Ausstellungen

Weitere interessante Ausstellungen im Juni

80 Jahre Batman im Amerika-Haus

Intellektuelle Denkräume, Architektur für alle, und Batman feiert seinen 80.

Pluriversum*

Zeit, liebe Kunstgemeinde, ist relativ. Nicht wie lange ist ausschlaggebend, sondern was. Insofern ist es auch völlig okay, wenn man Ausstellungsankündigungen postvernissagös erledigt. Vor allem, wenn es sich um jemanden handelt, dessen Arbeiten zeitlos zu sein scheinen, obwohl sie fest in der Gegenwart verankert sind. 

Wir sprechen von Alexander Kluge, Autor, Filmemacher und Künstler, wohnhaft in München. Dass schon der Titel der AusstellungPluriversum* (bis 29. September) im Literaturhaus quasi eine Fußnote hat, ist natürlich kein Zufall, sondern ein Hinweis auf die Komplexität der Welt, in der wir leben. Es gibt nicht nur ein Universum, eine Ebene, eine Perspektive, das wäre Kluge zu eindimensional. Alles ist vielschichtig und erklärungsbedürftig. Und so lautet die Fußnote: „Die Poetische Kraft der Theorie“. 

Die tagesaktuelle Übersicht über alle Ausstellungstermine auf events.in-muenchen.de

Eine Methode, die der 87-jährige oft angewendet hat, ist die Montage. Immer wieder hat er individuelle Erlebnisse und universelle Themen miteinander verwoben und so archaische Menschheitsthemen wie Arbeit, Liebe oder Krieg gedanklich eingekreist. In acht thematisch-assoziativ angelegten Räumen gewährt die Ausstellung Einblick in Kluges Herangehensweise. Eigentlich interessieren ihn Zusammenhänge, bereits bestehende, aber vor allem solche, die sich erst unterwegs zeigen. So ähnlich wie bei ihm selbst. 1932 in Halberstadt geboren, erlebte er noch den zweiten Weltkrieg, studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik, lernte Adorno kennen, der ihn an den Filmregisseur Fritz Lang vermittelte, bei dem er ein Volontariat absolvierte. Er schrieb Kurzgeschichten, gehörte zum Kreis der Gruppe 47, bekam 1945 in Venedig den Silbernen Löwen für sein Spielfilmdebüt „Abschied von gestern“ und zwei Jahre später den goldenen Löwen für „Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“. Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was er alles gemacht und gedacht hat. 

Nachdem die Ausstellung schon in Essen und in Wien zu sehen war, hat sie Kluge nun für München adaptiert und mit Blick auf die 30 Jahre Wiedervereinigung ergänzt. Und weil sich Kluge nicht als Sonne, sondern als Mond begreift, der andere Gestirne braucht, die ihn zum Leuchten bringen, gibt es nicht nur seine Arbeiten zu sehen, sondern auch Werke von Künstler*innen wie Kerstin Brätsch, Thomas Demand oder Paul Klee. Kluge begreift die Ausstellung als Workshop, als sich veränderndes organisches Gebilde in der Zeit. Wie gesagt: Wie lange Sie in der Ausstellung bleiben, ist nicht ausschlaggebend. Aber was Sie dort denken, fühlen, assoziieren.

Zugang für alle. São Paulos soziale Infrastrukturen

In Städten gibt es viele Menschen, aber wenig Platz. Das ist auch in São Paulo so. Über 12 Millionen Menschen leben in Brasiliens Finanzzentrum, auf gerade mal 1.521 Quadratkilometern. Umso wichtiger werden die wenigen öffentlichen Räume, die es gibt. São Paulo bemüht sich schon seit den 1950er Jahren, die räumliche Enge durch mehr öffentlichen Raum zu mildern. Ob und wie das gelingt? Die Ausstellung Zugang für alle. São Paulos soziale Infrastrukturen (bis 8. September) des Architekturmuseums in der Pinakothek der Moderne fragt genau das und zeigt Gebäude und offene Räume, die öffentlich, halböffentlich oder in Privatbesitz sein können und integrative Orte für eine urbane Gesellschaft schaffen sollen. 

Zu sehen gibt es archivalische Faksimiles, neu in Auftrag gegebenen Fotografien, Filmbeiträge, Architekturpläne, Zeichnungen, Modelle und Interviews. Ziel ist es, einen historischen Überblick zu bieten, aber auch eine Analyse zeitgenössischer Architekturproduktion. Wie wird die Stadt von Architekten durch Gebäude gestaltet und wie trägt die Stadt zur Gestaltung von Gebäuden und öffentlichen Räumen bei? Der Fokus liegt auf der Verflechtung von Stadt und Architektur, weil es viele offene Räume in Häuserstrukturen gibt, die man nur über kleine seitliche Treppen oder Rampen erreicht, die von den großen Gehwegen abzweigen. 

Während viele Städte noch immer dem sogenannten Bilbao-Effekt hinterherrennen und auf monofunktionale „Signature Architecture“ von berühmten Architekten setzen, die als Touristenmagnet wirken soll, beschäftigt sich diese Ausstellung mit Architektur, die auf soziale Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Also für die Menschen, die dort leben.

80 Jahre Batman

Batman ist traumatisiert. Nein, stimmt nicht, Bruce Wayne wurde als Kind traumatisiert, weil er mitansehen musste, wie seine Eltern erschossen wurden. Und um dieses Trauma zu überwinden, wird Bruce zu Batman und schwört am Grab seiner Eltern, gegen das Verbrechen anzukämpfen. Keine leichte Aufgabe in einer Stadt wie Gotham City, die vor allem aus dunklen Gassen und Gestalten besteht. Batman hat keine Superkräfte, aber einen Superwillen und einen supergroßen Haufen Geld geerbt. Also studiert er Kriminalistik, Chemie, Mathematik, Physik, Technik und trainiert sich in sämtlichen Selbstverteidigungsarten. Dass er dann schließlich zum Fledermausmann wird, ist Teil seiner Selbstüberwindungs-Initiationsgeschichte, die Christopher Nolan in seinem ersten Film der Batman-Trilogie „Batman Begins“ (2005) wunderbar düster interpretiert hat. 

Aber bevor wir ins Plaudern geraten: Auch Batman wird älter. Nicht auf dem Papier und nicht auf der Leinwand, aber im echten Leben. Und deshalb richtet das Amerikahaus der Comicfigur eine Jubiläumsausstellung aus. 80 Jahre Batman (im Rahmen des Comicfestivals, bis 30. September) präsentiert 90 Originalzeichnungen von 70 Comiczeichnern und bietet so einen Überblick vom Erfinder Bob Kane über Nachfolger wie Neal Adams, Frank Miller, Greg Capullo oder Alex Ross. Dazu kommen Ausschnitte aus den unzähligen Verfilmungen, verschiedene Batmobile (leider nur) als Miniaturmodelle oder das Videospiel Arkham Asylum. Übrigens: Es ist eine weitere Batman-Trilogie geplant. Dieses Mal mit Robert Pattinson in der Hauptrolle. Vom Vampir zur Fledermaus. Warum nicht? Wir werden ja sehen.

Autorin: Barbara Teichelmann

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