Gastro-Kritik

Louis Grillroom: Genuss unterm Alten Peter

Louis Grillroom

Am Viktualienmarkt wird im Louis Grillroom im Louis Hotel nicht nur Fleisch bestens zubereitet

Also sprach die Cousine völlig euphorisch beim Blick aus ihrem Fenster im Louis Hotel: „Das ist HERRLICH! Die Zimmer sind extratoll und das ganze Hotel todschick. Und dann auch noch dieser Blick. Ein Traum. Überall diese Kirchtürme. Urig.

Und dahinten – da sieht man ja wirklich die Berge, die echten. Und das da unten ist der Markt? Wie sagt ihr dazu? Viktualienmarkt? Ach ja, putzig, mein Gott. Diese vielen Menschen – alles Einheimische, oder? Mensch habt ihr das schön hier!“

Vom bedächtigen Cousin kam kurz darauf ein ruhiges, mehr aus der Tiefe kommendes: „Prost!“ Da saßen wir dann allerdings schon gemütlich unten, mitten im Biergarten-Gewimmel.

Cousin und Cousine sind gesellige, reiselustige Niederrheiner, einigermaßen gutsituiert (hauptwohnhaft nahe der holländischen Grenze mit mehr oder weniger kleinen, eigenen Nebenwohnsitzen auf Sylt und in der Gegend um Málaga) - Menschen also, die eine gute Unterbringung durchaus zu schätzen und einzuschätzen wissen. Und, naja, nicht unbedingt jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Wobei ich hier als Eingeborener und häufiger Markteinkäufer schon mal anmerken möchte, dass das Rumgranteln und Rumnörgeln an astronomischen Marktpreisen von wegen „Ist da Gold drin?“ und die Sprüche von „Standln als Gelddruckmaschinen“ , die man speziell in „Echt-Münchner-Kreisen“ immer wieder hört, so einfach nicht stimmen. Hier auf diesem Markt bekommt man im wahrsten Sinn einfach alles. Man muss sich halt nur ein bisserl umschauen und nicht gleich beim erstbesten Hochglanz-Obst-Dantler die mit dem Hubschrauber eingeflogenen Kirschen kaufen im Januar und sich dann über den Preis wundern.

Klar gibt es solche Stände und auch solche Ware. Aber eben auch die ganz „normalen“ kleinen Standl, die zu fairen Preisen der Saison entsprechende Produkte häufig aus dem Umland von München verkaufen. Und wo wir gerade dabei sind uns zu echauffieren: Kennen Sie irgendwo einen Markt (wo auch immer) mit einem echten Biergarten, mit echten Kastanienbäumen, der sobald es nicht regnet geöffnet hat? Wo wirklich immer Menschen aus aller Herren-und-Damen-Länder einfach zusammen an einem Biertisch sitzen und meistens irgendwie ins Gespräch kommen, Sprache hin, Sprache her.

Wo man sich seine Brotzeit selbst mitbringen darf ohne blöd angesehen zu werden und Münchner Bier vom Fass ausgeschenkt wird, die Maß für 8,20 Euro. Wo man sich in einem Umkreis von 50 Metern von der Bio-Ochsensemmel über Truthahnschaschlik, Leber- und Kalbskäse, Pferdebratwurst, jegliche Art von Fischsemmel, vegetarische Falafel und Taboulé, Oliven, saure und süße Gurken, sämtliche Käsesorten dieser Welt oder freundlich abgezogene Stockwürste zu Brotzeitzwecken „besorgen“ kann, auch mit schmälerem Geldbeutel (um nur mal eine kleine Auswahl der „Markt-Speisekarte“ zu erwähnen). Besser geht’s kaum noch.

Weiß gedeckte Tische unterm Alten Peter

Cousin und Cousine waren absolut angetan und sind trotzdem wieder in ihre Heimatgefilde zurückgekehrt. Wir haben das Louis-Hotel aber noch einmal besucht - genauer gesagt die Dachterrasse, der sommerliche Platz für den Louis-Grillroom. Die Terrasse ist nicht sehr groß, Reservierung ist also dringend angesagt.

