Ansichtssache

10 Jahre Museum Brandhorst: Rezeptionsfragen

Cy Twomblys Rosenzyklus im Museum Brandhorst

Von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart: Das Museum Brandhorst feiert sein 10-Jähriges

Los geht’s mit A wie Andy. Das ist nicht nur alphabetisch logisch, sondern vor allem kunstgeschichtlich. Zumindest hier, im Museum Brandhorst. Draußen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, denn natürlich beginnt die Kunstgeschichte nicht bei Andy Warhol

„Forever Young“ heißt die Jubiläumsausstellung, die sich das Brandhorst zum Geburtstag schenkt. Ein passender Titel, weil zehn Jahre ja nun wirklich noch kein Alter sind, schon gar nicht für ein Museum. Und ein schöner Titel, weil Kunst ja nicht im herkömmlichen Sinne altert. Du bist aber groß geworden – zu einer Sammlung sagt man das eher nicht, aber hier würde es passen, denn es ist viel passiert von 2009 bis heute. Auch wenn man es den drei keramikbunten Kuben nicht ansieht, das Brandhorst hat kräftig zugenommen: von 700 auf 1.200 Werke. 

Eines hat sich aber nicht geändert, Cy Twombly ist nach wie vor der Hausheilige, ihm gehört das ganze erste Stockwerk. Zum Jubiläum ist sein opulent knallbunter Rosenzyklus in der ursprünglichen, vom Künstler konzipierten Form zu sehen. Im Erdgeschoss und im Keller hat die Kuratorin Patrizia Dander Neuankäufe der letzten Jahre mit bekannten Sammlungshighlights kombiniert und so einen Parcours durch die Sammlungsgeschichte konzipiert. 

Los geht es im ersten Saal mit einer Auswahl wichtiger Werke von Andy Warhol. Dollarscheine zum an die Wand hängen, Pat Hearn, Jacky Kennedy, ein Selbstporträt, im Instagramtauglichen, quadratischen Format ... Warhol hat sich bereits in der 1960er Jahren noch ohne soziale Netzwerke ziemlich clever als Marke erfunden. Dahinter großformatig an der Wand Louise Lawlers Arbeit „Plexi (adjusted to fit)“ aus dem Jahr 2010. Eine skalierbare Installations-Rezeption, die das Foto eines Warhol-Kunstwerkes zeigt, wie es zum Beispiel in einem Depot gelagert wird: eine Brillo-, eine Heinz-, eine Kellog’s- und eine Campbell’s-Kiste, sicher in Plexiglaskästen verwahrt. Es geht also darum, unsere Rezeption von Warhols Kunst zu hinterfragen. Was damals in Serie produziert wurde, wird heute als musealer Gegenstand aufbewahrt. War das so gedacht? Ist das der Weg, den Kunst gehen muss? Kann Kunst nur im Museum existieren? Und was ist ein Museum überhaupt? Was leistet es? Und was nicht? Und was will eine Sammlung? 

Ganz schön viele Fragen. Aber genau das ist das Konzept dieser Sammlungspräsentation: Die Kunst ihre Arbeit tun zu lassen. Das heißt, sich selbst, unsere Rezeption und sonst noch so einiges zu hinterfragen.

Autorin: Barbara Teichelmann

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