Ortsgespräch

Fabian Rauecker und Stefan Schröder: „Eis macht glücklich“

Fabian Rauecker und Stefan Schröder

Die Unterhaltungsreeder auf neuem Kurs: Weil das Konzert-Veranstalten aktuell kaum geht, haben Fabian Rauecker und Stefan Schröder eine Eisdiele eröffnet. Coole Idee: Was genau dahinter steckt...

Eis-Schlecken scheint eine der ersten, verlässlichsten und wichtigsten Ablenkungen gegen den Corona-Frust zu sein. Wie kamen Sie denn auf die Idee, selbst Eis-Unternehmer, Entschuldigung Eis-Reeder, zu werden?
Stefan Schröder: Um ehrlich zu sein, gab es die Idee schon letzten Sommer, als wir mit unserem Büro umgezogen sind. In unserem alten Büro gab es fußläufig gute Eisdielen, in unserem neuem Büro gibt’s dafür mehr Platz. Und was eine ehemaliger Schuhladen kann - können wir auch ;-) Die Corona Krise hat das ganze leider erst etwas ausgebremst … und am Ende dafür beschleunigt, da wir ja aktuell weniger Zeit mit der Organisation von Konzerten zu tun haben.

Bei Matrosen denkt man an Kautabak und die Buddel: Wer von Ihnen beiden ist eigentlich der größere Eis-Seebär, und wie steht's um den Lieblingsgeschmack?
Stefan Schröder: Man kann den Begriff des Matrosen vielleicht auch in Richtung Pirat oder Südsee spinnen und nicht nur an den Öltanker denken, dann kommt man geschmacklich schon eher in Richtung Mango, Maracuja, Kokos, aber auch die Klassiker wie Schokolade und Vanille haben Ihren Ursprung ja eher in wärmern Gewässern.

Fabian Rauecker: Wir nehmen uns da gegenseitig nicht viel, was den Eigenkonsum angeht. Ich wurde von meinem Vater als Kind immer ins alte Café Venezia auf der Leopoldstraße geschleppt. Und da gab es halt immer die Klassiker: Schokolade, Vanille & Zitrone, daher durften die Sorten hier bei uns in der/die/das ReederEis natürlich nicht fehlen. Aktueller Favorit ist aber unser Ingwer-Sorbet!

Nicht lange reden, einfach mal machen: Woher nehmen Sie eigentlich die Energie, mit der Sie immer wieder neu in See stechen, wenn andere ängstlich im Hafen bleiben?
Stefan: Um mal beim aktuellen Thema zu bleiben: Wer zu lange wartet, dem schmilzt die Kugel Eis vor der Nase weg. Und das wollen wir nicht. Anderseits kann so eine Kugel Eis und ein Espresso schon Energie verleihen :-)

Fabian: Im Grunde haben wir das die meiste Zeit so gemacht. Die Eisdielen-Idee war schon länger vorhanden, und jetzt hat es sich einfach angeboten. Mit der Eisdiele ist es ein bisschen wie mit der Aktion Kulturretter - da konnte uns auch keiner sagen, ob das Sinn macht oder funktioniert. Herausfinden kann man es aber nur, wenn man es macht. Und Eis-Verkaufen macht auf jeden Fall mehr Spaß, als Anträge zu schreiben.

Zuletzt haben Sie ja tatsächlich mit den Kulturretter-Konzerten und -Auftritten fast im Alleingang die Sichtbarkeit der Münchner Szene im Sturmwind aufrechterhalten. Geht es trotzdem mit diesen Aktionen weiter?
Stefan: Die Aktion läuft noch. Allerdings nicht mehr täglich, sondern es gibt „nur“ noch alle 7 oder 14 Tage einen Stream. Wir haben das Programm der Plattform über den Sommer an Clubs und Festivals abgegeben. Schauen wir mal, wie der Herbst so wird. Wir arbeiten an einer erweiterten Version des Streamings mit. Sobald das funktionsfähig ist, werden wir Euch davon erzählen.

