Gastro-Kritik

Irmi: Modern Munich Kitchen á la Monaco Franze

Wirtshaus Irmi

Das Irmi gehört zwar zum Le Méridien-Hotel in der Goethestraße, versteht sich aber als eigenständiges modernes Wirtshaus.

Durch einen völlig unscheinbaren Eingang in der Goethestraße kommt man zuerst in ein kleines Foyer, wo einem von einem sehr großen Bild eine etwas ältere, verschmitzt schmunzelnde Dame derart gnädig wissend in die Augen schaut, dass man unwillkürlich denkt, dass müsse ja wohl jene „Irmi“ sein, nach der das Lokal benannt ist. 

Stimmt aber nicht, wie uns der freundliche Herr am Reservierungstischchen aufklärt. Das Foto stammt aus einer der hier regelmäßig stattfindenden Ausstellungen des „Le Méridien“-Hotels, zu dem auch das Restaurant gehört. Die wahre Namensgeberin für das Lokal sei nämlich „Irmgard“, die grundbodenständige resolute Haushälterin und Köchin aus der Serie „Monaco Franze“, dargestellt von der großen „kleinen“ Erni Singerl.

„Ohne Dill isst er ihn nicht…“

Für bayrische, bodenständige und gute Küche soll der Name „Irmi“ also stehen, wird uns erklärt. Und wir sind gespannt und gleich auch schon wieder erstaunt, denn das Lokal hat mit erwartetem bayerischem Holz-und-Herrgott-Zirbel-Interieur so gar nichts am Hut: ein sehr hoher Raum mit dreierlei verschieden hohen Tisch- und Sitzformationen in langer Reihe, auf der einen Seite zum schönen Innenhof mit einer großzügigen Fensterfront – auf der anderen Seite hohe Wände, die mit einer Art riesigem, buntem „Fleckerlteppich“ bestückt sind, der außer seiner Hingucker-Funktion auch noch für eine perfekte Raum-Akustik selbst bei Vollbetrieb sorgt. 

Tatsächlich sitzt man hier einfach angenehm und durchaus behaglich. Auch der Service wird offenbar nicht zwangsmäßig in alpenländische Ritualkluft gezwängt und ist durchgehend leger und zuvorkommend freundlich. Bei einem frischen, hopfigen „Märzen“ von der Giesinger Brauerei (3,90) in einem schönen dickwandigen Spezial-„Willy-Becher“ schauen wir in die relativ übersichtliche Speisekarte, eine mittlerweile oft übliche Lose-Blatt-Sammlung auf Holzzwickbrett: Modern Munich Kitchen wird hier zelebriert und „a bisserl Inszenierung darf schon sein, bitteschön“. 

„Irmi“ so heißt es auf der Internetseite, steht für „zeitgemäße Tradition, Regionalität ist Trumpf...die Wurst kommt aus der Umgebung, genauso der Fisch…vieles von handverlesenen Münchner Traditionsbetrieben…“: Also Giesinger Bier ist schon mal keine schlechte Adresse, ebenso der Münchner Kindl Senf, der feine Käse vom Tölzer Kasladen und auch die guten Würschtl vom Metzger Vogel aus Haidhausen. Wir probieren den gebackenen Kalbsrollbraten mit Kartoffel-Gurken-Salat (18,80). 

Der panierte Braten ist ungewohnt, schmeckt aber sehr gut und kam sozusagen wie ein Wiener Schnitzel mit Zitronenscheiben, allerdings aber noch mit einem vortrefflichem Kalbssoßerl dazu und einem angenehmen, leicht süßlichen Kartoffel-Gurkensalat, bei dem selbstverständlich der Dill nicht fehlte (Zitat Irmi in Monaco Franze: „Ohne Dill isst er ihn nicht…“). Zur Nachspeise gab’s eine sehr feine Vanille-Creme (6,20) mit schön knuspriger Karamellkruste – zwar ohne die angekündigten marinierten Beeren, dafür aber mit einem durchaus akzeptablen Pflaumenkompott.

Jetzt gibt’s eben Süßkartoffel-Pommes für den Herrn Münchinger!

Beim nächsten Besuch haben wir dann die Rindersuppe mit Grießnockerl und Rinderfiletscheibchen (5,40) probiert, eine außergewöhnlich gute und geschmackvolle Rinderbrühe, mit wenig, dafür aber sehr guter Fleischeinlage und zwei wunderbar perfekten Grießnockerln – bestes Küchenhandwerk. Auch der Winzersalat (12,80) konnte massiv punkten: frische Kräuter- und Salatblättchen, schön drapiert auf einem großen, ovalen Teller mit leicht karamellisierten Walnüssen, kleinen säuerlichen Beeren, süßen Weintrauben, röschen Croutons und einer geschmacklich überzeugenden, sehr feinen Vinaigrette. 

Die hausgemachten Spinat-Teigtaschen (13,-) mit grünem Spargel, vollmundigen kleinen Tomaten und Bergkäse gehörten wahrscheinlich nicht unbedingt in das Koch-Repertoire der guten „Irmgard“, ebenso wenig wie der wunderbar rauchige „Pulled Burger“ (16,50) in einer getoasteten Laugensemmel mit einer genialen Kreuzkümmel-Koriander-Mayo, feinstem Blaukrautsalat und mit Abstand den besten Süßkartoffel-Pommes, die wir je gegessen haben.

Also: Wenn die gute Seele „Irmi“ zeitgeistmäßig jetzt die „Modern Munich Kitchen“ so gut kocht, sagen wir: „Macht’s nur so weiter!“

Autor: Peter Trischberger

Wirtshaus Irmi, Goethestr. 4
www.irmi-muenchen.de

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