Gastro-Kritik

Bravo Bar: Angenehm hip

Die Bravo Bar in der Fraunhoferstraße

Die Bravo Bar ist eine schöne Tagesbar in der Fraunhoferstraße und auch abends geöffnet

Schlicht und trotzdem stylisch: die Tagescafé-Bar ist eine Bereicherung für die Fraunhoferstraße, das steht schon mal fest. Im ehemaligen Frenzy angesiedelt, wird hier von ab 8 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts eine Art italienische Barkultur zelebriert, inklusive Kellner in weißen Barjacken, einer zischenden Kaffeemaschine, verspiegelten Wänden, Zeitungen, Barhockern etc.

Erste Besonderheit: Ein langer Tresen trennt den Gast nicht vom Personal, alles ist offen zugänglich, allein der Respekt gewährt Abstand. Und: der Espresso an diesem Tresen kostet wie in Italien (außer in den Touri-Cafés in Rom, Florenz, Venedig) einen Euro. Das ist neu in München, der Normalpreis liegt dann doch eher beim Doppelten. Das Personal ist höflich zurückhaltend, freundlich aber nicht anbiedernd – auf den „Dottore“ kann man auch gut verzichten, außerdem sind wir ja nicht in Schwabing. Hier hat der heiß diskutierte Fraunhofer-Radlstreifen einen positiven Effekt: in der Bravo Bar sitzt man bevorzugt am Fenster und hat einen von Kraftfahrzeugen unverstellten Ausblick auf die hübschen Geschäfte gegenüber und das Treiben auf der Straße.

Morgens/Vormittags ist hier ein guter Platz für einen Cappuccino (2,80 Euro) und ein wunderbares Croissant (2), mit oder ohne Füllung, je nach Tagesform. Zur Kreislaufstimulierung kann man sich einen Prosecco der Hausmarke „Bravo Amore“ (0,1 zu 5,50) genehmigen, den ganzen Tag über gibt es auch eine kleine Karte mit Schinken- oder Käseteller (6,50), Oliven (2) und zwei wechselnden Pasta-Gerichten.

Die Spaghetti Carbonara (8,50) wären nicht schlecht gewesen (lobenswerter Weise ohne die vermaledeite Sahnesoße, die hierzulande gerne darüber geschüttet wird), kamen aber leider nicht mehr so heiß, wie sie sein müssten, aus der im Keller gelegenen Küche. Das kann passieren, wenn der Kellner oben im Stress ist und erst beim zweiten Klingeln den Weg in den Untergrund schafft. Ein kleiner Sauvignon Blanc (3,50) tröstet darüber hinweg, man sitzt einfach zu schön mit Blick auf die Bühne des Lebens, im Hintergrund laufen italienische Chansons von Conte bis Dalla.

Das Publikum ist gemischt bis hip, aber nicht um jeden Preis, und weit entfernt von den lauten Indoor-Mützen- und im Winter Hochwasserhosen-ohne Socken-Trägern, die sich im Viertel rumtreiben und aussehen, als hätten sie Daddys Skilager-Outfit auf dem Speicher gefunden.

Abends ist hier richtig was los, empfehlenswert sind für Normalsterbliche kleine und große Augustinerbierchen vom Fass (1,90/3,80) und wer es krachen lassen möchte, bitte schön, der greift zu Champagner (kann es sein, dass dieses Getränk zur Zeit wieder total angesagt ist und mich verfolgt, egal wohin ich gehe?), in diversen Variationen. Es gibt schlimmere Orte einen Tag in einer Bar zu verbringen und im Augenblick, zumindest hier im Viertel, wenig bessere.

Autor: Rainer Germann

Bravo Bar, Fraunhoferstr. 20
Tel.: 089 81 30 27 15, Di-Fr: 8-1/Sa: 9-1/So: 9-16 Uhr

Mehr zum Thema

Auch interessant

Gastro-News

Contemporary Bar - Neue Bar in der Leopoldstraße

Contemporary Bar - Neue Bar in der Leopoldstraße

Gastro-News

Circle Bar im Hearthouse: Mitbegründer Cihan Anadologlu ist nicht mehr dabei

Circle Bar im Hearthouse: Mitbegründer Cihan Anadologlu ist nicht mehr dabei

Event-Tipp

Cocktail-Trip in acht Etappen

Cocktail-Trip in acht Etappen

Kostenloser Bar-Guide!

Pocket-Guide „Bars in München“ zum Downloaden

Pocket-Guide „Bars in München“ zum Downloaden