Gastro-Kritik

Bricelta: Kurzurlaub in der Altstadt

Restaurant Bricelta

Das Bricelta im Asamhof ist ein lauschiges Plätzchen mitten in der Stadt

Von einem Geheimtipp kann man bei dieser Passage zwischen Sendlinger- und Kreuzstraße nun wirklich nicht reden – trotzdem laufen Tausende täglich am Asamhof vorbei in Richtung Shoppingmeile Innenstadt. Neben dem Eingang befindet sich die Asam-Kirche genannte St. Johann-Nepomuk-Kirche, für viele ist das Mitte des 18. Jahrhunderts von den Gebrüdern Cosmas und Egid Asam direkt in die Häuserfluchten erbaute, spätbarocke Juwel die schönste Kirche der Stadt. Neben Geschäften und Galerien, Arzt- und Anwaltspraxen sowie wunderschön ruhig gelegenen Wohnungen, gibt es im Asamhof natürlich auch Gastronomie, vorwiegend mediterran mit dem Bricelta und La Vida (gehören zusammen und haben eine ähnliche Karte), dem Italomania (Pizza & Co.) und auch fernöstlich mit dem neueröffneten Maison Yang.

Betritt man den Asamhof an einem spätsommerlich-frühherbstlichen Abend, glaubt man sich wieder in urlaubliche, mediterrane Gefilde versetzt; die weiß angestrahlten Häuserzeilen, große rote Schirme, darunter zwischen den originellen und unterschiedlichen Tischen große Töpfe mit exotischen Pflanzen. Allerlei antikes Sammelsurium und Lampen verströmen ein Flair, wie man es aus Städtchen wie Rovinj in Istrien oder der Kykladen-Insel Amorgos kennt, das Szenario könnte aber auch in Monopoli in Apulien oder Ibiza-Stadt angesiedelt sein.

Restaurant Bricelta

Die Terrasse des portugiesisch-italienischen Café-Restaurants Bricelta erstreckt sich über fast zwanzig Meter, dahinter befindet sich ein ebenfalls im (zum Teil auch pseudo-) antiquarischen Stil eingerichtetes kleines Café und ein etwas größeres Restaurant, viel dunkles Holz, weiterer Krimskrams. Hier scheint nichts zusammenzupassen und genau das ist charmant an dieser Lokalität, im Gegensatz zu der mittlerweile eher total durchgestylten Gastronomie dieser Stadt. Auch die Karte bietet Pasta quer durch den Stiefel, dazu kommen Rouladen mit Bandnudeln, Hähnchen „Stroganoff“ mit Reis oder portugiesische Tapas-Teller – ähnlich eurokontinental ist auch das freundliche Personal.

Vihno Verde und Carbonara

Beim ersten Besuch entschieden wir uns für eine recht gute Lasagne von der Standardkarte, die direkt im tiefen Folklore-Steingutteller aus dem Ofen serviert wurde (9,90). Viel Frucht (Paprika im Sugo?), relativ wenig Fleisch und Bechamel-Soße, eine gelungene Variante. Die Tortellini gefüllt mit Steinpilz-Ricotta-Farce (12,90) waren wohl wie angekündigt hausgemacht und schmeckten nicht schlecht, schade, dass es bei dem gebratenem Pilz-Topping aber nur für braune Champions gereicht hat. Dazu wurde ein weißer Monte Velho (0,2 zu 6,90) getrunken, kein schlechter Wein, aber nicht ganz günstig berechnet. Die bestellte Tiramisu (4,90) war leider aus, gar nicht schlimm, dafür gab es köstliche kleine portugiesische Kuchen aus der für das Tagescafé-Geschäft reichlich bestückten Kuchenvitrine mit Sacher & Co.

Bei einem anderen Besuch wurden endlich die auf einem Nebentisch schon gierig betrachteten Spaghetti Carbonara probiert (11,90), ein nicht zu unterschätzendes Gericht, das man (auswärts) eher selten gut bekommt, hier wurde es aber für recht ordentlich befunden. Die portugiesische Tapas-Platte war eine gemischte Angelegenheit: gut gelungen waren die Kartoffel-Tortilla-Dreiecke, eher mau dagegen die etwas blassen Hühnchen-Schenkel, dazu gesellten sich reichlich Oliven, roher Schinken, Netzmelonenstückchen, Zucchini-Röllchen und Pimientos (19,90 für 2 Pers.). Ein Vihno Verde und roter Monte Velho (6,90) rundeten einen der letzten lauen Sommerabende passend dazu ab.

Auch wenn das Essen zum wirklich lauschigen Ambiente ein bisschen mehr Raffinesse verdient hätte – hier sitzt man auch im Herbst gut geschützt im Asamhof wie im Kurzurlaub in der Altstadt, in den nächsten Wochen aber dann halt eher tagsüber.

Autor: Rainer Germann

Bricelta, Kreuzstr. 3a
Mo bis Sa: 10 bis 24 Uhr, Tel.: 089 232 258 71, www.bricelta.de

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