem Alpenraum und Italien stammen die Kunstwerke, aus Adelshäusern, Kirchen und Klöstern. Gesammelt und dem Museum geschenkt hat sie zum großen Teil der wohlhabende Münchner Mäzen Max Schmederer, ein Bankier aus einer Brauereifamilie. Wer also einen Platz für weihnachtliche Ruhe und Kontemplation sucht, ist hier wirklich bestens aufgehoben. Falls das dann zu tiefer Ausgeglichenheit führt (so wie bei uns), sollte man unbedingt dem Weg durch die Krippenausstellung bis zum Ende folgen, um im Keller-Nebentrakt die gastronomische Abteilung des Hauses zu besuchen.

Der Service: freundlich, höflich und gekonnt

Die Gaststätte hat nämlich in aller Stille nach 2017 noch einmal eine Runderneuerung erfahren und erstrahlt jetzt in neuem „Glanz“. Eine „unkomplizierte und vielschichtige“ Gastronomie soll allen Gästen entgegenkommen: also Museumsbesuchern, die schnell nur mal Kaffee, Kuchen oder einen kleinen Snack wünschen – aber auch Mittags- und Abendgästen, die in den edlen Räumlichkeiten gehobenes Essen und feine Getränke in aller Ruhe genießen wollen. Im oberen Bereich ist das kleine Cafè mit Blick auf die schöne Gartenanlage, im Keller das elegante Restaurant mit großzügigen Sitzmöglichkeiten unter illustren Beleuchtungsarrangements (wobei man die Aufteilung tagsüber nicht so streng handhabt). Bei unserem sonntäglichen Besuch saßen mittags nach dem „Krippen-Yoga“ Mittagsmenü-Gäste und Kaffeetrinker friedlich beieinander – alle gleich freundlich, höflich und gekonnt vom legeren, schnellen Service bedient. Wir bestellten uns die Kalbsbackerl mit Polenta (22,50) und ein kleines Augustiner (3,30), das mit schönem Schaum im Biersommelierglas gereicht wurde. Die perfekten, weich geschmorten Kalbsbackerl kamen mit feiner Sauce und cremiger Rosmarin-Polenta mit Pinienkern-Topping. Die kurz blanchierten Rosenkohlblättchen schmeckten dazu wunderbar – allerdings waren fünf Stück selbst als Beilage einfach zu wenig. Die Nachspeise, eine Tonkabohnen-Crème Brûlée mit Zwetschge und Mangosorbet (8,50) war äußerst wohlschmeckend, üppig und bildschön angerichtet.

Beim abendlichen Besuch im Restaurant (das im neuen „Gault & Millau“ übrigens erstmals mit 14 Punkten bewertet wird), wählten wir einmal das 4-Gänge-Menü (65) und sozusagen als vorgezogenes Weihnachtsessengeschenk Tagliolini mit drei Gramm Alba-Trüffel (36) – ein bisschen köstlicher Luxus muss ja auch mal sein. Dazu als Vorspeise eine außergewöhnlich raffinierte Artischockensuppe (8,50) mit fein gehackten ligurischen Taggiasca-Oliven und zartem Butterfisch – wunderbar. Das Menü aus gebeiztem Saibling mit Beete-Variationen und Meerrettich, einer Wildessenz mit getrüffelter Crêpes -Roulade, Filet und Backe vom Ochsen mit Spitzkohl, Herbsttrompeten und Kartoffelpüree und warmem Macadamiakuchen mit Rotweinbirne und Mohneis war rundherum ein voller Genuss: beste Zutaten, gekonntes Handwerk, alles kreativ und ohne Chi-Chi angerichtet. Getrunken haben wir dazu einen (glasweise angebotenen) roten Côtes du Rhône (0,1; 6,80) und einen weißen Müller-Thurgau (0.1; 5,80) – beide vom Kellner empfohlen und gut trinkbar. Wir haben bestens gegessen und uns sehr gut bedient gefühlt. Wir kommen bestimmt bald mal wieder – auch um den einen oder anderen Tropfen aus der umfangreichen Weinkarte (für jeden Geldbeutel) noch zu erkunden. Den „untypischen Wintermarkt“ mit dem Titel „Hofglühen“ im Restaurantgarten werden wir wohl eher links liegen lassen. Dafür gehen wir aber vielleicht noch einmal Kripperl schaun oder in die aktuelle „Zamperl“-Ausstellung – um uns danach auf alle Fälle wieder kulinarisch im schönen Museums-Gastro-Ambiente stärken zu dürfen …

Autor: Peter Trischberger

Cafe & Restaurant Museum, Prinzregentenstr.3

Öffnungszeiten Restaurant: Di – Sa 12.00 – 14.30 und ab 18.00 Uhr im Dezember: So 10.00 – 23.00 Uhr
Öffnungszeiten Café: Di – So 10.00 – 17.00 Uhr

Tel.: 089 452 244 30, www.museum-muenchen.de

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