Gastro-Kritik

Steak und Style

The Lonely Broccoli am Schwabinger Tor

Das Andaz Hotel am Schwabinger Tor hat mit seinem Restaurant The Lonely Broccoli ein Modern Meat House der ganz besonderen Art zu bieten.

Allein das Hotel ist eine Schau: Edles Design trifft hier auf klassische Stilelemente der Moderne, schwarze Marmorböden in Rauten auf rotgoldene Metallwandverkleidungen, Glas auf Leder und Holz. Die Andaz-Hotels sind das Premium-Segment der Hyatt-Gruppe, alle sind individuell gestaltet und sorgen für etwas frischen Wind in der Welt der Luxushotels. 

Das Münchner Haus mit Restaurant, Café, Bistro, Rooftop Bar, Spa und Dachterrasse, alles frei zugänglich auch für Nicht-Hotelgäste, wurde bereits Ende Februar eröffnet, die M'Uniqo Rooftop Bar in der 13. Etage war schnell in aller Munde, da man von ihr aus den einzigen 360 Grad-Rundumblick über München hat, den man mit einem Drink in der Hand genießen kann. Dazu später mehr.

Wir waren zum Essen hier im The Lonely Broccoli und zwar auf Einladung des Hauses, das sollte hier erwähnt werden, und auch, dass dies in Bezug auf die Speisen keine Rolle spielte, da man von einem günstig in der Nähe der offenen Küche platzierten Tisch einen guten Einblick auf das Geschehen am Grill und Herd hatte und feststellen konnte, dass alle Gerichte gleich sorgsam zubereitet und von dem wirklich sehr professionellen Team um Restaurantleiterin Eva Nagel auch allen anderen Gästen rundum mit der gleichen Aufmerksamkeit serviert wurden. 

Dazu gehört, dass Sous Chef Marty Lahn gerne mal die „Kücheninsel“ verlässt, um persönlich vom Gast Vorlieben zu erfragen und Empfehlungen auszusprechen. Bei der Einrichtung wurden klassische Möbel-Elemente mit retro-futuristischem Lichtdesign, Pflanzen und extravaganten Schaukästen mit einer Sammlung von Fleischerbeilen verbunden.

Popcorn vom Schwein, Wein nach Emotionen

In zwei offenen Küchen wird im The Lonely Broccoli Lamm-, Rind- und Schweinefleisch bester Qualität (hauptsächlich aus der Region, Gut Spielberg und Polting) am Holzkohlegrill, Josper Grillofen oder aus dem Smoker zubereitet. Das Restaurant steht in der Tradition klassischer „Meat Houses“ und serviert gerne im aktuell beliebten Sharing-Stil. Als Vorspeisen bestellten wir sehr schmackhafte Bratwürstchen aus Franken (12), schön in Bier und Senf glasierte Hähnchen-Keulen (17) vom Holzkohlegrill und ein würzig angemachtes Tatar mit Salad Pea-Blättchen (12), dazu wurde geräuchertes, pikantes Popcorn von dehydrierter Schweinhaut (6) gereicht - alles in allem schön auf einem großen Holzbrett angerichtet und ein großer Genuss. 

Zur Wurst gab es karamellisierte Zwiebeln mit einem Pflaumen-Chutney, das Hähnchen wurde mit einem Klacks Sour Creme serviert und das Pork Popcorn ist ein Snack, nachdem man süchtig werden könnte. Dazu gesellten sich zwei offene Weißweine (um die 5 für 0,1 l): ein Lugana von Villabella und ein Grauburgunder von Bietighöfer aus der Pfalz, beide gut trinkbar zu einem stolzen Preis glasweise, die umfangreiche und statt nach Provenienzen nach „Emotionen“ sortierte Weinkarte listet aber auch Flaschenweine ab 25 Euro und interessante Positionen aus aller Welt.

Weiter ging es dann mit den offenen Rotweinen Touriga Nacional 2017 „100 Hectares“ aus dem Douro und ein Château Marjosse 2011von Pierre Lurton aus Bordeaux zu einer „Butcher’s Plate (p.P. 39 Euro). Die „Metzgerplatte“ versammelte ein Tomahawk-Steak vom Duroc-Schwein, dry aged und geräuchert, Lammkoteletts und ein Dry Aged Rumpsteak vom Angus Rind.

Retrocharme am Grill, Vermouth mit Ausblick

Alles Fleisch wurde vor unseren Augen auf dem Grill zubereitet, was auch ein bisschen an die Restaurant-Grillkultur der Siebziger Jahren erinnert (auch Elemente im Lokal spielen mit diesem Jahrzehnt), aber halt anspruchsvoller und zeitgemäßer aufbereitet. Zu den perfekt gegarten Stücken wurden selbstkreierte BBQ-Soße, Sauce Béarnaise und ein eigenkomponiertes Ketchup, Cole Slaw, gegrilltes Gemüse, ein schmackhaftes Kartoffel-Senf-Püree und gute Pommes Frites gereicht, da wird es an einem Vierertisch dann schon mal eng, anschließend auch in der Bauchgegend. 

Zum Abschluss kommt noch der Dessertwagen, eine kleine Kugel Tonkabohnen-Eis, etwas Mousse au chocolat, ein paar Früchte, wunderbar. Zur Zeit sorgt Spitzensommelier Justin G. Leone von Donnerstag bis Samstag für prominente Unterstützung bei der Weinberatung, der Musiker, Modefreak, Entertainer und Autor war über sechs Jahre im Tantris als Sommelier tätig und läuft sich hier schon mal bis Spätherbst für sein eigenes Restaurant warm, das dann ums Eck eröffnet werden soll.

Zum Absacker geht es nochmal hoch hinauf in die schwer angesagte M'Uniqo Rooftop Bar, im Stil einer italienischen Apéro-Bar werden hier wunderbare Vermouth-Cocktails, Americanos und Negronis (es gibt natürlich auch klassische und Signature Drinks) zu einer kleinen, feinen Speisekarte und zur schönsten Bar-Aussicht Münchens serviert.

Ein rundherum gelungener Abend, der die Anfahrt ans Schwabinger Tor mehr als lohnt, zumal das Quartier auch mit den benachbarten Restaurants La Bohème und Jaadin Grillhouse kulinarisch einiges zu bieten hat.

Autor: Rainer Germann

Öffnungszeiten

Mo-Fr 12 bis 14.30
Mo-So 18 bis 22.30
Sa, So 7 bis 23 Uhr 
www.thelonelybroccoli.com

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