Gastro-Kritik

Ayinger in der Au: Lüsterweiberl und Hopfenliebe

Das Ayinger in der Au am Mariahilfplatz

Ende letzten Jahres hat die neue Dependance des Platzl-Hotels namens Marias Platzl und das Wirtshaus Ayinger in der Au am Mariahilfplatz eröffnet.

Das Hotel „Marias Platzl“ ist nach der Oma von Wiesnwirt Peter Inselkammer benannt, dessen Familienzweig der Inselkammer-Dynastie die Gastro-Unternehmen in München betreibt. Das Bier wird natürlich von der Ayinger-Brauerei bezogen, also vom brauereilichen Inselkammer-Teil (damit alles schön in der Familie bleibt). Deshalb heißt das ebenfalls neue Wirtshaus im Hotel offiziell auch „Ayinger in der Au“ und das Motto „Hopfenliebe“.

Jetzt online reservieren via Bookatable by Michelin

Die frisch renovierte Gaststätte ist optisch durchaus erfreulich geworden: Eine großzügige Schänke hat man als erstes im Blick, mit viel Kupfertresen und Lampen, schönen tiefgrünen Fliesen und einer einsehbaren, imposanten Holzfass-Kühlung. Man läuft auf rustikalen Holzfußböden, massives Wirtshausgestühl steht an den großzügig gestellten Tischen, etwas dunkel beleuchtet von kleinen, alten Porzellan-Lampenschirmen und herrlichen „Lüsterweiberln“ (damit sind die kunstvoll geschnitzten fliegenden Nixen auf Hirschgeweihen gemeint) – an den Wänden ein bisserl an Lüftlmalerei Erinnerndes, großgezogene Fotos von alten Brauereimotiven und ein (ernst gemeintes) mächtiges Kruzifix oben in der Ecke.

Alles in allem sitzt man hier sehr kommod und eine normale Unterhaltung ist auch ohne Geschrei möglich: nix hallt und schallt, sehr angenehm. Reichlich Personal umschwirrt die Gäste – vom tadellosen Geschäftsführer im Anzug über sympathische Kellnerinnen in dezent-feschen Dirndln bis zum eifrigen Hotellehrling und dem souveränen Abendoberkellner in Jeans mit weißem Hemd und Gilet. Alle sind betont freundlich und aufmerksam, ohne dass man das Gefühl hat, der in vielen Münchner gastronomischen Innenstadt- und Touristenetablissements üblichen, brachial aufdringlichen Umsatzorientierung ausgesetzt zu sein. So erfreuen wir uns hier an einem Schnitt vom Lager Hell (ca. 0,33 für 3,20; „weniger geht net“, sagt der Kellner), fein säuberlich aus dem frisch angeschlagenen Holzfass in einen schlanken, modernen „Keferloher“ gezapft.

Wunsch und Wille: Kochen wie Oma Inselkammer

Auf das Essen sind wir sehr gespannt, denn auch hier ist die Oma vom Herrn Inselkammer sinnstiftend: „Bei ihr hat es einfach nach Heimat und authentisch geschmeckt: schlicht, ungeschönt, gut und ursprünglich. So, wie die Münchner Küche nun einmal ist…“).

Wir bestellen Ochsenbackerl (18,50) und Wiener Schnitzel (22,50) und einen Beilagensalat (4,50) extra. Das Wiener Schnitzel kommt in perfekter Panade, ausreichend groß (der Rest wurde freundlichst eingepackt) und mit sehr guten Bratkartoffeln. Der Salat war guter Durchschnitt, allerdings überraschenderweise mit einem Sauerrahm-Dressing angemacht. Das sollte man vorher vielleicht mitteilen – ist nämlich nicht unbedingt jedermanns Sache. Die butterweich geschmorten Ochsenbackerln erfreuten mit einer fein-würzigen Bröselkruste, einer sehr guten Sauce und einem cremigen, gut abgeschmeckten Kartoffelpüree. Die kleinen panierten, optisch sehr akkurat gefertigten Blumenkohlröschen waren dagegen geschmacklich eher irritierend neutral. Und die zwei getrockneten, mitten ins Püree gesteckten Orangenscheiben empfanden wir als etwas sinnfrei. Im Gegensatz zur Nachspeise, einem Lebkuchen-Mousse mit Birnen-Apfel-Kompott (6,90): Auch hier thronten zwei Orangenscheiben im feinen Mousse – diesmal allerdings optisch und geschmacklich passend.

Mittags haben wir dann einmal das „günstige“ Menü probiert: Champignon-Rahmschnitzel mit Spätzle und Salat (9,90, inkl. ein Warmgetränk). Die zwei kleinen, aber ausreichenden Schnitzerl kamen in einer feinen Rahmsauce mit ordentlichen Spätzle – auf die kleinen Schwammerl aus dem Reich der Dosen hätte man allerdings gut verzichten können. Und zur feierabendlichen warmen Brotzeit war da dann noch einmal ein saftiges Fleischpflanzerl mit lauwarmem Kartoffelsalat (12,50) angesagt – tatsächlich wirklich nur eines, aber dafür ein sehr großes und sehr gutes, sagen wir mal eher „Fleischloaberl“ mit einem untadeligen Kartoffelsalat.

Fazit: Guter Service, angenehmes Ambiente und die Küche – bis auf ein paar Untiefen – eigentlich auch ganz ordentlich. Unser Tipp: Beim Kochen einfach öfter mal an die Inselkammer-Oma denken!

Autor: Peter Trischberger

Ayinger in der Au, Mariahilfplatz 4
So. - Do.: 11:30 – 24 Uhr, Fr. und Sa.: 11:30 – 01 Uhr, Küche: 12:00 - 22:30 Uhr, Tel. 089 622 337 3666, www.ayinger-in-der-au.de

Mehr zum Thema

Auch interessant

Gastro-News

Jaadin Grillhouse: Vietnam Cuisine und Cocktails

Jaadin Grillhouse: Vietnam Cuisine und Cocktails

Gastro-Kritik

Der Hirschgarten: Ein königliches Vergnügen

Der Hirschgarten: Ein königliches Vergnügen

Gastro-Kritik

Cafe Luitpold: Anspruch an den Teller

Cafe Luitpold: Anspruch an den Teller

Gastro-Kritik

Fink’s: Funky Canéderli

Fink’s: Funky Canéderli