Interview

Halbzeit vom The Hub Schwabing – Raiko Schwalbe im Interview

Raiko Schwalbe (vorne)

Die temporäre Kreativstätte in der Infanteriestraße 14 bietet noch bis zum 3. November ein vielfältiges Programm aus Kunst, Kultur, E-Sports, Workshops und Indoor Gardening.

Wieso das Zwischennutzungsprojekt in der ehemaligen Hochschule für Design etwas komplett Neues für München ist und warum es davon noch viel mehr braucht, hat uns „Hub“-Macher Raiko Schwalbe im Interview erzählt.

Nur 53 Tage gibt es das „The Hub Schwabing“ und zwischendrin ist auch noch Wiesn. Lohnt sich das?
Bei unserem Eröffnungsevent Mitte September waren über 1.200 Besucher da. Viele davon waren über 50 und sehr kunstinteressiert. 45 junge Künstlerinnen und Künstler haben zum Start ihre Malereien, Fotografien, Skulpturen und Collagen ausgestellt. Klar, bei sieben Wochen Laufzeit noch die Wiesn dazwischen, das ist schon eine Krux, aber unsere Gäste sagen: „Hey, da ist was mit Anspruch, das ist bei mir in der Nähe – da schau ich hin.“

Ist das „Hub“ also mehr eine Ausstellungsfläche als ein Kreativraum?
Es ist beides. Ein zentraler Knotenpunkt (a.d.R.: engl. „hub“), an dem man immer wieder etwas Neues findet, das man entdecken kann. Auf fünf Etagen auf über 5.000 qm haben wir Platz für verschiedenste Workshops und Projekte geschaffen. Zum Beispiel den Indoor-Spielplatz „Spielscheune“ für die Kleinsten, im zweiten Obergeschoss gibt es einen Skate-Park für Hockey und Blades und im dritten Stock finden die Ausstellungen statt. Vom 3. bis zum 13. Oktober hält die Digital.Lab Einzug, eine Teaser-Veranstaltung zu ARTMUC, die am 17. Oktober startet.

Zusammen mit der Kuratorin Betty Mü und mit Support von Yul Zeser belegen 15 Künstler die komplette Etage mit einer Gesamtfläche von 1.000 qm mit digitaler und interaktiver Kunst, Mapping- und Lichtinstallationen. Eine Ausstellung digitaler Kunst in dieser Größe gab es in München bisher noch nicht. Darauf sind wir mächtig stolz.

Sind die Räumlichkeiten denn zu jeder Zeit zugänglich?
Nein, das „Hub“ ist nicht wie ein Kaufhaus, durch das man einfach durchlaufen kann. Jedes Projekt hat seine eigenen Ansprechpartner und Öffnungszeiten. Es geht uns ganz bewusst nicht um die Masse, sondern um die Qualität.

Wie realisiert sich so eine Kunststätte?
Das ehemalige Hochschulgebäude gehört dem privaten Projektentwickler Bauwerk. Beim Ideenwettbewerb „5.000 Quadratmeter für Münchens Ideen“ haben Andreas Brestrich und ich den Zuschlag für „The Hub Schwabing“ bekommen – und 15.000 Euro Preisgeld. Bei der Jurysitzung war bestimmt auch ein ausschlaggebender Punkt jemanden zu finden, der das stemmen kann. Da helfen Andy mit dem Puerto Giesing und mir mit der ARTMUC der Background als Veranstalter. Dennoch: so umfangreiche Brandschutzauflagen habe ich noch nicht erlebt. Aber zu Recht, denn bei den vielen Räumen auf so großer Fläche muss alles zu 100 Prozent sicher sein.

So eine große Location überhaupt bespielen zu können ist in München sicherlich heiß begehrt…
Seit 20 Jahren lebe ich in München und mache seit 11 Jahren große Kunstevents und die Stadt macht viel, ist sehr aktiv. Brachliegende Flächen, die noch im Besitz der Stadt sind, gibt es München ja kaum noch. Da gebührt natürlich ein großes Lob dem Eigentümer, der uns das Gebäude zur Verfügung stellt. Für die Bauträger und Investoren besteht auch ein Risiko. Nicht nur die Ertüchtigung des Gebäudes ist aufwändig, auch Versicherungsfragen mussten geklärt werden. Wo wir wieder beim Thema Brandschutzverordnung wären…

Das bedeutet, für solche Zwischennutzungsprojekte braucht es mehr private Investoren?
Ich bin Berliner, wir kennen das Wort „Zwischennutzung“ praktisch gar nicht. Mehr private Investoren wären natürlich wünschenswert und es passiert auch ziemlich viel in München. Doch es geht nicht nur um Clubs, ein zentrales Kulturzentrum in München fehlt. Ich halte nichts von Projekten, in denen Kunst nur Dekoration ist. Darum haben wir mit dem „Hub“ Platz für den Künstler geschaffen, wir können sagen: „Wenn du Platz für ein Projekt brauchst, dann komm zu uns.“

Was steht die nächsten Wochen noch an?
Neben der Kunst legen wir mit dem „Hub“ den Fokus auch auf Sport. Aktuell entsteht ein urbaner Cross-Golf-Parcours, mit Abschlag auf dem Dach, über den Innhof bis in den Keller. Mein persönlicher Lieblingsplatz im „Hub“ ist der „Garden Eden“. Ein Indoor-Garten mit Loungemöbeln und Picknickmöglichkeiten. Dort servieren wir nicht nur Drinks, jeder Gast kann Blumensamen zum Selbstverstreuen mitnehmen – unser Anstoß für mehr „Urban Gardening“ in München.

Weitere Informationen sowie das vollständige Programm unter thehubschwabing.de.

Interview: Sabrina Witte

Auch interessant

Ausstellungen

Die interessantesten Ausstellungen im Januar

Die interessantesten Ausstellungen im Januar

Ansichtssache

Vom Meisterschüler zum Meister: Anthonis van Dyck in der Alten Pinakothek

Vom Meisterschüler zum Meister: Anthonis van Dyck in der Alten Pinakothek

Ausstellungen

Die interessantesten Ausstellungen im Dezember

Die interessantesten Ausstellungen im Dezember

Ausstellungen

Die interessantesten Ausstellungen im November

Die interessantesten Ausstellungen im November