Gastro-Kritik

Mai Garten: Glänzende Auberginen

Restaurant Mai Garten im Gärtnerplatzviertel

Das Restaurant Mai Garten bietet authentische chinesische Küche im Gärtnerplatzviertel – mal mehr, mal weniger gelungen

Auf Empfehlungen sollte man hören: Nein, die Schweineohren wären nicht so gut wie gekochtes Rindfleisch im Gewürzsud mit Innereien vom Schwein, rät die eher resolute Dame im Service. Wir nehmen trotzdem Ohren. Muss man ja schließlich mal probiert haben. „Und, nicht geschmeckt?“, fragt die Bedienung, mit strengem Blick auf die volle Schale. Wie soll man sagen – die nach Anis und leicht zimtig schmeckenden dünnen Streifen lutschen sich gar nicht schlecht, nur die knorpelige, an Einmachgummis erinnernde Konsistenz ist für europäische Kauer eher gewöhnungsbedürftig - und wo kein Bedarf, da kein Genuss. Zum Glück sind zwei Drittel der Besucher um uns herum Chinesen, deswegen werden wohl auch Schweineohren, -zungen und -mägen hier nicht schlecht. Wir wenden uns derweil ein paar anderen Genüssen der authentischen chinesischen Küche zu, für die das Restaurant und auch der kleine Imbiss in der Au gelobt werden. Der Reihe nach: beim ersten Besuch des ehemaligen japanischen Lokals haben wir für Samstagabend auf Anraten eines Freundes reserviert, zum Glück, das Lokal war gut besucht, vor allem mit Landsleuten des Betreibers Haoqing Wang, im Grunde immer ein gutes Zeichen. Neben den zahlreichen Vertretern der vietnamesischen Küche in dieser Stadt, ist ein neuer Chinese durchaus begrüßenswert. Die Einrichtung ist klar und einfach, wenig Schnickschnack drum herum. Die Karte umfangreich, die Gerichte sind mit Nummern, den chinesischen Namen in Schriftzeichen, in lateinischer Schrift und deutscher Erklärung aufgelistet - sicher ist sicher.

Wunderbare Marinade, eiskalte Splitter

Wir bestellen erst einmal Vorspeisen: Kou Shui Ji, das sind Hähnchenkeulen mit Gurke, Koriander und Erdnüssen (9,90 Euro), Gan Bian Si Ji Dou, gebratene Bohnen mit Sichuan-Pfeffer (10,90) und Rou Jiao, handgemachte Teigtaschen mit Schweinehackfleisch und Chinakohl (10 Stk./8,50). Die Hähnchenkeulen sind halb lauwarm, halb eiskalt und mit dem Beil inklusive Knochen quer in zentimeterbreite Scheiben gehackt, sie liegen auf den unglaublich pikant und ungewöhnlich gewürzten Gurkenstreifen, die Marinade ist einfach wunderbar. Das Problem ist das Hähnchen: vor lauter Sorge, dass man einen der zahlreichen Knochensplitter verschluckt, trübt sich der Genuss merklich ein. Bei einem anderen Besuch war das Hähnchen ebenso rabiat zerteilt aber diesmal nur eiskalt, ohne lauwarm, auf Nachfrage gehört das so – und nicht anders. Die Bohnen waren knackig und mit geröstetem Knoblauch und dem Sichuan-Pfeffer pikant gewürzt, eine nette Beilage - besser ist aber der gebratene und karamellisierte Spitzkohl mit Chili (9,90).

Die Teigtaschen waren relativ geschmacksneutral, dazu wird eine essigsaure Sojasoße gereicht - beides wurde in diversen Dim Sum- und Gyoza-Varianten schon besser gegessen. Nun ging es an die Hauptgerichte: Shi Jin Cai ist ziemlich dezent gewürztes und gebratenes Wok-Gemüse (9,90), wie man es vom Chinesen um die Ecke kennt, das gilt, bis auf den Preis, auch für Jiao Yan Da Xia, gebackene (frittierte) Garnelen mit Sichuan-Pfeffer (17,90). Hong Shao Niu Nan dagegen ist ein scharfer Rindereintopf mit Kartoffeln (13,90), den man so in unserer asienaffinen Runde noch nicht gegessen hat. Ein Potpourri an Gewürzen (Nelken, Zimt, Anis, Sichuan-Pfeffer usw.) verleiht dem chinesischen „Gulasch“ eine ganz besondere Note, absolut empfehlenswert.

Ein fast verbannter Bekannter

Bei Yu Xiang Rou Si, gebratenem Schweinefleisch mit Paprika und Morcheln (12,90) schlich sich mit seinem untrüglichen Haarsprayglanz ein alter Bekannter aus der Entdeckerphase der chinesischen Küche in den Siebziger/Achtziger Jahren wieder auf den Teller: Glutamat. Der verpönte Geschmacksverstärker (wie immer kommt es auf die Dosis an, wenn das Gericht „glänzt“, ist zu viel verwendet worden, auch ein trockener Mund zeugt davon) wurde mittlerweile fast verbannt aus der modernen euro-asiatischen, vor allem vietnamesischen Küche, was auch stolz auf den meisten Speisekarten vermerkt wird. Hier kommt er wohl zum Einsatz: Auch die Auberginen mit Sichuan-Pfeffer, das Rindfleisch mit Spitzpaprika und das gebratene Hühnerfleisch mit Gemüse sahen bei einem Mittagsbesuch schwer danach aus (alle Gerichte um die 7-8 Euro). Empfehlenswert ist hier eine schöne Hühnersuppe mit Nudeln, Fleisch und Gemüse (7,50). Fazit: Die Karte bietet zum Teil ungewöhnliche Gerichte, die wenig Zugeständnisse an den europäischen Gaumen oder das hippe Viertel machen. Das ist gut so, genau wie die eher gemäßigten Preise. Leider ist der Genuss durch die bereits erwähnten Faktoren etwas getrübt – auch wenn’s noch so authentisch sein soll.

Autor: Rainer Germann

Mai Garten, Buttermelcherstraße 5
Tel.: 089 242 111 97, Tägl. 11.30-15/17.30-22.30, Mo:17.30-22.30 Uhr

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