Eigentlich wollten wir das sogenannte Early-Dinner-Spezial (Tagesgericht plus kleiner Wein; 19.50) ausprobieren – leider ist das aber auf der Terrasse nicht verfügbar. Schade, aber gut, wir bleiben trotzdem: Denn der Platz da oben ist sehr eindrucksvoll – man sitzt praktisch unterm Alten Peter an weiß eingedeckten Tischen, gegenüber private Balkone, rundum die roten Altstadtdächer, irgendwie über München schwebend.

Leise Barmusik und eine sehr nette junge Bedienung bringen uns an unseren Tisch. Die Grillroom-Karte ist eindrucksvoll, Drinks von der Hausbar, eine von Preisen und Angebot her sehr üppige Champagner-Karte, eine ebenso fulminante Weinkarte – wir begnügen uns zuerst mal mit einem kalten, stillen Vöslauer Mineralwasser (6,90).

Grillroom, klar, Fleisch ist hier angesagt, etwas für Spezialisten und Liebhaber. Im Moment kommt hier amerikanisches Rindfleisch vom Veredler des Monats „Greater Omaha Packers“ aus Nebraska auf den Rost. „Nur 2% der amerikanischen Rinder erhalten die „Gold Label USDA“ Prime Grade Zertifizierung“ entnehmen wir informativer Weise als blutige Beef-Laien der Karte. Ein Filet, 220 g, 42.-€ oder ein Rib Eye, 330g für 49.- € oder ein Flapsteak, 220 g, 29,00 Euro stehen davon auf der Karte. Aber es gäbe auch bayrisches Rinderfilet von der Metzgerei Klobeck, die ist direkt am Markt nebenan.

Wir entscheiden uns für das amerikanische, wenn schon, denn schon, bitte das Flapsteak (29.-), das laut salopper Auskunft des Servierfräuleins „unten die Bauchlappen sind“ und einmal gegrilltes Steak vom Blumenkohl (15,50) für die Veggie-Begleitung. Als Starter das warme Sauerteigbrot mit Meersalz und Olivenöl (4,50), den Caesar Wild Cale Salat (12,50) und den thailändischen Beef-Salat (15,50), dazu ein kleines Flascherl Verdicchio la Viglie, 2015. (29.-; 0,375l).

Wir erfreuen uns an der Aussicht auf mindestens sechs Kirchen-, Dom- und Rathausuhren, am schönen Glockengeläut vom Alten Peter und sind sozusagen im Münchner Himmel. Der Verdicchio ist gut trinkbar, aber doch etwas überteuert. Das kleine frisch gebackene Brot mit Meersalz und Olivenöl ist nicht gerade sehr einfallsreich, aber einwandfrei Ersthungerstillend.

Der Caesar-Salat war etwas enttäuschend, zwar reichlich Salat, aber zu wenig und nach nichts schmeckendes Dressing, kaum Walnüsse und Äpfel. Der Thaisalat dagegen sehr erfreulich mit feinen Fleischstreifen, asiatisch mariniert und mit einem cremigem Sesam-Dressing.

Das Flapsteak, mit ein bisschen Meersalz, Olivenöl und Zitronensaft (3,50 extra) serviert, war hervorragend, saftig, mit intensivem Fleischgeschmack, grobfaserig, aber trotzdem zart, also auch perfekt gegrillt. Ebenso wunderbar das Blumenkohl-Steak, ein großes Stück quer geschnittener Blumenkohl mit leichten Röstaromen und mit einer orientalisch angehauchten Petersilien-Mandel Salsa, Kichererbsen und Granatapfelkernen – höchsterfreuliche Gemüsekochkunst.

Als wir dann mit dem Lift herunterschwebten und wohl gefüllt über den Viktualienmarkt heimwärts gingen, war man hier immer noch beim Werkeln. Die Standl-Leute müssen ja schließlich noch abbauen, aufräumen, einkühlen, zusperren – ein langer Arbeitstag, bei jedem Wetter. Und im Biergarten klirren noch die Gläser, die schließen erst um 22 Uhr: Viktualienmarkt – wir lieben dich!

Autor: Peter Trischberger

Louis Hotel, Viktualienmarkt 6, 80331 München
Täglich von 17:30 – 23:00 Uhr, 089 411 190 811 1, hello@thelouisgrillroom.com

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