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Weitere interessante Ausstellungen im Mai

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Ausstellung Utrecht, Caravaggio und Europa bis 21. Juli in der Alten Pinakothek

Körperschau im Lenbachhaus, ein Universalkünstler in der Villa Stuck und 10. Geburtstag im Museum Brandhorst

Nichts währt ewig. Und so kommt es, dass Caravaggios „Grablegung“, eine seltene Leihgabe der Pinacoteca Vaticana, nur noch bis zum 19. Mai in der Ausstellung Utrecht, Caravaggio und Europa (läuft bis 21. Juli) in der Alten Pinakothek zu sehen ist. Wer noch nicht da war, weiß, was zu tun ist. 

Zehn Jahre Kulturbiennale in Haidhausen! Unter dem schönen Titel Obacht! gibt es drei Tage lang, von 17. bis 19. Mai, jede Menge Remmidemmi, aber natürlich auch Kunst (Freitag, 16 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag, 14 bis 21 Uhr). Malerei zum Beispiel, Bildhauerei, Film oder Fotografie. 36 Ateliers öffnen ihre Türen, die Künstler sind anwesend und zum Gespräch bereit. Und dass man gerade in Haidhausen ganz ausgezeichnet flanieren und immer wieder mal Halt machen kann, weil es viele feine Cafés gibt, muss man ja wirklich keinem mehr erzählen. Termine, Öffnungszeiten, Lageplan und sämtliche Veranstaltungen: kultur-im-quartier.de

Alle tagesaktuellen Ausstellungstermine finden Sie auf events.in-muenchen.de

Jeder hat einen und jeder hat ein anderes Verhältnis zu ihm. Dem einen ist sein Körper ewig zu dick, der andere mag seine Hände, der nächste hat Rheuma und noch ein anderer trainiert sich Muskeln drauf, bis er aussieht wie ein Berg. Man kann sehr oft nicht mit ihm, aber ohne ihn geht es eben nicht. Das ist wohl ein Grund, warum sich auch Künstler immer wieder mit dem eigenen Körper auseinandergesetzt haben. Die Ausstellung Body Check (21. Mai bis 15. September, Katalog) im Lenbachhaus wagt ein schönes Experiment und stellt die Kunst einer expressiven Frau der Kunst eines expressiven Mannes gegenüber: Martin Kippenberger trifft auf Maria Lassnig. 

Beide haben den eigenen Körper ins Zentrum ihres Schaffens gestellt. Sehr gelb, ein bisschen rosa und blaugrün, so hat Lassnig ihren nackten Körper gemalt. Er schwebt oder schwimmt fast gänzlich unter Wasser, nur der Kopf und die Arme atmen Luft. Die linke Hand hält ein Weinglas, und rechts unten im Bild beißt ein mittelgroßer, gelbgrüner Fisch in den Unterschenkel. Hihi und aua. Der Körper als Metapher für soziale und psychologische Konflikte. Schmerz, Leid, Absurdes und Humor. Lassnig und Kippenberger haben so die Misere der menschlichen Existenz sichtbar gemacht. Harmonie und Schönheit gibt es nicht, zumindest nicht im herkömmlichen, im ästhetisch idealtypischen Sinne. Beide zeigen ihre Körper entstellt, mit verrückten Proportionen, von Krankheit gezeichnet oder auch von selbstmitleidiger Beobachtung ins Lächerliche gezogen. Es handelt sich um Selbstporträts, die nicht das Heroische suchen, sondern das Menschliche. So wird aus dem Selbstporträt eine sehr intime und subjektive Selbsterkundung, schonungslos und verletzlich. Aber auch voller Witz und mit einem starken Zug ins Groteske. Über 60 Arbeiten gibt es zu sehen.

Gestatten, Kolomann Moser. Wer bitte? Das wäre ihm zu Lebzeiten nicht passiert. Heute kann es schon mal sein, dass sein Name noch nie gehört oder einfach wieder vergessen wurde. Und das völlig zu Unrecht, denn der geborene Wiener hat die moderne Formensprache in der Kunst um 1900 ganz entscheidend mitgeprägt. Doch während Gustav Klimt heute noch berühmt und bekannt ist, verblasste der Name Moser ein bisschen. 1868 – also sechs Jahre nach Klimt – geboren, nahm er schon früh Zeichenunterricht und meldete sich heimlich zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste an, die er prompt bestand. Nach dem Studium war er Mitglied des SiebenerClubs, aus dem später die Secession entstand, die er mitbegründete. 

Malerei, Grafik, Kunstgewerbe, Innenraumgestaltung, Mode, Bühnenbild – die Ausstellung Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann (23. Mai bis 15. September, Katalog) in der Villa Stuck zeigt über 600 Exponate, einige werden zum ersten Mal öffentlich ausgestellt. Chronologisch aufbereitet werden so die Etappen des 1918 verstorbenen Künstlers sichtbar: vom Maler zum Allround-Gestalter und wieder zurück zur Malerei. Dazu kommen Arbeiten für die Bühne, von denen viele nicht zur Aufführung gelangten und also Konzept geblieben sind. Moser entwarf Gläser, Keramiken, Muster für Tapeten und Stoffe und Besteck – und Möbel. Bis heute berühmt ist sein kubistischer Armlehnstuhl mit schwarz-weißem Rohrgeflecht – schlicht, klar und sehr modern. Hier tritt Design als Mittler zwischen Kunst und Alltag auf und schafft ganz neue Formen.

Die alte Regel, dass man zu seinem Geburtstag so viele Gäste einladen darf, wie man alt ist, gilt Gottseidank nicht für Museen. Wenn das Museum Brandhorst dieses Jahr seinen 10. Geburtstag feiert, werden ganz sicher mehr als zehn Leute kommen. Nur allein die Ausstellung Forever Young, 10 Jahre Museum Brandhorst (24. Mai bis April 2020, Katalog) wird ganze Heerscharen anziehen. Und dann gibt es ja noch das Rahmenprogramm mit Podiumsdiskussionen, Talks, speziellen Führungen, Workshops ... Sind es wirklich schon zehn Jahre? Ja, und es hat sich einiges getan seit der Eröffnung im Mai 2009. Zum Beispiel ist die Sammlung Brandhorst von 700 auf über 1200 Werke angewachsen. Das macht stolze 50 Neuzugänge pro Jahr. Also durchschnittlich. 

Die Geburtstagsausstellung will mit 190 Arbeiten von 45 Künstlerinnen und Künstlern eine Werkschau sein, die schon mengenmäßig keinen Überblick, aber doch einen repräsentativen Einblick in die Sammlung gewährt. Andy Warhol ist dabei, Cy Twombly, Bruce Nauman, Cady Noland, Wolfgang Tillmans, Jeff Koons, Jean-Michel Basquiat und 38 weitere große Namen. Und jetzt aufgepasst: Am Wochenende nach der Eröffnung, also vom Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. Mai, ist der Eintritt frei. Bitte rechts und links jemanden unterhaken und kommen und kräftig mitfeiern. 

Autorin: Barbara Teichelmann

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