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Skateboard-Künstler Matt Wiegele: „Wollen alle wieder zurück in unser gewohntes Leben“

Erkundet die Stadt aus der Asphalt-Perspektive: Matt Wiegele
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Erkundet die Stadt aus der Asphalt-Perspektive: Matt Wiegele

„Mach, dass es wieder wird“: So heißt die neue Ausstellung von Matt Wiegele im Feierwerk Farbenladen. Sehr politisch, sehr fluid, sehr golden – und bis 16. Mai rund um die Uhr zu besichtigen. Durchs Fenster.

Herr Wiegele, es wirkt ja so, als wäre die gesamte Stadt ein wenig ausgehungert nach neuen Reizen. Toll, dass Sie zumindest vorübergehend den Feierwerk Farbenladen mit ein wenig Leben füllen. Wie kam es denn zu Ihrer Idee dafür?
Meine Werkstatt liegt hinter dem Feierwerk Farbenladen, daher bin ich täglich daran vorbeigefahren. Die gähnende Leere hat mich traurig gemacht. Und da ich dort schon immer etwas Ausstellen wollte, war das die Gelegenheit!

Ihre Installation heißt: „Mach, dass es wieder wird“. Klingt wie ein frommer Wunsch. An wen könnte er denn gerichtet sein, und wie groß ist Ihre Hoffnung auf eine Art von Antwort?
Eigentlich ist es ein kindlicher Wunsch: Mach, das es vorbei geht. Er ist nicht konkret an jemanden gerichtet. Eher illustriert die Installation mit ihrem Titel ein wenig die Hilflosigkeit. Wir wollen alle wieder zurück in unser gewohntes Leben mit Freunden, Feiern und Konzerten.

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Feierwerk Farbenladen: Installation von Matt Wiegele

Wie schwer ist es eigentlich, sich ein Ausstellungskonzept für einen Raum einfallen zu lassen, den man aktuell gar nicht betreten kann?
Ich spiele gerne mit Räumen und der Wahrnehmung. Und bei der großen Schaufensterfront im Feierwerk Farbenladen war das kein Problem.

Sie lassen goldene Folien wogen – wie ein unruhiges Meer, aber auch ein wenig wie in einer Schatzkammer. Welche Bilder treiben Sie dabei an?
Ich versuche, mit offenen Augen durch das Leben, die Stadt oder das Internet zu gehen. So entdecke ich Dinge und Bilder, die ich versuche zu speichern. Wenn sich dann eine Gelegenheit wie beim Feierwerk Farbenladen bietet, passieren die Ideen einfach. Gesehen, gemerkt, gefiltert, gemacht.

Beim goldenen Material denkt man ja auch an Rettungsdecken, an Sanitätereinsätze, an Schiffbrüchige, die dringend gewärmt werden müssen. Oder liegen wir ganz weit daneben?
Nun ja, es sind tatsächlich Rettungsdecken. Das ist gerade ein etwas populäres Material. Aber das liegt daran, dass es so politisch ist: Hier kommt Erste Hilfe für Kranke in Deutschland mit Geflüchteten auf dem Mittelmeer zusammen. Und sie sind golden!

Ein goldenes Meer als Installation von Matt Wiegele

Sie sind ja selbst als Künstler mit einer Werkstatt direkt hinter dem Farbenladen ganz nah dran an einer Welt, in der die üblichen Türen verschlossen bleiben müssen. Wie fühlt sich für Sie die aktuelle Lage an, wie richten Sie sich immer wieder ein wenig auf?
Ich habe Glück! In meiner Werkstatt kann ich arbeiten, und seit Herbst bin ich als Kunstlehrer angestellt. Insofern geht es mir gut. Aber die Arbeitenden in der Veranstaltungsbranche – ich habe selbst viele Jahre für die Muffathalle gearbeitet – die Nachbarn vom Feierwerk, da geht es einigen ziemlich nass rein.

Eigentlich war „früher“ ja immer der Wunsch groß, endlich mal richtig viel Zeit zu haben – auch um Projekte, die man lange vor sich her geschoben hatte, endlich mal anzugehen. Wie gut kommen Sie mit der Überflutung durch Zeit zu Recht, wie viel Energie setzt sie frei?
Letztes Jahr habe ich es genossen, diese Entschleunigung. Aber momentan ist bei mir genau das Gegenteil der Fall. Mit den Projekten und der Anstellung fehlt mir gerade etwas Zeit.

An welchen Arbeiten sitzen Sie aktuell, auf was darf man sich als nächstes freuen?
Zur Zeit bin ich an einer Zwischennutzung in Puchheim (buntheim.de) beteiligt. Dort wird es das ganze Jahr über immer wieder etwas Neues zu entdecken geben. Und in der Kirchenstraße 7 in Haidhausen betreiben wir eine Schaufenstergalerie unter dem Namen „Frei Parken“.

Letzte Frage: Sie sind Gründungsmitglied von unitedskateboardartists. Klingt gut, aber vermutlich kann sich nicht jeder gleich etwas darunter vorstellen. Wie kommen der Skateboarder und der Künstler in Ihnen zusammen?
Als Skater habe ich gelernt, die Stadt mit anderen Augen zu lesen: Wo gibt es Möglichkeiten zum Skaten? Wie ist der Asphalt auf der oder der Straße? Dadurch setzt man sich automatisch mit der Stadt und mit Architektur auseinander. Und Skateboarding ist auch eine Szene mit eigenen Design und Codes, im Austausch mit anderen Subkulturen. So ist dem Skateboarding das kreative Gen sozusagen angeboren. Das hat mich schon sehr geprägt.

Alle Infos zur Ausstellung und zum Künstler findet Ihr auf www.feierwerk.de.

Interview: Rupert Sommer

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