Spezialitäten

Bayerischer Tofu und schwäbische Linsen

Sabine Köhl verkauft in Satt & Gut regionale Grundnahrungsmittel auf dem Viktualienmarkt
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Sabine Köhl verkauft in Satt & Gut regionale Grundnahrungsmittel auf dem Viktualienmarkt

Mit ihrem kleinen Laden satt & gut hat Sabine Köhl eine Lücke zwischen Geflügel- und Rossmetzger am Viktualienmarkt gefunden 

Der Name soll Programm sein: regionale Grundnahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Speiseöl, Nudeln, Kerne, Saaten, Bier, Tofu, Eier usw. sind bei Sabine Köhl im Angebot, die seit März ihren kleinen Laden in einer ehemaligen Wildmetzgerei betreibt. Die ist umgezogen und hat Platz für den „Exoten“ gemacht – so fühlt sich die in Köln geborene, seit 30 Jahren in München wohnende Frau, deren Angebot so gar nichts mit Fleisch zu tun hat.

Das Sortiment ist neu auf dem Markt, viele Sachen gab es bislang nicht, sagt Sabine Köhl, die eigentlich aus dem Bereich Finanzdienstleistungen und Unternehmensmarketing kommt. Ihre Skills als Lebensmittelverkäuferin hat sie sich in einem Nebenjob an der „Sauren Ecke“ am Viktualienmarkt erarbeitet, hier wurde verstärkt nach Linsen gefragt und schon war die Idee zu regionalen Grundnahrungsmitteln und einem eigenen kleinen Laden geboren. Die Linsen legen auch den weitesten Weg aus Schwaben zurück, bis sie bei satt & gut im Regal stehen und die Packung erzählt die Geschichte der Hülsenfrucht: in den 1930er Jahre züchtete Fritz Späth auf der Schwäbischen Alb diese Sorte, in den Sechziger Jahren verschwanden die Linsen aus dem Anbaugebiet. Zum Glück wurden die Samen in der St. Petersburger Saatgutbank gespeichert, 2006 wiederentdeckt und werden seit 2011 als Alb-Leisa wieder verkauft.

Quinoa von der Münchner Schotterebene

So geht es weiter im Sortiment, das wirklich interessante Produkte im Programm hat: Tofu und Miso-Paste aus Bayern, „bayerischer Reis“ aus Perl-Dinkel und Perl-Emmer, Urkorn-Risotto mit Steinpilzen von Chiemgaukorn sowie Ketchup aus dem Chiemgau und Quinoa direkt aus München - der Boden der Münchner Schotterebene ist reich an Mineralien wie Calcium und Magnesium, durch die gute Durchwurzelbarkeit und die schnelle Erwärmung des Bodens im Frühjahr ist dieser optimal für den Kartoffel- und Quinoa-Anbau geeignet, weiß die Münchner Bauern Genossenschaft, von dieser bezieht Köhl u.a. ihr „bayerisches Superfood“. Insgesamt etwa 10 verschieden Produzenten, überwiegend „Bio“ hat sie im Programm, alle kennt sie persönlich und hat sich die Produktion vor Ort angesehen. Vertrauen sei notwendig in dieser Branche, ein wichtiger Faktor ist die Kundenberatung, die ihr auch sichtlich Spaß macht.

Keine Weltreise für gute Lebensmittel

Viele Kunden kommen als Selbstabfüller, mehrere Spender mit Beluga-Linsen, Grünkern, Kichererbsen, Hirse, Haferflocken oder eben dem „bayerischen Reis“ und Quinoa stillen auch die Bedürfnisse der Generation „Fridays For Future“, freut sich Sabine Köhl. Und: Für gute Lebensmittel müsse man keine Weltreise machen. Ein kleiner Imbiss liegt ihr ebenfalls am Herzen, dafür verwendet sie die Produkte aus dem Laden und zaubert daraus in einer winzigen Küche zum Beispiel Hirsesalat, Quinoa, Linsensalat etc. Jetzt im Herbst werden auch Suppen und Eintöpfe dazukommen – auf jeden Fall ist das eine schöne und gesunde Bereicherung zu Leberkässemmel und Bratwurst für alle Marktbesucher. Dazu ein Schluck mehrmals wöchentlich kontrolliertes Münchner Brunnenwasser – das füllt Sabine Köhl in Flaschen ab und verkauft es ebenfalls.

Satt & gut, Viktualienmarkt, Abteilung V
Di-Fr: 10 bis 18 Uhr/Sa: 9.30 bis 16 Uhr
Tel: 0151 169 802 22; www.satt-und-gut.de

Autor: Rainer Germann

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