Interview

Jubiläum mit gemischten Gefühlen – STROKE-Gründer Marco Schwalbe im Interview

STROKE-Gründer Marco Schwalbe

Zehn Jahre STROKE Art Fair in München. Wir haben mit Marco Schwalbe, Gründer und Geschäftsführer der STROKE, darüber gesprochen, warum die Kunstmesse in diesem Jahr zu ihren Anfängen zurückkehrt, aber dennoch alles irgendwie anders ist.

Happy Birthday! Die STROKE feiert vom 16. bis zum 19. Mai ihren zehnten Geburtstag. Bei ihrem Debüt 2009 war das Messekonzept revolutionär, oder?
Über die letzten Jahre hat sich viel getan im Bereich der jungen Kunst. Messeformate wie die STROKE gibt es mittlerweile überall. Aber wir waren die ersten, für die klar war: Wir wollen keine Kommerzialisierung des Kunstmarktes! Wir wollen das enge Korsett des Kunstmarktes sprengen! Die junge Szene hat einfach die Leidenschaft und den Mut etwas Eigenständiges auszuprobieren. Auch dieses Jahr sind wieder mehr Einzelkünstler als Galerien auf der STROKE vertreten. Die jungen Künstler möchten den Besuchern ihre Kunst nicht nur zeigen, sie möchten mit ihnen darüber sprechen. Beim Live-Painting oder im Kunstbiergarten gibt es viele Möglichkeiten sich auszutauschen.

Alle Infos zur STROKE vom 16. bis 19. Mai in der Alten Akademie finden Sie hier...

Und die Nachfrage ist ungebrochen. Seit 2009 haben über 350 Aussteller mehr als 200.000 Besuchern ihre Kunst auf der STROKE präsentiert.
Stimmt, als wir vor 10 Jahren erstmalig die Türen der STROKE geöffnet haben, war das etwas völlig Neues für München. Wir haben einen Freiraum geschaffen und Kunst konsumierbar gemacht. Die Leute wollen die Künstler kennenlernen und sich von ihnen erklären lassen, wie ein Kunstwerk entsteht. Der Besuch ist wie eine Entdeckungsreise – sie sind neugierig auf das, was sie im nächsten Raum erwartet. Beide Seiten – Künstler wie Publikum – haben Spaß dabei und am Ende wird vielleicht sogar etwas gekauft. Das macht die STROKE aus. Sie ist quirlig, lebendig und spannend.

Dagegen wirkt die neue Location, die Alte Akademie in der Neuhauser Straße, beinahe spießig: die Außenfassade im Stil der Renaissance, drinnen herrscht 80er-Jahre-Flair.
Die ehemaligen Büros und Gänge des Landesamtes für Statistik und Datensicherung werden zu in diesem Jahr zu unseren Ausstellungsräumen. Die Alte Akademie ist eine spannende Off-Location, also ein nicht offizieller Veranstaltungsraum, mit deren Gegebenheiten wir uns auseinandersetzen müssen. Dennoch: Die STROKE würde definitiv bunter Aussehen, jedoch erlauben die Räumlichkeiten dies nicht, weil wir zum Beispiel die Wände nicht streichen dürfen.

Das mag zuerst wie eine Frage des Stils klingen, kratzt aber an einem viel komplexeren Thema, nämlich der Finanzierbarkeit eines Unternehmens wie der STROKE. Als Social Entrepreneurship können und wollen wir nicht einfach wachsen und selbst immer teurer werden. Das hat zum Nachteil, dass wir kaum noch bezahlbare Ausstellungsorte finden. So mussten wir vor drei Jahren auch die Praterinsel verlassen. Wir hätten schlicht und einfach die Teilnehmerpreise verdreifachen müssen, um die neue Miete bezahlen zu können – und das wollten wir nicht.

Erklärt sich so das diesjährige Motto „Back to the roots, back to the future“?
Gerade was die unkonventionellen Räume angeht, fühlen wir uns zu den Anfängen zurückversetzt. Damals fand die STROKE nämlich ebenfalls in einer Off-Location statt und zwar in den Verkaufsräumen, Werkstätten und Ausstellungsräumen eines ehemaligen Autohauses. Auch der Blick in die Zukunft der STROKE steht in diesem Jahr an einem Wendepunkt, denn wir haben erstmals keinen Sponsor. Schon im nächsten Jahr stehen wir wieder vor dem gleichen Problem des faktisch nicht existierenden Veranstaltungsortes.

Was für einen Sinn soll es machen, die normalen Münchner Mieten zu bezahlen und es gleichzeitig für so viele Künstler damit absolut unbezahlbar zu machen, ihre Kunst zeigen und verkaufen zu können? Es stimmt uns traurig, wenn wir sehen, wie die Stadt München immer glänzender und teurer wird und am Ende kein Platz mehr bleibt, an dem experimentiert werden kann, kein Platz mehr für alternative Ideen und Lebenspläne.

Dennoch hängt das Herz der STROKE an München?
Nun, sicherlich auch meines. Ich bin auf dem Land in Thüringen aufgewachsen, als 18-Jähriger war ich zum ersten Mal in München. So eine Stadt hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Der Mix aus Coolness, Tradition, das Mediterrane, die Berge und ja, so lustig es klingt, die Sauberkeit. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Dieses wohlige Gefühl überkommt mich seit der ersten STROKE 2009 jedes Jahr aufs Neue, wenn ich die Türen das erste Mal öffne und die Menschen hereinströmen. Ich bin stolz, dass wir uns getraut haben und einen Beitrag zur Kulturentwicklung der Stadt leisten durften – obwohl die Idee eigentlich eine andere war.

… die da wäre?
Ursprünglich sollte die STROKE die weltweite erste Messe werden, bei der die Teilnahme für Künstler nichts kostet. Auch der Eintritt für die Besucher sollte umsonst sein, so dass wirklich jeder kommen und die Kreativität und Vielfalt genießen kann. Das klingt vielleicht verrückt, aber stellt euch mal vor, was das für eine Bereicherung für die Stadt München sein könnte. Dafür bräuchten wir einen Förderer, einen Mäzen, der dies ermöglicht. Den haben wir bisher leider noch nicht gefunden.

Hättest du die Möglichkeit, wie Marty McFly aus dem Film „Zurück in die Zukunft“, in die Vergangenheit der STROKE zu reisen, würdest du etwas verändern?
Wir sollten immer für unsere Ideen, für unser Handeln und unsere Visionen einstehen und stolz darauf sein. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man nur erfolgreich ist, wenn man den Gewinn maximiert und möglichst viel Geld verdient. Ich habe so viele interessante Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen kennengelernt, so viel Kurioses, Lustiges und auch Trauriges erlebt. Und alles baut aufeinander auf. Auch für mich ganz privat: die STROKE hat mich vor neun Jahren mit meiner Partnerin Nevena zusammengebracht. Das Beste, was mir passieren konnte. Seit dem ist sie an meiner Seite und bis letztes Jahr war die STROKE unser gemeinsames „Baby“. Im Februar 2018 hat unsere entzückende Tochter Linnea unser Glück perfekt gemacht. Also würde ich etwas ändern wollen? Nein, um Gottes willen!

Interview: Sabrina Witte

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