Gastro-Kritik

Gasthaus Gartenstadt: Back to the Eighties

Das Gasthaus Gartenstadt

In der Obergiesinger Gartenstadt gibt es gutbürgerliche Küche zu fairen Preisen

In der „Gartenstadt“ in den oberen Gefilden Giesings geht es beschaulich zu: Seit 1931 gibt es hier schon ein Gasthaus – und seit 30 Jahren wird das Lokal bereits von Koch, Metzger und Wirt Karl Stadler und Partnerin Franziska Lell geführt. Eine sehr gepflegte Gaststätte, außen schönes, buntes Blumengestöck, innen das typische, auf Hochglanz polierte Brauereimobilar. Es gib einen großen Saal, wo sich Trachtler und Bezirksausschuss treffen, ein Nebenzimmer mit Tischdecken für die Familientreffen, einen kleinen Wirtsgarten und einen Gastraum ohne viel Brimborium, in dem am Nachmittag selbstverständlich auch gekartelt wird. Die Speisekarte ist für Liebhaber (aller Altersklassen) der bayrisch-internationalen Küche der 1980er Jahre eine Offenbarung: von Currywurst mit Pommes über Schwabenfilettöpfchen mit Spätzle und Hackbraten mit Blaukraut bis zu gerösteten Austernpilzen mit Ei. Aber zugegeben: Ohne die Empfehlung eines alteingesessenen Harlachingers wären wir wohl nicht hier hergekommen.

Fast wie bei der Oma

Bei unserem ersten Besuch an einem Samstagabend ist die Wirtstube trotz Wiesn gut gefüllt mit älteren Herrschaften, Müttern mit Kindern, jungen Pärchen und ganzen Familienverbänden mit Opa und Baby. Wir gewöhnen uns schnell ein bei einem Viertel einwandfreiem Veltliner und einem Blaufränkischen (jeweils 4,20) serviert von einer bayrisch-resolut-freundlichen Bedienung. Wir wählen Wiener Schnitzel vom Kalb (17,90) und (endlich mal wieder!) ein Kalbsherz (14,50) vom Rost und sind ziemlich angetan: Das Schnitzel einwandfrei paniert mit bester Fleischqualität, die Pommes resch und gut, der Beilagensalat knackig frisch. Das perfekte Herz ist in kleinere Stücke aufgeschnitten, schön geröstet, die Bratkartoffeln sind leicht mit Kümmel und Majoran gewürzt – fast wie bei der Oma.

Reichlich gute Sauce

Bei unserem nächsten Besuch an einem Sonntagmittag gibt es eine schön zart-mürbe Rinderroulade (13,50) mit Kartoffelpüree und reichlich guter Sauce und einen Schweinsbraten (10,90) aus magerem Halsgrat mit zwei Kartoffelknödeln und ebenfalls tadelloser Sauce. Das Wetter ist gnädig und wir können noch im fast schon aufgestuhlten Wirtsgarten tafeln. Bei einem Hacker-Pschorr-Weißbier (4,10) kommen wir mit den Nachbarn am gegenüberliegenden Tisch ins Gespräch. Die kommen bereits seit Jahren in die „Gartenstadt“ und wohnen auch schon ewig hier im Viertel. Sie schätzen das verlässliche Angebot, haben Kommunion, Firmung, und Omas 70igsten mit der ganzen Familie hier gefeiert. Und nicht zu vergessen: Der Opa geht hier am Nachmittag regelmäßig zum Karten spielen – so wie es sich eben für ein echtes Wirtshaus gehört!

Autor: Peter Trischberger

Gasthaus Gartenstadt, Naupliastr.2, 81547 München
Mo – Sa 10.00 – 24.00 Uhr, Tel: 089 690 42 88, www.gasthausgartenstadt.de

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