Kommentar

Rein ins Wirtshaus!

Corona-Sperrstunde erhitzt die Gemüter
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Die Corona-Sperrstunde erhitzt die Gemüter

Nach dem Aus für das Beherbergungsverbot sollte auch die Sperrstunde um 22 Uhr wieder aufgehoben werden. Ein Kommentar von Rainer Germann

Dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wieder einen Sonderweg einschlagen wird, haben wohl alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten samt Kanzlerin schon am Mittwochabend geglaubt oder befürchtet. Und klar, am Donnerstag (15.10.) um 14 Uhr wurde bei der Pressekonferenz im Beisein eines recht blassen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger die Einführung der „Corona-Ampel Bayern“ verkündet, strengere Regelungen als der Bundesbeschluss, natürlich zum Besten des bayerischen Volkes, die auch im Sinne der Kanzlerin gewesen wären, so Söder, aber leider keine breite Zustimmung bei den Kolleg*innen fand.

Mehr Maske, mehr Abstand, weniger Kontakte – alles nachvollziehbar bei alarmierend steigenden Infektionszahlen hierzulande und Schreckensszenarien aus dem europäischen Umland. Das bayerische „Team Umsicht und Vorsicht“ hätte sich auch im Bund weitgehend durchgesetzt, erklärte Söder stolz auf der Pressekonferenz, die beschworene Solidarität mit den Verantwortlichen in anderen Bundesländer und Städten, klingt anders. Wieder einmal prescht Söder vor, möchte „vor die Welle“ kommen, ein von ihm oft bemühtes Bild, um eine größere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Dabei wird gewarnt und gemahnt, werden ausländische Horrorszenarien geschildert und Drohungen angedeutet.

So wurde das von Oberbürgermeister Dieter Reiter in der Nacht vom Mittwoch, den 15. Oktober, verhängte Alkoholverkaufsverbot in der Gastronomie ab 22 Uhr nochmal von der Bayerischen Staatsregierung überholt: ab einem Inzidenzwert von 50 (München liegt mit 60,7 laut RKI, Stand 16.10., darüber) soll nach dem Ampelsystem für Gastronomiebetriebe nun ab 22 Uhr eine Sperrstunde gelten (bundesweit 23 Uhr).

Es ist müßig erneut aufzuführen, was das für die Wirte, Betreiber, Personal und Zulieferer bedeutet – das Wort „Katastrophe“ nach diesem eh schon schlechten Jahr ist nicht übertrieben. Nur der von Söder viel beschworene „Lockdown“ könnte auch diese noch toppen. Deshalb gilt es die neu beschlossenen Regeln zu befolgen, damit dieser verhindert werden kann, so der Ministerpräsident.

Ausgetrunken im Fraunhofer

Das Verwaltungsgericht München wies am Donnerstag (15.10.) schon mal die Eilanträge zweier Restaurants gegen die entsprechende Allgemeinverfügung des Alkoholabgabeverbots ab 22 Uhr zurück.

Da es aber keine verbindlichen Aussagen über Ansteckungen mit Covid-19 in der Gastronomie trotz aufwendigster Hygienekonzepte gibt und noch weniger eine Erhebung um den Anstieg ab 22 Uhr, bleibt eigentlich nur eine Erkenntnis: In dem Fall der Sperrstunde ist hier wohl purer Aktionismus am Werk. Warum?

Das Beherbergungsverbot wurde nun auch in Bayern u.a. gekippt, weil es allein schon aus Nachverfolgungsgründen, Hygienekonzepten und kontrollierten Kontakten eben viel sicherer ist in der Hotellerie zu übernachten, als in privaten Haushalten. Dasselbe gilt für die Gastronomie: natürlich sind hier Nachverfolgung durch Registrierung, kontrollierter Alkoholgenuss und Hygienekonzepte bereits gegeben – alles Faktoren, die bei privaten Partys, die zweifellos mangels Alternativen wie öffentliche Plätze (Alkoholverbot), geschlossenen Clubs und Bars, stattfinden werden, nicht zum Tragen kommen.

Um diese unkontrollierten privaten Feiern/Partys, und damit sind nicht die von Söder als „mit die größten Ansteckungsgefahrenquellen „Hochzeiten, Beerdigungen und Geburtstage“ gemeint, zu verhindern, kann es nur heißen: Rein in die Wirtshäuser, Restaurants und Bars. Einfach die Profis machen lassen, die seit Monaten mit den Corona-Regularien zu tun haben und diese mehrheitlich auch befolgen, und nicht das Feld einem Heer von feierwütigen „Amateuren“ überlassen, die nicht mehr wissen: wohin. Denn eins steht fest: Auch, und vielleicht auch vor allem, in schwierigen Zeiten werden Menschen feiern und trinken. Fakt.

Wie ein Ministerpräsident in derselben Pressekonferenz verkünden kann, dass mit die größte Gefahr von privaten Feiern ausgehen würde und gleichzeitig eine Sperrstunde verhängt, die die Menschen und das „enthemmende Mittel Alkohol“ in diese praktisch unkontrolliert drängt, ist nicht nur für Gastronomen schwer nachvollziehbar. Es bleibt abzuwarten, wie die Kontrolle der auf fünf Personen (oder zwei Haushalte) nach der „Corona-Ampel Bayern“ beschränkten Feiern stattfinden soll. Und mit welchen Mitteln.

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