Fleisch-Alternative

Greenforce: Die Power der Erbse 

Ein Mann mit Visionen: Thomas Isermann präsentiert seinen Greenforce Burger
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Ein Mann mit Visionen: Thomas Isermann präsentiert seinen Greenforce Burger

Das Food-Start-Up Greenforce möchte mit seinen Produkten die Lebensmittelbranche revolutionieren. Wir haben sie getestet!

Thomas Isermann schaut morgens um acht bei unserem Treffen im Straßencafé auf der Fraunhoferstraße aus, als wäre er gerade über die Reling seiner Segeljacht in Portofino gehüpft und nicht wie der Mann aus dem Ökoladen um die Ecke – ein strahlendes Lächeln auf den Lippen, lässt sich der gutaussehende blonde Mann im besten Alter, hellblauem Hemd und beiger Chino ein Croissant mit Cappuccino schmecken und überreicht einen Stoffbeutel mit einer Food-Revolution. Oder zumindest mit einer der Lösungen vieler Probleme, was die Ernährung der Zukunft betrifft.

Sein 2020 gegründetes Start-up Greenforce hat es sich nach eigener Aussage zur Aufgabe gemacht, die Proteinversorgung der nachfolgenden Generationen zu sichern, da die Menschheit in Zukunft nicht mehr mit Proteinen aus Fisch und Fleisch ernährt werden kann. Mit den Greenforce-Produkten soll jedem eine gesunde und nachhaltige Lebensweise durch pflanzenbasierte Lebensmittel ermöglicht werden. Das ist schon mal eine Ansage, aber wie soll das gehen?

Aus Pulver wird Burger

Das Geheimnis: Pflanzenfleisch zum Selbstmixen aus Erbsenprotein. Ganz ohne Soja, unnötige Zusatzstoffe und schnell in der Zubereitung. Und 100 Prozent nachhaltig. In wenigen Schritten kann man aus einem Pulver eine leckere Frikadelle, Fisch-Frikadelle, einen Burger oder ein Hack-Gericht à la Bolognese zaubern. Damit sollen unter dem Claim „Peas and Love – Good for You Good for our Planet“ alle angesprochen werden: Flexitarier, Vegetarier, Veganer und sogar Fleischfreunde. Der Geschmack kommt aus natürlichen Aromen und Pflanzenfermentierungsprozessen, die Rezeptur, zum Beispiel auf die Nachfrage, wie der Fischgeschmack in die Fischfrikadelle kommt, wird natürlich gehütet wie die Coca Cola-Formel, scherzt Isermann.

Energiesparend ohne Kühlkette

Die Produkte werden online und bereits u.a. bei Lidl, Edeka, Rewe, Globus, Hamberger usw. verkauft und können ganz einfach zuhause selbst gemixt werden. Durch die Hinzugabe von Wasser und Öl entsteht eine fleischähnliche Masse. Diese muss 30 Minuten kühl gestellt werden, danach formt man Frikadellen, Schnitzel, Burger, die dann gebraten werden, fertig. Da die Mix-Pulver trocken lagerbar sind, verzichtet Greenforce komplett auf die sonst notwendige kosten- und energieraubende Kühlkette. Und: das Pulver ist zwei Jahre haltbar und wiegt wenig, was wiederum für den Transport nicht ganz unwesentlich ist. Das ist auch für die Gastronomie interessant: Michael Käfer ist erklärter Fan, möchte den Veggie-Burger vielleicht auch 2022 auf die Wiesn bringen, berichtet Isermann. Das Käfer Bistro hat jedenfalls bereits einen Greenforce Vegan Burger mit Mango Chutney, Salat, Avocado, Gurke und Tomate auf der Karte stehen und auch bei Ruffs Burger, Hilton, Stanglwirt, Tegernseer im Tal, Augustiner Schützengarten und im Hofbräukeller sind Isermanns Produkte bereits gelistet. Die Presse vom Handelsblatt über die Süddeutsche Zeitung bis Bunte und Bild hat über die „vegane Food Revolution“ berichtet, die „Münchner Antwort auf Beyond Meat“ kommt an. Auch bei Verbänden: Greenforce haben den „Peta Vegan Food Award 2021“ und den „Green Product Award“ gewonnen.

Thomas Isermann war immer Fleischfan, er isst immer noch ab und zu ein schönes Steak, natürlich nur in bester, nachhaltiger Qualität. Aber eben nur noch ab und zu. Sein Ziel sei es Alternativen aufzuzeigen. Alternativen, die schmecken. Sieben Jahre wurde an der Food-Revolution geforscht, viel technische Logistik und ein Arbeitsumfeld wurden von einem führenden bayerischen Fleischkonzern bereit gestellt, der ähnlich wie die Kollegen von Rügenwalder über Alternativen zum bisherigen Geschäftsmodell nicht nur nachdenkt, sondern auch handelt.

Der Test: Nicht nur die Röstaromen überzeugen

Zum ersten Test wurde sich für die Easy To Mix Frikadelle entschieden, eine Packung kostet im Handel 4,99 Euro und reicht für 5-6 Portionen (ca. 450g Masse). Entspricht preislich einem Pfund ordentlichem Hackfleisch vom Metzger. Nach Packungsangaben werden dann 150 g Pulver mit 270 ml sehr kaltem Wasser gemischt, die Hälfte der Masse pur belassen, die andere mit ein bisschen Paprika, Gewürzen und Kräutern aufgepimt. Nach 30 Minuten im Kühlschrank wurden die Pflanzerl geformt und in Sonnenblumenöl angebraten. Das Ergebnis: Richtig guter Geschmack, auch in der puren Version. Die Konsistenz erinnert fast an Hackfleisch, obwohl der Geschmacksträger Fett fehlt. Die große Überraschung sind die Röstaromen der leichten Kruste die beim Braten entsteht – einfach köstlich. Das gilt auch für ein veganes Schnitzel von Greenforce, das am nächsten Tag nach dem gleichen Prinzip zubereitet wurde – ohne Panade und Ei, ohne zusätzliche Würze. Auch hier ist die Konsistenz weicher als echtes Fleisch, was aber nicht stört, da wiederum die Röstaromen voll überzeugen und das Schnitzel dadurch einen Biss bekommt.

Was soll man sagen: bisher ist dem Autor, der in den letzten 20 Jahren auch schon den ein oder anderen veganen Fleischersatz probiert hat, noch kein vergleichbares Produkt in Qualität und Geschmack untergekommen. Vegane Food-Revolution? Gerne, vor allem wenn sie so schmeckt. Und vielleicht auf diese Weise den Fleisch- und Energieverbrauch reduziert, zum Wohl von Tier, Klima und Mensch. Alle Infos unter www.greenforce.com

Autor: Rainer Germann

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