Gastro-Kritik

Der Hirschgarten: Ein königliches Vergnügen

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Königlicher Hirschgarten

Mit dem Frühling beginnt die Biergarten-Saison, auch im Königlichen Hirschgarten locken bayerische Spezialitäten und natürlich bestes Bier.

Wir haben es fast schon geschafft: Die Starkbierzeit haben wir weitgehend ignoriert, die Fastenzeit gottlob fast schon unbeschadet überlebt und das wiesnmäßige Bauma-Verkehrs-Chaos ist auch glücklich und unfallfrei überstanden. Die nervenden Baustellen in allen befahr- und nichtbefahrbaren Stadtteilen Münchens sind zwar geblieben – aber hätte man keine Baustellen, bräuchte man ja auch schließlich keine Bauma.

Wir hoffen jetzt in aller österlichen Ruhe auf einen grinsenden Osterhasen, der unsere Eierlikör-Eier relaxt mit dem Lastenfahrrad vorbeibringt. Und am allermeisten hoffen wir inbrünstig auf schönes, warmes Wetter – und auf dass es dann richtigen, echten Spargel ohne Folie und ohne Plastik gibt (denn da sind wir sehr stur). Vor allem aber hoffen wir, dass wir dann endlich die diesjährige richtig-echte Biergarten-Saison eröffnen können – ohne Decke, ohne Daunenjacke und kalten Hintern. Auf diesen ersten echten Biergarten-Tag, den wir traditionsgemäß im „Königlichen Hirschgarten“ begehen, freuen wir uns jetzt schon wahrlich tierisch.

Gute Erfahrungen der letzten Jahre in großer Runde, ein winterliches Betriebsfest im Wirtshaus innen in kleiner Runde und bereits ein diesjähriger „Schöner-Sonntag-Kurztest“ im Freien (allerdings unter oben genannten erschwerten Bedingungen) lassen uns zuversichtlich darauf schließen, dass wir auch in diesem Jahr nicht enttäuscht werden – und das nach jahrelangen Testreihen in Biergärten wie dem quirligen Chinaturm und seiner ewig schrägen Blasmusik, dem honorigen Aumeister, dem Hofbräu-Keller im Maximilianeums-Schatten, dem Augustiner-Keller mit seinen Edelstoff-Helden, dem unaufgeregt-nachbarschaftlichen Flaucher oder einem der vielen anderen, auch kleineren Biergärten unserer Biergartenherzweltstadt (von der sich sämtliche übrigen Weltstädte in diesem Punkt zumindest nur zu gerne ein Radl abschneiden würden – aber das geht halt dann doch nicht so einfach).

Goldgelbes Augustiner aus dem „Hirschen“ – wunderbar!

Zu verdanken haben wir den Hirschgarten dem guten Kurfürsten Carl Theodor, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach verschiedenen erfolglosen Geschäftsideen wie Hopfenanbau oder Seidenraupen-Zucht seinen Oberjägermeister Freiherr von Waldkirch anwies, einen abgezäunten „Hirschgarten“ anzulegen. “Und weil in dem neuen Tiergarten, wie in den anderen Parks, der Eintritt auch dem gemeinen Volke gestattet war, erfreute er sich regen Besuches ..." heißt es in einer Chronik. Das mit dem regen Besuch gilt auch heute noch – der Hirschgarten ist also auch noch so langer Zeit noch ein echter Volltreffer vom guten Carl Theodor.

Wir lieben den Hirschgarten, weil er trotz all seiner Größe immer noch ein „einfacher“ Biergarten im wahrsten Sinne des Wortes geblieben ist und kein umfunktionierter Gastro-Abfüllungs-Eventpoint. Hier gibt es immer noch das Hirschgehege mit echten Tieren (halt ein bisschen kleiner als damals) – es gibt ein schönes altes Kinderkarussell, einen Spielplatz, eine Eisbude und bei schönem Wetter auch verschiedenste Blasmusik. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sorgt Wirt Johann Eichmeier hier für diese Bodenständigkeit und – unter Berücksichtigung der Größenordnung – auch für eine höchst lobenswerte Küchen- und Brotzeitqualität.

Der größte Teil des Biergartens ist für die übliche Selbstbedienung ausgelegt: An der legendären Schänke Eins wird aus „Hirschen“ (so nennt man die 200-Liter-Holzfässer) ausschließlich einfaches Augustiner Helles gezapft, ausschließlich in Maßkrüge, die man sich selbst ums Eck holen muss und auch wieder selber spülen darf – die Maß Hell oder Radler kostet faire 7,40 Euro. Setzt man sich in den bedienten Bereich und lässt es sich bequem bringen (Danke Ivo!), kostet es 40 Cent mehr. Und auf diese erste frische Maß, die so schön freudig-schaumig eingeschenkt an den Tisch kommen wird, freuen wir uns jetzt schon unsäglich.

Dann werden wir uns traditionell ein halbes Brathendl (Selbstbedienung 7,40; mit Bedienung 8,40) bestellen und wie üblich die Spareribs (11,80 ; 12,80 mit Bedienung) mit einer der wunderbar reschen, großen, innen noch leicht lauwarmen Brezn (3,50 ; 3,80 mit Bedienung) genießen: das Brathendl, nach Petersilie duftend, mit salzig-rescher Haut und knusprigen Flügerln, Arscherl und Haxerl, mit zartem saftigem Fleisch, das sich widerstandslos leicht von den Knochen abfieseln lässt ebenso wie die deftig marinierten, gegrillten Ripperl – sieben bis acht Stück, dick, fleischig, außen mit Röstkruste und innen butterweich – jedes Mal wieder eine echte Biergartenfreude!

Dazu wehen von der Blaskapelle sanft gemütliche Tubatöne herüber, aus der Schenke hört man ruhige, dumpfe Schläge – ein neuer „Hirsch“ wird angeschlagen, Krüge klirren, die nächste Maß kommt, hell, schaumig, goldgelb frisch. Der Himmel strahlt weiß und blau, die Sonne scheint gnädig auf rundherum glückliche Menschen, fröhliche Kinder, schwitzende Kellner – das wird eine schöne Zeit. Wie gesagt – jetzt haben wir es sicher bald geschafft …

Autor: Peter Trischberger

Königlicher Hirschgarten, Hirschgarten 1
Restaurant:10.00 Uhr bis 24 Uhr, Biergarten:11.30 Uhr bis 24.00 Uhr (maximal bis 01:00 h)
089 179 99 119, www.hirschgarten.de

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