Gastro-Kritik

MURAL: Ein wunderbares Geschmackserlebnis

Das Restaurant MURAL im MUCA

Das Fine Dining-Restaurant MURAL im MUCA-Museum in der Altstadt bietet hervorragende Küche in außergewöhnlicher Umgebung

Gegenüber der gläsernen Eingangstür bewachen die Schattenrisse von Charly und Snoopy den Notausgang zum Hof. Rechts neben der Schiebetür schaut eine langhalsige Schildkröte unter einem Stars-and-Stripes-Helm eigenartig verkniffen auf die ausgetrunkenen Weinflaschen auf dem schmalen Mauersims herab. Hoch an der Decke schweben monumentale, paradox verschlungene, barbusige Damen mit weißer Fahne über dem gläsernen „Küchenkäfig“. Auf dem „Käfig“ thront eine schrillfarbige Totenkopf-Kuckucksuhr mit hängenden, grellgelben Ratten. Alles ist feinste Street-, Pop- und Urban-Art und wir sind mitten drin: im MURAL nämlich, dem Restaurant und Cafè im MUCA, dem ersten „Museum of Urban and Contemporary Art“ in Deutschland.

Industriecharme und Super-Service

Mit guten Freunden wollen wir uns einen „schönen Abend“ machen und sitzen so zu viert in der kulinarischen Location im ehemaligen Umspannwerk an der Hotterstraße. Im gläsernen „Küchenkäfig“ dampft und quirlt es, die Tische sind kantinenmäßig schlicht, der Betonboden naturbelassen, die Stühle einfach aber bequem, die oben rundumlaufenden Lüftungsrohre makellos aluminiert, die Beleuchtung leicht düster: Industriecharme pur und über allem perlt leise guter, alter Bebop.

Am Abend gibt es hier ausschließlich Menüs von fünf bis sieben Gängen (89/99/129 Euro). 15 Punkte, zwei Mützen haben sich hier die „jungen Köche“ Joshua Leise und Johannes Maria Kneip mit ihrem Team erkämpft und erkocht. Beide haben in Sterneküchen gelernt und gearbeitet und sind hier jetzt gemeinsam für das Abend-Menü-Geschäft verantwortlich. Tagsüber erfreut Matthias Barthelmes auch auf sehr hohem Niveau die Museumbesucher und Mittagsgäste mit kleinen, feinen Gerichten. Das Service-Team trägt sicher ebenfalls seinen Teil zum Erfolg bei: jung, engagiert, lässig aber aufmerksam, leger in Jeans mit einwandfreier Etikette und vor allem den lockeren Umgangston beherrschend, der zwischen aufdringlicher Jovialität und freundlicher Distanz eine gute Gastronomie ausmacht.

Wir einigen uns auf ein Fünfer-Menü, aber einmal bitte den Hauptgang vegetarisch, zweimal mit Lamm und einmal mit Hirschkalb – kein Problem. Der souveräne Service ist unaufdringlich, die Weinkarte umfangreich oder wollt ihr „Sommeliers Choice“? Danke, wir würden gerne selbst mal schauen. Laut Weinkarte stehen hier „…naturnah erzeugte Weine von außergewöhnlichen Winzern im Fokus“ unter der Maxime „EAT LOCAL – DRINK NATURAL“. Das Angebot wird von unserem Weinspezi(alisten) sorgfältig studiert und man einigt sich auf einen sehr guten (nicht ganz günstigen) weißen Battenfeld-Spanier, Großes Gewächs 2016, Am schwarzen Herrgott (Fl. 95) – und um anschließend auch eine vernünftige Fleischbegleitung zu gewährleisten auf einen Roten von Negre de Negres aus dem Priorat (65).

Der Schwarze Herrgott und die Küchenkünstler

Der erste von mehreren Küchengrüßen kommt: „Maronen-Kürbis“, eine Art wonnig-cremige Gemüse-Praline, apart im Töpfchen serviert – sehr fein. Fein war auch unser Aperitiv, ein Ferdinands Quitten-Gin-Tonic (9), wäre da nicht die heftig vorschmeckende Süße des „Monaco-Tonic“ gewesen, den unser ausgewiesener Gin-Fex daraufhin qualitativ als einzigen „kleinen Wermutstropfen“ des ganzen Abends zur „Aperitif-Limonade“ abstufte. Rote Beete als kraftvolles Gelee auf einem festen Joghurt-Spiegel, angerichtet mit rote Beete-Blättchen in den Aggregatzuständen gekocht, getrocknet und frittiert kamen als nächster Küchengruß: erdig, säuerlich, knackig, sehr schön. Mittlerweile ist auch das große Gewächs vom Schwarzen Herrgott im Glas, und „besticht durch eine erwachsene Frucht in Anbetracht seiner Jugend, in Verbindung mit einer fein eingebundenen Säure und Frische“ (so das Fazit des Fachmanns) – ein göttlicher Riesling halt.