Was die Kulturrettung geleistet hat, war schwer beeindruckend. Worin lagen denn die größten Schwierigkeiten und Herausforderungen?
Stefan: Darin, dass wir keine Ahnung von Konzertfilmen und Livestreaming haben. Alles war parallel und sehr hektisch, da keiner so genau wusste, was man darf und was nicht. Und wir haben in einem Team gearbeitet, das in der Konstellation noch nicht zusammengearbeitet hatte. Fabian: Vor allem das Technische, wie Stefan schon gesagt hat. Und am Ende dann auch die Unterstützer davon zu überzeugen, dass es wichtig war. Und weiterhin ist die Kultur zu unterstützen, wo es nur geht. Daher war die Freude auch umso größer, so positives Feedback von vielen Seiten zu bekommen.

Der Gemeinschaftsgeist unter Veranstaltern, Club-Betreibern und Kreativen scheint weiterhin noch stark zu sein. Gemeinsam versucht man, sich politisch Gehör zu verschaffen. Wie groß sind Ihre Hoffnungen, dass vielleicht ab Herbst der Konzert-Betrieb wieder ordentlich in Schwung kommt?
Stefan: Das Problem der Kulturbranche ist, dass wir aus vielen kleinen Einzelkämpfern bestehen und es bis jetzt keine Lobby wie in anderen Industriezweigen gibt, die sich mit einer Stimme an die Politik wendet. Aber es gibt gerade gute Aktionen und Initiativen, die an diesem Problem arbeiten. Ich befürchte, dass wir bis Ende des Jahres keine Konzerte veranstalten werden.

Verraten Sie doch mal ein Matrosen-Geheimnis: Wie hält man eigentlich Künstler und Geschäftspartner in harten Zeiten einigermaßen über Wasser und selbst den Kopf hoch?
Stefan: Eis essen und Cafe trinken … vielleicht auch mal eine gratis Kugel spendieren und mit neuen Ideen zusammenarbeiten. Wir haben natürlich bei den Kulturretter-Streams versucht, unsere Partnerfirmen einzubinden oder Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten. Ich bin mir sicher, man wird auch im UnterhaltungsreederEis das eine oder andere Gesicht sehen, das eigentlich auf oder hinter der Bühne arbeitet. Denn wir werden nur gemeinsam durch diese stürmische Zeit segeln.

Fabian: Wir als Einzelpersonen bzw. als Reederei-Matrosen können an der aktuellen Situation nichts ändern. Aber wir können versuchen, das Beste daraus zu machen. Kopf in den Sand stecken hilft ja auch nichts. Alles Negative hat auch etwas Positives - das haben wir jetzt an den Kulturrettern gesehen, und das sehen wir auch an den ersten Tagen der Eisdiele. Mit Kleinigkeiten wie einer Kugel Eis kann man viele Leute glücklich machen. Und das ist am Ende dann fast vergleichbar mit glücklichen Konzertbesuchern. Die strahlenden Augen von Kindern mit ihrem Eis in der Hand sind fast so wie die glücklichen Augen von Fans in der ersten Reihe bei Konzerten. Nur weil das eine aktuell nicht geht, wollen wir nicht komplett darauf verzichten, möglichst vielen Leuten einen schönen Moment zu bescheren.

Letzte Frage, bisschen haarige Angelegenheit: Sie haben bei Unterhaltungsreederei Eis eine besonders schmucken Meerjungfrau im Logo. Wie verhindert man eigentlich, dass Ihr leckeres Eis im Bart hängen bleibt?
Stefan: Das haben wir leider noch nicht rausgefunden. Aber Probieren geht über Studieren.

Fabian: Und für die, denen der Bart im Weg ist: Wir haben auch Becher und Löffel! Wir kümmern uns um jeden Rauschebart!

Interview: Rupert Sommer

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