Gastro-Kritik

Cafe Luitpold: Anspruch an den Teller

Cafe Luitpold in der Brienner Straße

Ein stimmungsvoller Abend mit französischer Küche aus der Reihe Salon Gastrosophique im Cafe Luitpold

Das Kulturprogramm im Salon Luitpold ist breit gefächert, und reicht von musikalischen Sonntagen mit wechselnden Livebands bis kulinarische Abende der besonderen Art. Die Reihe lädt bei politisch-philosophischen Veranstaltungen zum Diskutieren und Nachdenken ein oder verbindet Wissenschaft mit Kulinarik beim „Science Dinner“ (31.5/1.6).

In der zehnten Ausgabe des Salon Gastrosophique lud Cafe Luitpold-Geschäftsführer und Konditor Dr. Stephan Meier den Autor Peter Peter ein, der sein neues Buch „Vive La Cuisine – Kulturgeschichte der französischen Küche“ bei einem 10-Gänge-Menü mit Wein- und Champagner-Begleitung vorstellte.

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Nach einer herzlichen Begrüßung der zahlreich im prächtig eingedeckten Palmengarten des Cafés erschienen Gäste, legte der Gastrosoph direkt los mit einer kurzen Einführung der wohl in Literatur und Historie am besten dokumentierten Küche der Welt, klärte kurzweilig über Vorzüge („Weltkulturerbe“) und Vorurteile (Luxus-Image, obwohl hier „Nose To Tail“ seinen Ursprung hat) auf und stellte sodann die charmante französische Champagner-Winzerin Valerie Hattat-Decker vor, die ihrerseits den ersten Tropfen des Abends, ein Blanc de Noirs aus Pinot Meunier (Schwarzrießling) präsentierte.

Ein gelungener Start, der ohne Restsüße („Zero Dosage“) sehr gut zum ersten Gang, einer Ziegenkäse-Crème brûlée mit Babyfeldsalat und Himbeere passte. Die drei nächsten Gänge wurde als „Tris“ serviert: eine Zwiebelsuppe 2.0 (die futuristische Bezeichnung erschloss sich außer der Präsentation im kleinen Glas eher weniger) wurde von einem Tartar vom Lachs mit Ratatouille mit Minze und Oliven und einer Lauch-Quiche mit Speckschaum und Creme fraiche flankiert. Alle drei Gerichte für sich waren klassische, bodenständige französische Küche, die Suppe etwas lau, der Rest eher kalt, aber so war das wohl auch gedacht, war die allgemeine Meinung am Tisch.

Peter Peter erklärte Wissenswertes zur Historie der berühmten Suppe, die 1615 erstmals in einem Kochbuch erwähnt wurde, und dass die Bezeichnung „Quiche“ ursprünglich aus dem Deutschen (Lothringen) stammt und in etwa „Küchlein“ heißt. Der dazu gereichte Chenin Blanc Touraine von der Domaine A Deux an der Loire war zwar etwas zu magenfreundlich temperiert, passte aber nicht schlecht, vor allem zum würzigen Ratatouille.

Kunsthandwerk und Sonnenkönig

Zu einem erfrischenden Zwischengang, Mango-Sorbet mit Granatapfelkernen und Minze auf Schaumwein, erzählte der Buchautor von der Veredelung der Spitzenprodukte durch das Kunsthandwerk des Koches, der kulinarischen Avantgarde und traditionellen Rezepturen, von der Festlegung der Menüfolgen und den Tischsitten am Schloss Versailles unter dem Sonnenkönig Ludwig des XIV.

Nun wurden vom freundlichen und professionellen Service die Hauptgänge als Duett aufgetragen: confierte Lotte (Seeteufel-Medaillons) mit Babyspinat, Oliven und Tomaten sowie ein Bœuf à la mode mit Babykarotten und einem Kartoffel-Sellerie-Püree. Leider waren die Gerichte maximal lau, was das Geschmackserlebnis etwas eintrübte, obwohl man mit gutem Willen eine gewisse Finesse der Küche erkennen konnte. Der dazu gereichte Rotwein von der Rhone aus Grenache und Syrah passte zwar zum Boeuf, erschlug aber förmlich den Fisch, zu diesem Duett wäre ein Pinot Noir die bessere Wahl gewesen.

Nach einem gebackenen Brie, der Erinnerungen an die „Käse-Schnitzel“ der Achtziger Jahre in der Verlagskantine aufleben ließ, wie der Kollege gegenüber bemerkte, kam mit der „Luitpold Surprise“, teilweise vom Konditor Dr. Meier persönlich serviert, das Dessert an den Tisch - erneut begleitet von einem Champagner aus dem Hause Hattat-Decker, diesmal ein Rosé aus Chardonnay, Pinot Noir und Meunier. In einer auf einem Gelee drapierten Schokoladenkugel verbarg sich ein Minz-Parfait, das durch angießen heißer Schokolade ans Licht gebracht wurde. War ein bisschen kompliziert zu essen, schmeckte aber richtig gut.

Insgesamt muss man sagen, ein sehr unterhaltsamer Abend - wenn der vom Gastrosophen erwähnte Anspruch an den Teller der französischen Küche auch noch die Temperatur der Hauptgerichte inkludiert hätte, wäre er fast perfekt gewesen. Daran sollte bei größeren Veranstaltungen noch gearbeitet werden, ansonsten muss man der jungen Küche des Café Luitpold und dem Programm viel Lob aussprechen.

Autor: Rainer Germann

Cafe Luitpold, Brienner Str. 11
Tel.: 089 242 875 0, www.cafe-luitpold.de

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