Gastro-Kritik

Brasserie Thi: Anjou mit Miso

Stilvolles, modernes Ambiente: Brasserie Thi
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Stilvolles, modernes Ambiente: Brasserie Thi

Im ehemaligen Gesellschaftsraum ist nun die französische Brasserie Thi eingezogen.

Letztes Jahr im Juni war es soweit: Bernd Arold schloss nach sechs Jahren am Standort Bräuhausstraße seinen Gesellschaftsraum, Corona-bedingt, wie so viele andere auch. Nun haben Vu Nguyen, Betreiber des vietnamesischen Restaurants Ti Vu in der Rumfordstraße und sein Restaurantleiter Martin Zieglmeier die Lokalität übernommen und dort die Brasserie Thi eröffnet. Man könnte über eine koloniale Symbiose im positiven Sinn sprechen: Während im TiVu traditionelle vietnamesische Küche in zeitgemäßer Präsentation auf den Tisch kommt, wird in der Brasserie Thi überwiegend klassische französische Küche in moderner Interpretation mit asiatischen Noten serviert. Dazu gesellt sich eine Weinkarte, die Martin Zieglmeier mit großer Fachkenntnis zusammengestellt hat, und die vor allem im französischen Bereich, mit Hauptaugenmerk Burgund, auch einiges zu bieten hat. Doch der Reihe nach.

Französische Klassiker mit asiatischer Finesse

Das Restaurant wurde von Grund auf renoviert und hat bis auf den Namen recht wenig mit einer herkömmlichen Brasserie, sprich einem „Bierlokal“ zu tun. Modische Lampen, dezente Farben in beige, hellgrau, braun, schwarzes Leder und hinter der Bar eine Marmorwand; das Interieur könnte auch ein modernes Boutique-Hotel zieren, hier schaut es schwer nach Fine Dining aus und damit liegt man auch schon richtig, trotz aller Tradition. Die Karte versammelt Klassiker der französischen Küche, wie Boeuf Bourguignon mit Miso-Kartoffelpüree (27), ein veganes Ratatouille (17), eine aromatisierte Fischsuppe (24) aus Hummerkarkassen, Zitronengras und Limettenblätter, die mit Tomatenessenz und Safran-Aioli serviert wird und natürlich das obligatorische Entrecôte (36) mit Pfifferlingen und Sellerie; fast überall verspricht die Karte zusätzliche Finesse aus der asiatischen Küche, das macht neugierig.

Urtomaten und zarter Fisch

Bei einem Besuch zur Mittagszeit konnte man zwei Gerichte aus der Standard-, und Abendkarte sowie einen Wildkräutersalat mit Violette-Kartoffeln und French Dressing (13) und eine „Pasta du jour“ (9,90) wählen. Die Urtomaten, vier verschieden Sorten, alle wunderbar geschmackintensiv und der Mozzarella di Buffala (13,50) waren purer Genuss im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Tagespasta handelte es sich um Penne in etwas Tomatensoße mit „Rinderfetzen und Auberginen und reichlich Parmesan – insgesamt hat das Gericht sehr ordentlich geschmeckt, leider waren die Auberginen-Stücke etwas zu groß geschnitten. Der Heilbutt (25,50) wurde perfekt auf den Punkt gegart (bzw. confiert) und in einer Gurkensoße mit kleinen Gurkenröllchen, Radieschen und einer Miso-Creme serviert. Ein sehr feines, fast schon zartes Gericht, die leichte Soße sehr gut auf den Fisch abgestimmt, die Miso-Creme verleiht etwas Pfiff, die Radieschen schauen zwar schön aus, trüben aber durch ihre etwas rustikale Schärfe fast etwas den wunderbaren Geschmack. Ein bisschen Brot musste als Sättigungsbeilage nachgeordert werden, sollte man besser einfach so dazu reichen.

Illustre Posten aus Burgund

Zum Wein: Auf Empfehlung wurde ein Clos Bel Air vom Weingut Les Terres Blanches an der Loire zum stolzen Preis von 13,50 Euro das Glas eingeschenkt – und es hat sich gelohnt. Der Chenin Blanc, der von den Freunden Philippe, Serge, Samy, Luc und Benoit in der Appellation Anjou gekeltert wird, ist komplexer Genuss, der den Weinfreund länger beschäftigt. Hier treffen diverse Kräuter und Obst-Töne auf markante Sherry- und Honignoten. Zur Pasta wurde ein Spätburgunder „Bassgeige“ 2019 aus Baden von Franz Keller (8,50) empfohlen, ebenfalls eine gute Wahl. Vor allem die Nase konnte bei diesem deutschen Pinot Noir stark überzeugen, am Gaumen war der Wein vielleicht noch etwa jung. Wie gesagt, Martin Zieglmeier versteht sein Handwerk, der Keller der Brasserie hält eine Menge großartiger Etiketten bereit, darunter illustre Namen aus Burgund wie Marquis d‘Angerville, Ramonet, Leflaive, Sauzet, A.F. Gros, Amiot oder Rousseau, aber durchaus auch bezahlbare deutsche Tropfen von Keller, Dr. Loosen oder Fürst.

Fazit: Ein schönes Lokal, gelungene Küche, tolle Weine, guter Service – das Ganze hat natürlich seinen Preis, aber wer sich endlich mal wieder einen französischen Abend mit Stil und ein bisschen asiatischer Finesse gönnen möchte, der ist hier goldrichtig.

Brasserie Thi, Bräuhausstraße 8
Mo-Fr: 12 bis 22 Uhr, Sa: 14 bis 22 Uhr; Tel.: 089 599 988 67; www.brasserie-thi.de

Autor: Rainer Germann

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