Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”

Chris Lehner: “Ich hoffe auf eine Entspannung der Lage”

Gastronom Chris Lehner
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Gastronom Chris Lehner

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick in Interviews mit einigen wichtigen Köpfen der Stadt. Heute an der Reihe: Gastwirt Chris Lehner. 

Wenn man die Branchen miteinander vergleicht, so ist die Gastronomie von den Folgen der Corona-Pandemie sicherlich in besonderem Maße betroffen. Aktuell müssen sich Restaurantbetreiber vor allem mit Stornierungen, strengen Einlasskontrollen und einer frühen Sperrstunde herumschlagen. Wir haben Chris Lehner, der das Park Café am Alten Botanischen Garten und die Gastwirtschaft Das Bad an der Theresienwiese betreibt, um einen persönlichen Jahresrückblick gebeten.

Wie fällt deine persönliche Bilanz fürs Jahr 2021 privat und aus Unternehmersicht aus?
Privat war es kein schönes Jahr. Ein Todesfall im engsten Familienkreis war der traurige Höhepunkt eines durchwachsenen Jahres. Geschäftlich war es leider auch komplett vernachlässigbar. Seit 2020 geht es in der Gastronomie nicht um Geld verdienen, es geht ums nackte Überleben der Betriebe. Wir hoffen und warten.

Weitere Beiträge zur Interview-Reihe “Bilanz 2021 / Ausblick 2022”:

Holger Stromberg: “Ich glaube, Corona ist nur ein Vorgeschmack”, Christian Schottenhamel: “Gefühlt hat ‘trial and error’ die Verwaltung bestimmt”, Danny Kufner: „Sich davon zu erholen wird eine anstrengende und langwierige Aufgabe“, Steffen Harning: “Habe die Zeit genutzt, um noch kreativer zu sein”, Jesper Munk: “Mehr Empathie.“, Daniel Lazak: “Wie ich ‘nen Moshpit vemisse...”, Philip Bradatsch: “Aber Hauptsache, die Baumärkte bleiben unter allen Umständen offen ...“, Niko Strnad: “Und ich vertraue auf die Einzigartigkeit des Erlebens von Livemusik-Konzerten!“, Rüdiger Linhof: “Ich will sehen dass endlich was vorwärts geht.“, Tobi Ranzinger: “Der gechillte und respektvolle Umgang miteinander hat gelitten”, Christian Kiesler: “Ich würde mir hier ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Realismus, Reflexion und Fairness wünschen...“, Mirca Lotz: “Ich rechne erstmal gar nicht sondern nehme es wie es kommt...“, Markus Naegele: “Die Freude am Leben eben nicht zu verlieren, klingt oft einfacher als es ist.“, Thomas Bohnet: “Dass wenigstens der nächste Herbst nicht wieder so ein Desaster wird.“

Was hat dich besonders genervt oder beeinträchtigt?
Generell ist die Entwicklung der letzten Jahre schwierig. Während München nur noch mehr namen- und gesichtslose Hotelburgen, Filialisten und Discounter in die Innenstadt bekommen hat, finden unsere Mitarbeiter keine bezahlbaren Wohnungen mehr im Stadtgebiet. Corona hat das Ganze noch weiter und schneller vorangetrieben. Das gastronomische Schaffen rund um Corona herum ist auch absolut absurd, hier hat die Politik regelmäßig versagt. Die Regeln kamen schneller als die gesetzlichen Anordnungen, zum Teil wussten wir vormittags noch nicht, was ab Mittag gelten wird.

Welche Lichtblicke hast du 2021 erlebt?
Es ist einfach beeindruckend, wie unser Team zusammenhält. Der Korpsgedanke, der Teamspirit, die tägliche Selbstmotivation der Mannschaft, die gelebte gute Laune und der Wille, gemeinsam durch diese schwierige Zeit zu kommen, ist einfach spektakulär.

Was erhoffst du dir vom Jahr 2022?
Ich hoffe auf eine Entspannung der Lage. Ich wünsche mir für meine Truppe, meine Gäste und mich, dass wir endlich die Masken abnehmen können und uns in die lachenden Gesichter blicken können.

Was erwartest du konkret von der neuen Bundesregierung?
Langfristige Strategien statt planlosem Reagieren. Fachwissen und Sachverstand sollte auch in der Politik Einzug halten. Schließlich erwarten auch Politiker, die als Gäste in die Gastronomie kommen, dass ein Koch kocht, ein Kellner serviert und ein Barkeeper die Drinks zubereitet.

Wann rechnest du wieder mit einer Rückkehr zur Normalität, zu Umständen wie vor Corona?
Ich hoffe, dass wir bis Sommer 2022 wieder halbwegs normal leben können und dürfen. Wenn wir es dann schaffen, uns für den Herbst/Winter 2022 vernünftig aufzustellen, dazu auch noch genügend Menschen geimpft bzw. genesen sind, blicke ich fast schon euphorisch auf 2023 …

Interview: Alex Wulkow

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