Gastro-News

Ein Eis mit ungeahnter Wirkung

Dom-Pérignon-Champagner-Eis

Der verrückte Eismacher hat eine neue Sorbetsorte auf den Markt gebracht. Eine Kugel kostet 20 Euro. Im Internet scheiden sich die Geister.

Am vergangenen Sonntag, den 26.5. geschah auf Europäisch-Münchnerischem Boden etwas Großes. Etwas so Einschneidendes mit solcher Strahlkraft, dass die dazugehörige Verlautbarung innerhalb weniger Stunden ganze 24 Mal geteilt und über 270 Mal kommentiert wurde.

Manche Menschen zelebrierten es, andere echauffierten sich – Eisig kalt ließ es niemanden: Beim verrückten Eismacher gibt‘s jetzt Dom-Pérignon-Champagner-Eis. Die Kugel für 20 Euro. Diese bloße Info erzeugt eine ungeahnte Wirkung im Leser / der Leserin.

Auf Facebook, wo die in der groß tönenden Einleitung erwähnte Verlautbarung geschah, ist sie Provokation genug, um die User*innen dazu zu bringen, sich in der Kommentarspalte zu dem teuren Genuss zu positionieren: Miesepetrige Kaltkostverächter sehnen sich zurück in ein Früher, als Schlumpfeis der heiße Scheiß war und man damit noch anecken konnte. Moderne Kämpfer für eine freie, preislich ungebundene Schleck-Kultur applaudieren dem Mann mit dem Zylinder zu seiner wagemutigen Kreation.

Und der? Wie reagiert der Maitre d’Eis auf die Kommentare? Mit der Info, dass es bald ein Eis aus Dom Pérignon Rosé geben wird, von dem er sich zwei Flaschen für insgesamt 600 Euro bestellt hat. Da wird die Kugel voraussichtlich 50 Euro kosten.

Manche fragen: Ist er noch bei Trost? Wir sagen: Prost! (Sagt man das dann bei Getränke-Eis?) In einer Stadt zwischen Schickeria und Sendling 70, zwischen Aperol Spritz im Hofgarten und Oettinger im Westpark ist definitiv Platz für hochpreisigen, ausgefallenen Genuss. Das Eis soll etwas Besonderes sein und nicht auf lange Zeit den geliebten Becher mit einer Kugel Zitrone und Haselnuss (die beste Kombination von Standardeissorten; andere Meinungen an: franz.furtner@in-muenchen.de) ersetzen.

Die Kritiker*innen seien einfach darauf hingewiesen, dass es ein gewisses Maß an versöhnlicher Komik enthält, wenn die Schüssel mit dem wertigen Dessert in der Vitrine zwischen verrückten und profanen Eiskreationen wie Leberkaas und Schokolade auf ihre Käufer*innen wartet. Für Genießer*innen, die an einem heißen Sonntag im Sommer 2019 fühlen wollen, wie etwas Besonderes auf ihrer Zunge langsam schmilzt und am Gaumen vorbeiläuft, kommt das Dom-Pérignon-Sorbet derweil wie gerufen.

Wie das Eis schmeckt? Wir haben’s noch nicht probiert. Wahrscheinlich sehr gut! Der Mann hinter dem Sorbet hat für seine Kreationen schließlich schon mehrere Preise gewonnen. Ob man das auch als Probierlöffel nehmen kann, den es da immer gratis zu jeder Kugel gibt?

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