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Weitere interessante Ausstellungen im Dezember

Wahrscheinlich kein Engel: Ein Münchner Sternenkind aus der Fotoserie „Billard“ von Harald Rumpf

Jahresendkulturblues: München vor 40 Jahren, Stadtstrukturen, Farbskulpturen und Vergänglichkeit

Es ist doch jedes Jahr das gleiche. Im Herbst überschlägt sich die Kunst und gegen Jahresende dröppelt’s dann so langsam aus. Moment mal, das stimmt doch gar nicht. Gut, es gibt im Dezember statistisch gesehen weniger Ausstellungseröffnungen als im Oktober, aber all die Ausstellungen laufen ja noch. Man selbst dröppelt gegen Jahresende aus, das ist es doch. Man wird lätschert, lässt sich von der Dunkelheit überreden, doch besser im sicheren Warmen zu bleiben, und denkt sich dann ein sehr fadenscheiniges Alibi aus: Ist ja eh nicht so viel los. Pffft. Natürlich ist was los.

Zum Beispiel sollte man in all der winterlichen Lethargie nicht vergessen, dass die Neue Pinakothek nur noch bis zum 31. Dezember geöffnet ist – und dann erstmal eine gute Weile geschlossen bleibt. „Aus baulichen Gründen und zur Vorbereitung umfangreicher Sanierungsmaßnahmen“ heißt es offiziell. Einerseits ist das Brandschutzkonzept marode, andererseits tropft es bei Regen durchs Dach. So wie auf Carl Spitzwegs Gemälde „Der arme Poet“ von 1839. Es hängt übrigens in der Neuen Pinakothek. Wer vor der Schließung noch einen Blick auf die rund 400 Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts werfen möchte, sollte sich also ein bisserl beeilen. Obwohl eine kleine Auswahl von Meisterwerken ab Sommer 2019 im Erdgeschoss der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack gezeigt wird. Aber, damit wir uns richtig verstehen, als Ausrede gilt das nicht.

Eine tagesaktuelle Übersicht über alle Ausstellungen finden Sie hier auf events.in-muenchen.de

Ganz wunderbar Münchnerisch wird es im Foyer im Gasteig. Dort, im ersten Stock, werden Fotografien aus dem München der 1980er Jahre gezeigt. Der Fotograf und Dokumentarfilmer Harald Rumpf hat sich damals zwischen Glockenbachviertel und Hasenbergl, Schwabing und Haidhausen herumgetrieben und Leute beobachtet. Wir befinden uns im P1, irgendwer feiert irgendwas. Links im Bild steht ein Mädchen mit kurzem, akkurat geschnittenem Pony, großen Plastikohrringen und jeder Menge, nicht ernst gemeintem Goldgeklimper um den Hals. Ihr Kleid ist kunstvoll ramponiert, zusammenschustert aus verschiedenen Stoffstücken, aber mit einem ordentlichen Ausschnitt. Neben ihr eine Art neumoderner Stenz im schillernden Sakko mit weißem Hemd und Hut. Herrlich. An der sommerlichen Isar hat Rumpf einen Jungen fotografiert, der dort mit Taucherbrille und Babyspeckbäuchlein ziemlich professionell lässig auf seinem Rennrad posiert. Kopf leicht schräg, linke Hand in der Hüfte – als Münchner hat man das drauf.

Dagegen schaut der „Junge mit Stern“ schon ein bisschen verängstigt bis verstört in die Welt. Er ist um die zwanzig, trägt Kopfhörer und schwarzen Kajal. Auch die Lippen sind geschminkt, und mitten auf die Stirn hat er sich einen großen Stern gemalt. „Es ging immer um die Suche nach menschlichem Verhalten, nach Momenten, in denen die Abgebildeten ein privates Gesicht zeigen“, beschreibt Rumpf seinen Ansatz. Billard (12. Dezember bis 11. Januar, Buch zur Ausstellung erscheint im Allitera Verlag München) zeigt markante Münchner in Kneipen und Clubs, bei privaten Feiern, auf dem Oktoberfest und auf der Straße. Natürlich sind die 80er immer präsent, rücken aber durch das neutralisierende Schwarzweiß der Aufnahmen in den Hintergrund. Klar, es geht schon auch um die Zeit, in der diese Bilder entstanden. Aber vor allem geht es um die Menschen und das, was sie an- oder umtreibt. Und das ist in gewisser Weise zeitlos.

Die Stadt ist ein Organismus. Eine Maschine. Ein Konstrukt. Etwas, womit man sich auseinandersetzen kann. Territory of Ready (Vernissage am Mittwoch, 12. Dezember um 19 Uhr, 13. Dezember bis 27. Januar) im MaximiliansForum ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, die „nach den Verwandtschaften in den verschiedenen, bruchstückhaft lesbaren Bezugssystemen des Ortes“ sucht und darin „verschiebbare Grenzen“ entwirft. Sarah Doerfel, Raphael Krome, Laura Leppert und Michael Mieskes erforschen die Verschlingung von stadtplanerischer Geschichte, ökonomischer Mutation und dem Ausstellungsort, der ein unterirdischer Teil der Verkehrswege ist. Es gibt „vermeintliche Kunstobjekte“, „funktionshafte Objekte“ und „camouflage-artige Installationen“ zu sehen. Muss man wohl sehen, um es zu verstehen. Also hingehen.

Anish Kapoor kennt man. Indischbritischer Künstler, der aus Farbe Skulpturen macht und ungewöhnliche Materialien wie Vaseline oder Wachs verwendet. Und der sich die Exklusivrechte für die Verwendung des schwärzesten Schwarz kaufte. Seitdem sind seine schwarzen Löcher die abgründigsten. Mit Anish Kapoor (bis 23. Februar) zeigt die Galerie Klüser die erste Galerieausstellung des 64-jährigen in Deutschland – nicht so groß wie die Retrospektive 2007 im Haus der Kunst, aber trotzdem ordentlich und in beiden Galerieräumen, also in der Georgenstraße 15 und in der Türkenstraße 23. Ein schönes Geschenk zum 40-jährigen Bestehen der Galerie.

Ob es etwas mit der sogenannten „staaden Zeit“ zu tun hat, dass die Galerie Schöttle ausgerechnet jetzt eine Ausstellung mit dem Titel Still Life (bis 2. Februar) zeigt, weiß man nicht. Was man dagegen sicher weiß: Das ist die letzte Ausstellung im 50-jährigen Jubiläumsjahr der Galerie und zeigt ganz unterschiedliche Arbeiten von Helene Appel, Rodney Graham, Thomas Helbig, Lorena Herrera Rashid, Candida Höfer, Thomas Ruff, Anri Sala oder Jeff Wall. Wie interpretieren zeitgenössische Künstler das Thema Vergänglichkeit, das als „nature morte“ im 17. Jahrhundert zur selbstständigen Disziplin der Malerei wurde? Thomas Struth zum Beispiel zeigt einen toten Rotfuchs, ein Bild aus seiner Serie zu Tode gekommener Tiere. Schönheit trifft Vergänglichkeit und wird zum aktuellen memento mori.

Autorin: Barbara Teichelmann

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