Gastro-Kritik

Cevicheria Pez: Peru grüßt alle Fischliebhaber

Kreation in der Cevicheria Pez

In Schwabing serviert ein kleines gemütliches Lokal Ceviche, das Fisch-Nationalgericht aus Peru.

Das alljährliche Grünkohlessen mit dem berühmt-berüchtigten GK-Freundeskreis steht an und ich habe die ehrenvolle Aufgabe bekommen, mich um die Kartoffeln zu kümmern.

Gleichzeitig ist völlig überraschenderweise wieder mal Redaktionsschluss und ich (zugegeben auch wieder mal) massiv hintendran mit der Fertigstellung meines aktuellen Speisen- und Getränkeberichtes. Also Samstagmorgen zuerst schnell die Kartoffeln besorgen auf dem Viktualienmarkt, dann endlich den Bericht schreiben (die Grafikabteilung drängelt schon leicht, völlig zu Recht….).

Auf dem Viktualienmarkt strahlt die lang ersehnte Frühjahrssonne und die sympathischen Verkäuferinnen vom Lieblings-Obst-Gemüse-Standl Schott strahlen auch – das tun sie aber sowieso immer. „Vier Kilo Bio-Linda, bittschön.“ „Gern, mach ma! Hast du einen Tipp, gibt’s was Neues, mal was anderes?“

Standl-Chef Markus Weyel, gelernter Koch, nebenberuflicher Isarfischer und Gelegenheits-Schafkopfer fragt nach, denn er macht mit seinen Standl-Damen gerne mal kulinarische Exkursionen. Und ja, man hat einen Tipp: „Die „Cevicheria Pez“ könnt‘ euch gefallen!“

Das Geheimnis heißt „Leche de Tigre“

Am nördlichen Ende der Occamstraße, am Rand vom tiefsten Remmidemmi-Schwabing, findet man das kleine, moderne Lokal mit weißen Wänden und ebensolchem Mobiliar, hellen Kajüten-Lichtern und einem gemalten, freundlich blubbernden Riesenfisch als wunderschönem Blickfang.

Den hat ein Berliner Künstler angefertigt, erzählt uns der auskunftsfreudige Barchef und Oberkellner. „Pez“ heißt übrigens Fisch und „Ceviche“ ist das berühmte Fisch-Nationalgericht des Anden-Staates. Schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird hier grätenloses Fischfilet in Stücke geschnitten und in einem Sud aus Zitrussaft (meist Limette) und verschiedenen Kräutern und Gewürzen mariniert. Der Sud heißt bei den Peruanern „Leche de Tigre“ und durch diese säurehaltige „Tigermilch“ verändert sich das Eiweiß im rohen Fischfleisch und gart sozusagen im Kühlschrank.

Das Ergebnis ist genial: Wunderbarer, purer Fischgenuss – frisch, sommerlich, leicht und geschmacklich vielfältig. Grundvoraussetzung ist natürlich hochwertiger, um nicht zu sagen bester Fisch in echter Sushi-Qualität. Dazu kommen ein Riesenangebot von exotischen Früchten und Gemüsen, die es in Peru mit seinen drei Klimazonen von der Küste über das Anden-Hochland bis zum Amazonasgebiet gibt. Und natürlich die einzigartige peruanische Küchentradition mit wesentlichen asiatischen Elementen durch japanische und chinesische Einwanderer.

Mit Pisco Sour an den Titicaca-See

Für einen ersten Überblick haben wir unsere kulinarische Erkundungs-Tour mit einem „Trio de Ceviches“ (29,90) begonnen und waren begeistert! Die drei Schalen (zweimal Lachs, einmal Kabeljau) waren schon optisch kleine Kunstwerke und schmeckten einfach wunderbar: „Clásico“ mit roten Zwiebeln und klassischer „Leche de Tigre“, „Thai“ mit würziger Chili-Tigermilch und Koriander und „Nikkei“ mit feiner Soja-Tigermilch.

Ebenfalls köstlich: „Pulpo en Crema de Cilantro“ als Vorspeise (17,90) – kleine Oktopusstückchen in „Leche d Tigre“ und einer intensiven Koriandercreme. Als schöne Krönung haben wir noch „Arroz con Mariscos“ probiert – mal kein Ceviche-Gericht, sondern eine Art peruanische Paella mit kräuterduftendem Reis, Meeresfrüchten, Fisch und Gemüse (21,90), von der wir ebenfalls mehr als angetan waren.

Dazu mussten wir natürlich das peruanische Nationalgetränk „Pisco Sour“ (10.90) probieren. Der Mix aus Pisco (einem Weintrauben-Schnaps, der im Gegensatz zu Grappa nicht aus Trester, sondern aus Saft gebrannt wird), Limettensaft, frisch geschlagenem Eiweiß und einem Spritzer Angostura-Bitter versetzt einen geradezu schlagartig stimmungsmäßig an den Titicaca-See.

Die gleiche voll entspannende Wirkung hatte beim nächsten Besuch auch der „Chilcano“-Cocktail: Pisco diesmal mit Limette und Ginger-Ale und dazu ein „Mixto“ (19,90), klassisches Ceviche mit Kabeljau, Miesmuscheln, Tintenfisch und Tigermilch.

Als Dessert probierten wir das „Soufflé de Chocolate con Helado de Lúcuma“ (12,90), das sich als sehr gehaltvoller Schokokuchen mit flüssig-warmem Kern und einem Topping aus hausgemachtem Lúcuma-Eis mit feinem Karamellgeschmack entpuppte. Dieses Geschmackserlebnis ließ uns den doch üppigen Preis fast (und auch die 8,90 für ein Tafelwasser) gnädig vergessen.

Ach ja, der Bericht wurde übrigens dann doch noch fertig und auch die Kartoffeln kamen gerade noch rechtzeitig zum Grünkohl nach Hause …

Autor: Peter Trischberger

Cevicheria Pez, Occamstr. 26
Mo.: 12-14:30 / 18-23 Uhr, Di. geschlossen, Mi. - Fr.: 12-14:30 / 18-23 Uhr, Sa. und So.: 17 – 23 Uhr, Tel: 089 829 696 52, www.cevicheria-pez.de

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