Dann kommt der erste Gang: „Stör/Erdinger Garnele/Karotte/Zitrus“ – die festfleischigen Stör-Tranchen werden zuerst mariniert, dann flambiert und kommen so zu einem köstlichen Raucharoma, das mit gepufftem Wiener-Reis (ja ehrlich: Reis aus Österreich!) nochmals aufgepeppt wird – ein wunderbares Geschmackserlebnis. Es folgte noch ein ungewöhnlicher Gemüsegang: „Rosenkohl/ Blumenkohl/Kürbiskern“ – die einzelnen Rosenkohlblättchen zart blanchiert, auf deftig geröstete Blumenkohl-Brösel drappiert und mit einer leider etwas salzigen, sonst aber sehr feinen Kürbiskern-Majo serviert. Auch da konnte unser lieber „schwarzer Herrgott“ immer noch gut mithalten.

Dann kamen „Puntarella/Schweinebauch/Gnocci/VinJaune“ (also sprich: Vulkanspargel oder Spargel-Chicorée), der knackig-kurz angeschmort wird und dessen intensives Bitteraroma mit einer perfekt-süßen Weinsauce schön ausgeglichen wurde. Dazu feinste hausgemachte Gnocchi und kleine Scheiben von paradiesisch-butterzartem Schweinebauch – wir sind alle sehr begeistert. Unser spanischer Rotwein ist mittlerweile auch lang genug beatmet worden und erfreut im Glas mit schönem Granatrot, einer feinen Nase und beglückender priorat-sonniger Trinkfreude.

Rund um uns herrscht spürbar ebenfalls gute Stimmung: Die meisten Tische sind belegt, man kann sich hier bestens unterhalten, eine lockere, unverkrampfte und freundliche Atmosphäre und keinerlei Hektik. Noch eine kleine „Brotzeit“ wird aufgetragen: geröstetes Malzbrot mit fein geschnittenem Onglet-Tartar, Bergkäse und gebratenem Lauch – einfach traumhaft. Der Hauptgang naht: zweimal Lamm, einmal Hirschkalb und einmal vegetarisch – und der schöne Brauch, dem Gast zu erklären, was die Köche so auf den Teller gezaubert haben, wird hier richtig perfekt zelebriert. Nicht ein heruntergeleiertes „So, da haben wir hier dann mal den Hirsch“, sondern genaue Erklärungen zu den Handwerkskünsten der Küche – damit man versteht, was die Küchenkünstler hier mit ihren Top-Produkten alles anstellen: Das macht echt Spaß.

Hirschkalb und Lamm bilderbuchmäßig gebraten, dazu zum Lamm eine grandiose Totentrompeten-Creme und zum Wild ein köstliches Brombeersößchen, die Gemüsebeilage lustvoll penibel, manchmal auch ein bisschen verspielt, immer aber sehr genau gegart und vor allem harmonisch auf das Zusammenspiel des Ganzen ausgerichtet. EAT LOCAL wird hier gelebt und beste Produkte, saisonal und möglichst regional, werden mit großem handwerklichen Können verarbeitet und mit einer ebenso großen Portion Kreativität kombiniert: Wir sind einstimmig begeistert und der immer noch besser werdende Rote tut das Seine in aller trinkfreudigen Stille dazu.

Einen vorzüglichen kleinen Käseteller (12) für zwei und der Nachtisch „Preisselbeere/Kaffee/Karamell“ – ein cremiges Kaffee-Eis mit schön herben Preisselbeeren als pure Früchte und als Gelee – und dann noch als allerletzter Gruß aus der MURAL-Küche fabelhafte Mini-Zimtkrapfen mit Marille machen zum Menü-Ende noch einmal glücklich. Fazit: Unsere kleine Freundesfeier war zwar nicht gerade günstig, aber jeden Euro wert! Denn was steht ganz klein über dem Charly- und Snoopy-Schatten-Graffiti an der Notausgangstür: Stay Weird – bleib verrückt. Mach ma …

Autor: Peter Trischberger

MURAL Restaurant und Tagesbar, Hotterstraße 12
Telefon: 089/23023186 Brunch, Lunch, Tagesbar Mi bis Fr: 11:30 bis 15 Uhr, Wochenende von 10 bis 16 Uhr Dinner Mi bis Sa ab 19 Uhr, www.muralrestaurant.de

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