Gastro-Kritik

DeVita Foodstore: Das Leben schmeckt besser

Daniel und Anna-Elena De Vita in ihrem Bistro und Foodstore
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Daniel und Anna-Elena De Vita in ihrem Bistro und Foodstore

Im kleinen Bistro DeVita wird hervorragend mediterran gekocht - dazu gesellt sich eine kleine, feine Auswahl an Feinkost zum Mitnehmen 

Daniel De Vita ist Koch aus Leidenschaft. Der in Vallo della Lucania in Salerno gebürtige Italiener hat in Paris gelernt und in Frankreich, Spanien und Italien in besten, zum Teil mit Michelin-Sternen prämierten Häusern gearbeitet. Wie zum Beispiel bei Carlo Cracco in Mailand oder im Caelis, Sterne-Restaurant des Hotels Ohla in Barcelona. Hier schlug das Schicksal zu und er traf seine zukünftige Frau, die Münchnerin Anne-Elena, die es als gelernte Hotelfachfrau nach Stationen bei Heinz Winkler in Aschau und auf Mallorca ebenfalls in die katalanische Metropole verschlagen hat. Nach der Geburt der Tochter beschloss das Paar, das sich bis heute auf Spanisch unterhält, nach München über- beziehungsweise zurück zu siedeln. In einer ehemaligen Schmuckwerkstatt im Glockenbachviertel war schon bald eine zukünftige gemeinsame Wirkungsstätte gefunden und nach aufwendigem Innenausbau wurde im Frühjahr das DeVita eröffnet. Mit einer Mischung aus Lebensmittel- bzw. Feinkostladen, Tagescafé und kleinem Bistro erfüllten sich die De Vitas ihren Traum und die eigene Vorstellung eines Gastronomiebetriebes.

Vom Chiemgau bis nach Barcelona

Im Mittelpunkt steht eine überwiegend mediterrane Küche, die mit saisonalen, wenn möglich regionalen und nachhaltigen Produkten zubereitet wird. Wie der berufliche Werdegang führt auch der kulinarische Weg vom Chiemgau über Italien und Frankreich bis nach Marbella und Barcelona – der Blick über den Tellerrand ist ein Konzept des Hauses, das Produkt steht ganz klar im Mittelpunkt, erklärt Daniel. Ein Lokal für alle Leute hat er im Sinn, mitten im Leben und nicht irgendwo im Orbit. Sterneküche würde für ihn nicht mehr in Frage kommen, 16 Stunden-Schichten und Ton und Disziplin wie beim Militär ebenso wenig. Im Covid-Lockdown hatte er genügend Zeit über ein neues Lebensmodell als Koch nachzudenken – zum Glück für die Gäste, kann man da nur sagen. Mit der üblichen Münchner Bistroküche, und ist sie auch noch so bio, nachhaltig, gesund und angesagt, hat das DeVita wenig gemein: hier wird definitiv auf einem anderen Level gekocht. Würde das Bistro abends geöffnet sein, würde man den De Vitas wohl schon bald die Bude einrennen.

Raffiniert oder einfach – immer auf hohem Niveau

Aber der Reihe nach: Die Vitrine bietet eine Auswahl an wunderbar belegten Focacce, Tortillas, gefüllten Rondini (Zucchini) und Quiche, auf der Tagestafel versammeln sich kleine und größere Gerichte wie Büffelmozzarella mit Pesto, Tomaten und Kräutern (8,30), ein Sommerteller mit mariniertem und gebratenem Gemüse (11,50) oder auch herzhaftere Speisen. Als Auftakt gab es Paccheri Amatriciana (11,50) mit dem berühmten Backenspeck Guanciale, roten Zwiebeln, Oliven, Kirschtomaten, selbstgemachtem Passata di pomodoro und Schnittlauch (wegen der Frische!) – beste Cucina rusticale sozusagen, hier könnten sich wieder mal so einige hochpreisige italienische Lokalitäten in München etwas abschauen. Und es geht noch besser: als Fleischgericht (14,50) wurden Medaillons vom Tölzer Lamm (Hofmetzgerei Fischer) mit kleinen Ofenkartoffel-Schnitzen in der Schale sowie geschmorte, in Essig marinierte kleine Zwiebeln, Tomaten und Lammjus angeboten. Daniel erklärt, das Lamm (Hals) wird 36 Stunden bei 55 Grad Sous-vide gegart, danach vom Knochen gelöst und gezupft. Daraus werden kleine Medaillons geformt und diese wieder kurz angebraten. Ganz ehrlich, hier schmeckt und sieht man Daniels Ausbildung und Handwerk – der wunderbar angerichtete Teller würde auch in jedem besseren Fine Dining-Restaurant der Stadt für Begeisterung sorgen. Zur Sicherheit wurde noch eine Lemon Tarte (5,50) gekostet mit dem gleichen Ergebnis: großer Genuss auf hohem Niveau.

Eine Alkoholausschank-Lizenz ist in Arbeit bzw. auf dem Weg durch die Instanzen, derweil ist eine Auswahl an italienischen, spanischen, deutschen und österreichischen Weinen zum Außerhausverkauf und 0,1 zum Probieren verfügbar. Das gilt auch für ein kleines Sortiment an Feinkost und Lebensmitteln, zum Teil frisch vom Großmarkt wie aktuell Pfifferlinge, Steinpilze und bunte Tomaten oder selbstgemacht bzw. importiert wie Passata, Kapern und Olivenöl.

Fazit: Der DeVita Foodstore, wie der kleine Laden genannt wird, ist eine Entdeckung, die sich rumsprechen wird. Denn hier stimmt einfach alles: Geschmack, Zubereitung, Qualität und Service. Selten in letzter Zeit mittags so gut gegessen - dazu kommt die Leidenschaft, mit der Anna-Elena und Daniel DeVita hier in Küche und am Gast agieren.

DeVita Foodstore, Holzstraße 27
Mo-Fr: 8 bis 19 Uhr/Sa: 9 bis 16 Uhr (auch Brunch)
Tel.: 0160 74 40 976; www.devita-foodstore.com

Autor: Rainer Germann

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